Frau soll Pensionsgelder des Vaters abgezweigt haben – zu bedingter Geldstrafe verurteilt

Das Kantonsgericht hat eine 40-Jährige wegen gewerbsmässigen Betrugs und mehrfacher Urkundenfälschung schuldig gesprochen.

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Eine 40-Jährige wurde vom St.Galler Kantonsgericht wegen Betrugs und Urkundenfälschung verurteilt.

Eine 40-Jährige wurde vom St.Galler Kantonsgericht wegen Betrugs und Urkundenfälschung verurteilt.

Symbolbild: Ralph Ribi

Eine 40-jährige Frau soll Pensionsgelder ihres Vaters abgezweigt haben. Dafür hat sie nun das Kantonsgericht härter bestraft als die Vorinstanz. Diese hatte sie lediglich wegen Urkundenfälschung, nicht aber wegen gewerbsmässigen Betrugs verurteilt. Die zweite Instanz folgte bei den Schuldsprüchen den Anträgen der Staatsanwaltschaft. Von einer Landesverweisung sah das Kantonsgericht hingegen ab.

Der Vater der Beschuldigten hatte seine Tochter bezichtigt, rund 78000 Franken Pensionsgelder abgezweigt zu haben. Er wurde im Oktober 2015 vorzeitig pensioniert und verliess die Schweiz, um in seiner Heimat Bosnien zu leben. Er sei relativ plötzlich abgereist, weil er einen Herzinfarkt erlitten habe, hatte der Mann an der erstinstanzlichen Gerichtsverhandlung erklärt. Er habe deshalb seine älteste Tochter damit beauftragt, ihn in der Schweiz abzumelden, seine Wohnung aufzulösen und die Post entgegenzunehmen.

Tochter habe Unterschrift des Vaters gefälscht

Laut Staatsanwaltschaft lag am 13. November 2015 ein vertrauliches Schreiben in der Post, mit dem die Pensionskasse anfragte, ob er eine lebenslängliche Altersrente oder das Alterskapital beziehen wolle. Die Tochter soll daraufhin das Formular handschriftlich ausgefüllt und die Pensionskasse angewiesen haben, das Alterskapital auf das Konto ihres Vaters auszubezahlen. Auf dem Schriftstück habe sie die Unterschrift des Pensionierten gefälscht.

Am 1. Dezember 2015 wurde der Betrag von rund 140000 Franken überwiesen. Danach reichte die Tochter bei der Bank eine Vollmacht ein, die sie dazu berechtigt hätte, Geld vom Konto des Vaters abzuheben. Weil die Unterschrift nicht mit derjenigen der hinterlegten Kopie der Identitätskarte übereinstimmte, verweigerte die Bank die Vollmacht. Einige Tage später kam der Vater aus Bosnien zurück, um 50000 Franken vom Konto abzuheben. Da er nicht gut genug Deutsch sprach, begleitete ihn die Tochter. Auf der Bank unterschrieb er unter anderem die Vollmacht für seine Tochter. Danach reiste er zurück.

Zwischen Dezember 2015 und November 2016 hob die Tochter bei der Bank mehrere Beträge ab, die sich auf insgesamt rund 78000 Franken summierten. Als der Vater merkte, dass auf dem Konto praktisch kein Geld mehr war, zeigte er die Tochter an und reklamierte, sie habe ohne sein Wissen Geld bezogen. Zudem habe er nie sein Einverständnis für die Vollmacht gegeben. Diese habe ihm die Tochter aufgrund seiner mangelnden Deutschkenntnisse beim Bankbesuch untergejubelt.

Die Tochter verlangte an der Berufungsverhandlung am Kantonsgericht St.Gallen einen vollumfänglichen Freispruch. Den Vorwürfen widersprach sie vehement. Sie habe immer alles mit dem Einverständnis des Vaters gemacht. Er habe sie mehrmals beauftragt, Geld für ihn abzuheben und es nach Bosnien zu schicken. Er habe dies für die Sanierung seines Hauses und den Bau eines Ferienhauses gebraucht. Auch habe sie von Verwandten gehört, er gebe viel Geld für alles Mögliche aus.

Die Beschuldigte räumte ein, sie habe auch Beträge für sich abgehoben. Dies habe ihr Vater aber erlaubt, weil er gewusst habe, dass sie in finanziellen Nöten stecke. Er habe gesagt, er gebe ihr das Geld quasi als Lohn und Dank für die Arbeit, die sie für ihn geleistet habe. Der Vater war an der Berufungsverhandlung nicht mehr als Auskunftsperson vorgeladen.

Hohe Gerichtskosten entstanden

Während der Verteidiger der Beschuldigten mit der Berufung einen Freispruch verlangte, erhob die Staatsanwaltschaft Anschlussberufung und forderte eine bedingte Freiheitsstrafe von zehn Monaten, eine Busse von 1800 Franken, eine Landesverweisung von fünf Jahren und einen Eintrag im SIS (Schengener Informationssystem).

Das Kantonsgericht St.Gallen hob das Urteil der Vorinstanz auf. Es sprach die Frau des gewerbsmässigen Betrugs und der mehrfachen Urkundenfälschung schuldig. Als Sanktion fällte es eine bedingte Geldstrafe von 300 Tagessätzen zu je 30 Franken. Auf eine Landesverweisung der verheirateten Mutter verzichtete das Richtergremium. Die Gerichtskosten, welche die Beschuldigte bezahlen muss, sind hoch. Sie betragen rund 25000 Franken. (cis)