Freie Wohnungen in Rotmonten - hat die HSG ihr Versprechen gehalten? 

Das neue Forschungszentrum der HSG bietet viel Platz und ist ein Versprechen: Im Gegenzug sollen in Rotmonten wieder Wohnungen frei werden. SP-Kantonsrat Peter Hartmann möchte nun wissen, ob Regierung und Universität dieses Versprechen erfüllt haben.

Roger Berhalter
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6700 Quadratmeter auf drei Etagen: Das neue Lehr- und Forschungsgebäude der Universität St.Gallen an der Müller-Friedberg-Strasse (Bild: Michel Canonica)

6700 Quadratmeter auf drei Etagen: Das neue Lehr- und Forschungsgebäude der Universität St.Gallen an der Müller-Friedberg-Strasse (Bild: Michel Canonica)

Die Universität St.Gallen hat ein Platzproblem. Die Studentenzahlen steigen ständig, und längst reichen die vorhandenen Räume auf dem HSG-Campus nicht mehr aus. Seit Jahren mietet sich die Universität deshalb in private Liegenschaften ein, vor allem im Quartier Rotmonten und in Bahnhofsnähe. Das Universitätsgelände gehört heute den Lernenden, Lehre und Forschung aber sind aus dem Campus ausgezogen. Die HSG-Institute mit ihren Büros für Dozenten und Forscher sind heute auf Dutzende von Liegenschaften verteilt.
Linken Politikern und Quartierbewohnern in Rotmonten ist dies schon länger ein Dorn im Auge. Wie ein Geschwür fresse sich die Universität ins Quartier, wird kritisiert. Wenn die HSG Wohnungen miete und zu Büros umbaue, entziehe sie dem Quartier Wohnraum. Damit würden die Mieten an dieser ohnehin schon teuren Lage weiter steigen.  

Lieber zentral als verstreut

Auch die HSG ist mit dieser Situation nicht zufrieden. Sie möchte ihre Institute nicht mehr länger auf verschiedene Gebäude verteilt haben, sondern an wenigen, dafür zentralen Standorten zusammenfassen. Ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu diesem Ziel ist das neue Lehr- und Forschungszentrum an der Müller-Friedberg-Strasse, das im Mai 2017 eröffnet wurde. Das Gebäude bietet auf drei Etagen Platz für 350 Arbeitsplätze, dazu kommen Seminar- und Begegnungsräume sowie eine Dachterrasse. Die insgesamt 6700 Quadratmeter Fläche verteilen sich gemäss HSG-Webseite auf drei Institute und Forschungsstellen, zwei Schools, ein Center sowie ein Weiterbildungsprogramm.

Das neue Forschungsgebäude hat das Platzproblem der HSG entschärft, und es ist davon auszugehen, dass damit viele bestehende Mietverträge obsolet geworden sind. So schrieb die Kantonsregierung schon in ihrer Botschaft zum Voranschlag 2014 im Zusammenhang mit dem neuen Lehr- und Forschungsgebäude: «Damit verbunden wäre die Aufhebung einer Vielzahl von einzelnen Mietverhältnissen, was sowohl wirtschaftlich als auch für die Quartierentwicklung auf dem Rosenberg sinnvoll wäre.» Zudem könne das Quartier am Rosenberg «auch verkehrsmässig entlastet werden».

SP-Kantonsrat Peter Hartmann

SP-Kantonsrat Peter Hartmann

Genau auf diese Aussagen behaftet der SP-Kantonsrat Peter Hartmann die Regierung nun. «Jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, die Umsetzung der damaligen Zusicherungen zu überprüfen», schreibt Hartmann in einer Einfachen Anfrage mit dem Titel «Universität St.Gallen: Erfolgskontrolle», die er soeben eingereicht hat. Jetzt, da das neue Forschungszentrum in Betrieb ist, möchte er es genau wissen. Hartmann verlangt von der Regierung eine detaillierte Liste, welche Mietverhältnisse die Universität «als Folge der Inbetriebnahme des zentralen Standortes Müller-Friedberg-Strasse» gekündigt oder aufgegeben habe.

Um welche Mietverträge es geht, ist schon länger klar

«Es geht um Vertrauenswürdigkeit», präzisiert Hartmann auf Nachfrage. «Ich möchte wissen, ob die Regierung und die Universität sich wie versprochen verhalten haben.» Damit die Universität an der Müller-Friedberg-Strasse zusätzlich 4700 Quadratmeter mieten konnte, war die Zustimmung des Kantonsrats nötig. In der Vorberatung präsentierte der damalige HSG-Verwaltungsdirektor der zuständigen (Sub-)Kommission laut Hartmann eine detaillierte Liste, welche Mietverträge man kündigen werde, wenn das Forschungszentrum komme.

Hartmann hat seinen Vorstoss nicht zuletzt im Hinblick auf die weiteren Ausbau-Pläne der HSG am Platztor eingereicht. «Haben Uni und Regierung die Mietverträge wie versprochen gekündigt, dann können wir entsprechenden Zusicherungen auch in Zukunft glauben. Insbesondere wenn es um den neuen Campus am Platztor geht.» Hartmann verlangt eine Erfolgskontrolle, und ein Erfolg wäre aus seiner Sicht, wenn die Universität rund die Hälfte der 4700 Quadratmeter in Liegenschaften im Quartier wieder abgegeben hätte.