Frauenstreik-Aktion
«Dosenwerfen gegen alte weisse Männer, das ist diskriminierend»: Zwei Parteipräsidenten fordern Antworten vom St.Galler Stadtrat

Die Aktion liegt schon einige Wochen zurück, doch jetzt hat sie ein politisches Nachspiel. Zwei St.Galler Parteipräsidenten wollen vom Stadtrat wissen, warum die Aktion «Dosenwerfen gegen alte weisse Männer» im Rahmen des Frauenstreiks bewilligt wurde.

Julia Nehmiz
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Da war das Dosenwerfen schon vorbei: Am eigentlichen Frauenstreik demonstrierten in St.Gallen 300 Personen für Gleichstellung.

Da war das Dosenwerfen schon vorbei: Am eigentlichen Frauenstreik demonstrierten in St.Gallen 300 Personen für Gleichstellung.

Bild: Sandro Büchler (14. Juni 2021)

An der Aktion selber haben sie nicht teilgenommen. Sie besucht auch nicht. Doch unanständig sei sie allemal. «Dosenwerfen gegen alte weisse Männer» hiess einer von insgesamt 24 Programmpunkten, die im Rahmen der feministischen Aktionstage im Juni in St.Gallen stattfanden. Höhepunkt der mehrtägigen Veranstaltungsreihe war der Frauenstreik am 14 Juni.

Zwei Tage zuvor, am 12. Juni, hatte die Juso des Kantons St.Gallen zur jetzt kritisierten Aktion eingeladen: Von 14 bis 17 Uhr, am Multertor St.Gallen, konnte bei einem Dosenwerfen «mensch Wut gegen das Patriarchat ablassen».

Das stösst zwei städtischen Parteipräsidenten sauer auf. An der letzten Sitzung vor der Sommerpause reichten Oskar Seger (FDP) und Donat Kuratli (SVP) am Dienstag im Stadtparlament eine Einfache Anfrage ein. Sie fragen: Unterstützt die Stadt St.Gallen unhaltbare Aktionen?

Konsterniert, dass Anlass bewilligt wurde

Donat Kuratli, Präsident SVP Stadt St.Gallen.

Donat Kuratli, Präsident SVP Stadt St.Gallen.

Bild: PD

«Wir haben die Einfache Anfrage gestellt, weil uns unklar ist, wie es zu dieser Situation kam», sagt Donat Kuratli auf Anfrage. Es sei unanständig, Bilder aufzuhängen, auf die man werfen kann. «Wir sind völlig überrascht und nehmen konsterniert zur Kenntnis, dass dieser Anlass bewilligt worden ist», sagt Oskar Seger. «Und dass es keine Reaktion seitens des Stadtrats oder seitens der Presse auf dieses Dosenwerfen gab.»

Das stimmt, ein öffentlicher Aufschrei blieb aus. Einzig FDP-Kantonsrat Walter Locher schrieb einen Leserbrief im «Tagblatt», in welchem er sich über die Aktion empörte. Seger und Kuratli wollen der Empörung nun politischen Nachdruck verleihen. Denn: «So eine Aktion geht einfach nicht, das ist diskriminierend», sagt Seger. Die Rassismusstrafnorm besage, dass keine Gruppierung öffentlich diskriminiert werden dürfe.

«Aber öffentlich auf alte weisse Männer Dosen werfen, das darf man?»
Oskar Seger, Präsident FDP Stadt St.Gallen.

Oskar Seger, Präsident FDP Stadt St.Gallen.

Bild: PD

Für ihn sei mit dieser Aktion die rote Linie überschritten. Er sei überhaupt nicht gegen die feministischen Aktionstage. «Aber die Formulierung dieses Anlasses geht nicht.» Selbst wenn der Titel ironisch gemeint sein könnte? «Auch Ironie hat eine Grenze», sagt Seger.

Fünf Fragen an den Stadtrat

In der Einfachen Anfrage stellen Seger und Kuratli fünf Fragen an den Stadtrat. Sie wollen wissen, wie sich der Stadtrat zur Veranstaltung äussert und ob er der Auffassung sei, dass diese Veranstaltung mit dem Thema «Dosenwerfen gegen alte weisse Männer» dem Rassismus- und Diskriminierungsverbot widerspreche. Sie fragen, wie der Stadtrat sich erkläre, dass eine solche Veranstaltung durch die zuständige Direktion bewilligt wurde und wie er sicherstelle, dass künftige Veranstaltungen solcher Art auf öffentlichem Grund nicht mehr bewilligt würden. Und ob der Stadtrat eine Anzeige wegen Verletzung der Rassismusstrafnorm einreiche.

Seger und Kuratli schreiben, dass die Aktion von Juso und SP des Kantons St.Gallen durchgeführt worden sei. Doch gemäss Flyer war nur die Juso die Organisatorin. Das stimmt, sagt Seger. Doch die SP sei die Mutterpartei und Mit-Organisatorin der feministischen Aktionstage.

SP und Juso wollten sich bis Redaktionsschluss nicht zur Einfachen Anfrage und zur Aktion äussern. Von den sieben angefragten Vertreterinnen und Vertretern der beiden Parteien hatte niemand Lust gehabt, Antworten auf Fragen zum «Dosenwerfen gegen alte weisse Männer» zu geben.

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