Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Forschungsprojekt zeigt Wohnraum vor Rorschacher Wahrzeichen

In einem Kubus auf dem Hafenplatz wird das Wohnen der Zukunft erforscht. Das Gebäude strotzt vor Technik, produziert Strom, reguliert die Raumtemperatur – und steht Interessierten offen.
Sandro Büchler

Der metallisch-grau verzierte Klotz, der auf Stützen am Hafen steht, ist ein kleines Wunderding. Die Aussenhülle offenbart bei genauem Hinsehen ihr Geheimnis. «In der Fassade und auf dem Dach ist eine Fotovoltaik-Anlage eingebaut – Strom aus Sonnenlicht», sagt Silvia Gemperle von der Energieagentur St. Gallen.

Der Kubus namens «Biosphera Equilibrium» stellt höchste Anforderungen punkto Energieeffizienz und Nachhaltigkeit und ist nach den höchsten Minergie-Standards konzipiert. Ziel sei es, neue Technologien zu testen, Daten und Erfahrungen zu sammeln, um sie später in konkreten Bauprojekten umzusetzen. «Das Gebäudemodul soll aber in erster Linie dem Wohlbefinden der Menschen, die sich darin aufhalten, dienen», erklärt Gemperle. Der Kubus lässt sich unterschiedlich nutzen: «Als Wohnraum, als Schulzimmer, oder – wie in Rorschach – als Büro eingerichtet.»

Das Moos verfärbt sich, wenn es zu trocken wird

Ronnie Ambauen, Rorschacher Stadtrat und Architekt, begutachtet die Lampe aus Moos und Flechten. (Bild: Sandro Büchler)

Ronnie Ambauen, Rorschacher Stadtrat und Architekt, begutachtet die Lampe aus Moos und Flechten. (Bild: Sandro Büchler)

Der Kubus ist aber eigentlich ein Forschungslabor. Was wie Kunstwerke an der Wand aussieht, sind Luftfilter. Die Lüftung kontrolliere sich selbst, «CO2-gesteuert», sagt Gemperle. Je nach Zahl der Personen im Raum und deren Wärmeproduktion. Eine 40 Zentimeter dicke Hülle und dreifach verglaste Fensterscheiben sorgen für eine gute Isolation.

In der Küchenecke zieht grünes Moos an der Decke die Blicke auf sich. «Das ist eine lebendige Lampe.» Was wörtlich zu verstehen sei, denn «die Flechten sind ein Indikator für die Luftqualität. Sie werden grau, falls es drinnen zu trocken wird», so Gemperle.

Auch Stadtrat Ronnie Ambauen ist beeindruckt von der Technik, die auf 45 Quadratmetern Platz findet. Der Kubus zeige, wie man die neusten wissenschaftlichen Erkenntnisse konkret in Neubauten anwenden könne. «Das ist nahe am Alltag», sagt Ambauen, der selbst als Architekt tätig ist. Die Erkenntnisse aus dem Projekt seien für Rorschach relevant, sagt der Stadtrat.

«Sie zeigen exemplarisch, wie die Ideen für einen energieeffizienten Bau eingebracht werden können.»

Zudem befinde sich Rorschach in einem Tranformationsprozess. «Von einer Industrie- zu einer Dienstleistungs- und Wohnstadt.» So finde man auf dem Stadtgebiet noch zahlreiche Orte mit einer älteren Bausubstanz, dazu ehemalige Industrieareale. «Deshalb gilt es energieeffizientes Bauen auch bei Renovationen stets im Auge zu behalten.»

Viermal mehr Energie als benötigt

Zurück zum Labor auf dem Hafenplatz: Im Innern geniesst man durch die grosse Fensterfront den Ausblick auf den See. Das Arvenholz an den Wänden wirkt wärmend und sorgt für einen wohlriechenden Duft. «Das Holz, wie auch die Flechtenlampe, sind einem Aufenthalt im Wald nachempfunden», sagt Silvia Gemperle.

«Es ist gemütlich», sagt Regierungsrat Marc Mächler. «Das Haus, das Bett mit Aussicht auf das Kornhaus; das könnte ich mir auch als Skihütte vorstellen.» Der Kubus zeige, was heute punkto Minergie möglich sei. Mächler sagt:

«Viele meinen, man könne bei einem tieferen Energieverbrauch nur noch kalt duschen und müsse ständig frieren.»

So zeige das Projekt, dass Energiesparen auch mit viel Komfort möglich sei. Wobei das Hightech-Haus nicht nur Energie einspart, sondern vielmehr produziert. «8000 Kilowattstunden pro Jahr erzeugt das Gebäude», sagt Gemperle. Es produziere viermal mehr Energie, als es benötige. Eine mit Salz betriebene Batterie der neusten Generation speichert einen Teil des produzierten Stroms.

Die überschüssige Energie könne für das Laden eines Elektro-Autos gebraucht werden. In Rorschach kommt der Strom der Stadt zugute, «denn er wird ins Netz eingespeist», so Gemperle.

Hinweis

Bis zum 21. Dezember steht der Kubus «Biosphera Equilibrium» von Montag bis Samstag von 10 bis 17 Uhr zur freien Besichtigung offen. Vor Ort sind Fachleute.

www.energieagentur-sg.ch/biosphera

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.