Ärger wegen überklebter Strassenschilder in Rorschach: Frauenstreik-Aktivistinnen wären beinahe angezeigt worden

Anlässlich des Frauenstreiks überklebten rund 50 Frauen die Strassenschilder Rorschachs mit Namen weiblicher Vorbilder. Die Aktion kam nicht bei jedem gut an. Eine Frau alarmierte die Gesetzeshüter

Ines Biedenkapp
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Für den Frauenstreik wurde die Jakobstrasse in Rorschach nach der Schriftstellerin Iris von Roten umbenannt. Das umbenannte Strassenschild durfte jedoch nicht lange bleiben. (Bild: Jolanda Riedener)

Für den Frauenstreik wurde die Jakobstrasse in Rorschach nach der Schriftstellerin Iris von Roten umbenannt. Das umbenannte Strassenschild durfte jedoch nicht lange bleiben. (Bild: Jolanda Riedener)

In der Nacht vor dem Frauenstreik haben Aktivistinnen in Rorschach Strassenschilder mit den Namen weiblicher Vorbilder überklebt. Weniger Freude daran hatte eine Anwohnerin, die das Geschehen per Zufall beobachtet hat. Kurz nach Mitternacht rief sie bei der Polizei in Rorschach an, und meldete, dass Unbekannte mit einer Leiter auf den Strassen unterwegs seien.

Als sie am nächsten Morgen die umbenannten Strassen sah, rief sie erneut bei der Polizei an. Dies führte dazu, dass die Verwaltung der Stadt Rorschach am Freitagmorgen einen Anruf der Kantonspolizei St. Gallen erhielt, mit der Aufforderung, die aufgeklebten Schilder wieder zu entfernen. Auch eine Anzeige aufgrund von Sachbeschädigung stand im Raum. Auf Anfrage bestätigt Stadtschreiber Marcel Aeple den Vorfall.

Verantwortliche waren am streiken

«Wir haben dann versucht, die Verantwortlichen ausfindig zu machen und darüber in Kenntnis zu setzen», sagt Marcel Aeple. Kein leichtes Unterfangen, nahmen die Aktivistinnen doch am Frauenstreik in St. Gallen teil. Nach einigen Versuchen konnten sie einen der Ehemänner erreichen und damit auch die demonstrierenden Frauen. Marcel Aeple sagt:

«Wir haben ihnen dann bis Samstag Zeit gelassen, um die Schilder wieder zu entfernen.»

Für Maria Huber, eine der Aktivistinnen, nicht nachvollziehbar: «Natürlich hätten wir die Schilder gerne länger oben gesehen», sagt sie. «Doch wir wussten, dass die Aktion nicht ganz legal war und immerhin waren die Schilder am Tag des Frauenstreiks noch drauf.» So wurden im Verlauf des Samstags alle 19 Strassen wieder in ihren ursprünglichen Zustand versetzt und von den Aufklebern befreit.

Schilder sollten Thema sensibilisieren

Auch die Goldacherin Jacqueline Schneider hatte auf mehr Verständnis für die Aktion gehofft. «Man könnte auch grosszügigere Hoffnung an den Tag legen. Es wurde ja nichts zerstört», sagt die Geschäftsführerin der Frauenzentrale in St. Gallen. Aktionen wie jene im Bundeshaus, wo eine Statue besprayt wurde, findet sie nicht in Ordnung, damit sei eine Grenze überschritten. Doch, «mit den harmlosen Schildern sollte nur für das Thema sensibilisiert werden.» Es sei ja nichts zerstört worden und die Tafeln seien wieder entfernt worden.

Kontrapunkt zur «männlichen» Hafenstadt

Da die Schilder öffentliches Eigentum darstellen, hätte die Stadt Rorschach Anzeige wegen Sachbeschädigung bei der Polizei einreichen können. «Darauf hat die Stadtverwaltung allerdings verzichtet», sagt Hanspeter Krüsi, Mediensprecher der Kantonspolizei St. Gallen. Durch die spezielle Klebefolie sei zudem nichts beschädigt worden.

Marcel Aeple bestätigt, dass eine Anzeige für das Überkleben der Schilder übertrieben sei. Persönlich sei er zwar nicht ganz von der Aktion der Frauen überzeugt, «doch das ist jedem selbst überlassen», sagt er.

«Wir wollten daraus eigentlich auch kein grosses Aufheben machen.»

Anlässlich des Frauenstreiks vom 14. Juni wollten Rorschacherinnen einen Kontrapunkt zur männlich dominierten Hafenstadt setzen. So wurden nicht nur die Strassennamen weiblich, auch das Wappen Rorschachs wurde neu interpretiert. So trugen die Fische Bikinis und die Getreidehalme ballten die Faust.