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50 Prozent Frauen in den Chefetagen der Verwaltung: Linke fordern Frauenquote in der Stadt St.Gallen

Die Linken fordern vom Stadtrat mindestens 50 Prozent Frauen in den Chefetagen der Verwaltung und der technischen Betriebe. Die aktuellen Zahlen sind weit davon entfernt.
Seraina Hess
Zwei Frauen, eine Dienststellenleitung: Kristin Schmidt (links) und Barbara Affolter sind Co-Leiterinnen der Kulturförderung. (Bild: Urs Bucher)

Zwei Frauen, eine Dienststellenleitung: Kristin Schmidt (links) und Barbara Affolter sind Co-Leiterinnen der Kulturförderung. (Bild: Urs Bucher)

In St.Gallen leiten nur neun Frauen Dienststellen der städtischen Verwaltung und der technischen Betriebe – zwei davon im Jobsharing. Dem gegenüber stehen 31 Männer, die sich als Stabsmitarbeiter oder Dienststellenleiter etabliert haben. Dieses Ungleichgewicht will die SP/Juso/PFG-Fraktion nicht mehr länger hinnehmen. Nachdem sich linke Stadtparlamentarierinnen in der letzten Parlamentssitzung bereits für gendergerechte Sprache in amtlichen Texten starkgemacht hatten , reichten sie eine Motion ein.

Da­rin fordert die Fraktion, das Personalreglement zu ergänzen: «Die Stadt schafft die notwendigen Rahmenbedingungen für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Sie setzt sich ein Mindestziel von jeweils 50 Prozent Frauen in Kader- und Führungspositionen.»

Es ist ein Vorstoss mit einer Vorgeschichte, die bis ins Jahr 2013 zurückgeht. Schon damals war die tiefe Anzahl Frauen in den Chefetagen der Stadt ein Thema. Der Stadtrat definierte das Ziel, den Frauen- und Männeranteil in der Verwaltung auszugleichen. Gelungen ist ihm in den letzten sechs Jahren zwar ein leichter Anstieg – von Ausgleich kann aber nicht die Rede sein. Waren es 2013 noch 23,4 Prozent Kadermitarbeiterinnen, sind es heute 29,2 Prozent. Ähnlich bei den Frauen in der Führung: Dort ist der Anteil von 17,1 auf 22,1 Prozent gestiegen. Die Zahl aller angestellten Frauen stagniert bei etwas mehr als einem Drittel – Lehrerinnen ausgenommen.

«Frauen braucht es nicht nur in der Tagesbetreuung»

Federführend in Sachen Frauenpolitik in St.Gallen ist unter anderem SP-Stadtparlamentarierin Jenny Heeb. Die Sozialpädagogin sagt:

«Wir müssen dem Stadtrat jetzt Druck machen.»

Die Verankerung der Frauenquote im Personalreglement biete eine Grundlage, auf die man sich künftig stützen könne – auch wenn 50 Prozent Frauenanteil überaus idealistisch angesetzt seien.

Jenny Heeb, St.Galler SP-Stadtparlamentarierin. (Bild: Ralph Ribi)

Jenny Heeb, St.Galler SP-Stadtparlamentarierin. (Bild: Ralph Ribi)

Wie genau es der Stadt gelingen soll, ein ausgeglichenes Verhältnis zu erreichen, lässt die geforderte Ergänzung im Personalreglement offen. Jenny Heeb schlägt eine zweite Bewerbungsrunde vor, wenn sich keine Frau auf eine ausgeschriebene Stelle beworben hat. «Auch eine Bevorzugung von Frauen ist denkbar», ergänzt Heeb. Was aber, wenn sich tatsächlich keine Frauen melden – etwa auf eine Ingenieurstelle bei den Stadtwerken? «Das Argument, auf solche Ausschreibungen würden sich keine Frauen melden, rechtfertigt keine Stagnation in anderen Bereichen. Man kann dort ansetzen, wo etwas erreicht werden kann.» Fraktionspräsident Daniel Kehl sieht das gleich. «Damit ist aber nicht gemeint, Frauen einzig im Bereich Tagesbetreuung in Leitungsfunktionen einzusetzen, wo sie ohnehin schon stark vertreten sind», präzisiert Kehl.

Mit ihrem Anliegen steht die SP/Juso/PFG-Fraktion nicht alleine da. Frauenquoten, Frauenförderung und Vereinbarkeit von Familie und Beruf sind aktueller denn je. Erst vor zwei Wochen hat der Ständerat beschlossen, in Geschäftsleitungen und Verwaltungsräten von Grosskonzernen Frauenquoten einzuführen. Künftig muss der Frauenanteil in Verwaltungsräten mindestens 30 Prozent, in Geschäftsleitungen mindestens 20 Prozent betragen.

Die Regelung betrifft allerdings nur börsenkotierte Aktiengesellschaften mit über 250 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Sie haben fünf Jahre Zeit, um die Quote im Verwaltungsrat zu erreichen. In der Geschäftsleitung sind es zehn Jahre. Sanktionen drohen keine: Die Firmen müssen lediglich begründen, weshalb die Quote nicht erreicht wurde, und Massnahmen präsentieren, wie der Frauenanteil dennoch erhöht werden soll.

Auch auf Verwaltungsebene wird etwas getan. So gab etwa die Zürcher SP-Regierungsrätin Jacqueline Fehr kurz nach dem Frauenstreik bekannt, im Justizdepartement nur noch anonyme Bewerbungsverfahren durchführen zu wollen. Fehr beabsichtigt, neue Mitarbeitende über einen Online-Test zu ermitteln, ohne Angaben wie Geschlecht, Alter oder Herkunft. Relevant seien Fähigkeiten und Qualifikationen. So werde Diskriminierung verhindert – etwa, wenn sich eine Frau bewirbt, bei der durch die Lebensumstände anzunehmen ist, dass sie bald schwanger wird.

Auch Chefs sollen sich einen Job teilen

Jenny Heeb kennt die Zürcher Idee zwar nicht im Detail – die Grundzüge findet sie aber durchaus unterstützenswert, zumal Chancengleichheit gewährleistet wäre. Die Motion ihrer Fraktion setzt sich jedoch nicht nur für ein ausgeglichenes Verhältnis ein – sie geht einen Schritt weiter. Die Stadt soll Rahmenbedingungen schaffen, damit mehr Männer Teilzeit arbeiten können.

Aktuelle Zahlen zeigen: Von den insgesamt 2166 städtischen Angestellten arbeiten knapp 40 Prozent Teilzeit – allerdings sind davon nicht einmal ein Drittel Männer. Auch in Führungspositionen soll es möglich sein, sich einen Job zu teilen, sagt Jenny Heeb. Lobenswert sei etwa die Dienststelle Kulturförderung mit Kristin Schmidt und Barbara Affolter als Co-Leiterinnen. «Es erstaunt aber wenig, dass es gerade zwei Frauen sind, die in einer Führungsposition Teilzeit arbeiten. Männern sollte das auch gelingen», sagt Heeb.

Ob die Motion erheblich erklärt wird oder nicht, dürfte das Stadtparlament im nächsten halben Jahr entscheiden.

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