Forscher untersuchen das Geothermie-Bohrloch: Keine Risiken für die Bevölkerung

Wissenschafter testen Prototypen zur Messung des Zustands der eingebauten Rohre im Bohrloch.

Christoph Renn
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Der ehemalige Geothermie-Bohrplatz wird zu Forschungszwecken genutzt. (Bild: Ralph Ribi - 3. August 2018)

Der ehemalige Geothermie-Bohrplatz wird zu Forschungszwecken genutzt. (Bild: Ralph Ribi - 3. August 2018)

Der Geothermie-Bohrplatz in St.Gallen verwandelt sich kommende Woche in ein Forschungslabor. Am 28. und 29. August testen Wissenschafter ihre Prototypen, die den Zustand der eingebauten Rohre im Bohrloch messen. Diese Tests bergen laut Thomas Bloch, Projektleiter St.Galler Stadtwerke, keinerlei Risiken für die Bevölkerung oder den Untergrund der Stadt. «Die Wissenschafter messen die Daten mit ihren Prototypen am Bohrkopf an der Oberfläche.» Wenn die bisher nur im Labor getesteten geophysikalischen Messverfahren vor Ort funktionieren, liefern sie Daten über die Qualität der Rohre bis in 4,5 Kilometer Tiefe.

Durchgeführt werden die zweitägigen Messungen von der «TWI Ltd.» aus Cambridge in Grossbritannien. Liefern die Prototypen die gewünschten Resultate, werden sie auch für das Geothermie-Projekt in Cornwall eingesetzt.

Einflüsse von Geothermie auf den Untergrund testen

Die Tests werden im Rahmen des EU-Forschungsprogramms «Science4CleanEnergy» durchgeführt. Am Programm nehmen 23 europäische Partner aus Wissenschaft und Wirtschaft teil und es wird von der öffentlichen Hand unterstützt. Es dauert noch bis August 2020. Im Rahmen des Projekts werden Umwelteinflüsse von Geoenergien, unter anderem Geothermie, auf den Untergrund bestimmt, neue Messetechnologien erprobt und umweltrelevante Daten gesammelt. Auch die St.Galler Stadtwerke unterstützen das Projekt. Sie stellen das Bohrloch für Feldtests sowie früher erhobene Messdaten zur Verfügung.

Für ihre Teilnahme an «Science4CleanEnergy» erhalten die Stadtwerke einen sechsstelligen Betrag. Dieser ist im Vergleich mit den rund 38 Millionen Franken, die die Stadt in Zusammenhang mit dem Geothermie-Projekt ausgegeben hat, wenig. «Uns geht es nicht um das Geld», sagt Thomas Bloch. Vielmehr würden die St.Galler Stadtwerke vom Austausch mit europäischen Spezialisten bezüglich einer allfälligen alternativen Nutzung des St.Galler Bohrlochs profitieren.

Weiter auf der Suche nach Nutzungsmöglichkeiten

Ob die Stadtwerke bereits eine solche alternative Nutzung des Bohrloches genauer prüfen, lässt Bloch offen. Doch bis das Loch definitiv verschlossen werde, beobachte man die Entwicklung der Technik weiter.

Um eine andere Nutzung zu finden, bleibt bis 2029 Zeit. Kürzlich hat der Kanton St.Gallen die Baubewilligung für den Bohrplatz um zehn Jahre verlängert. Eröffnet sich keine neue Möglichkeit, wird das Bohrloch spätestens 2029 definitiv verschlossen. In der Zwischenzeit wird der Bohrplatz verschiedentlich genutzt: als zusätzliche Fläche für Kehrichtballenlager der Entsorgung St.Gallen, für nicht täglich in Betrieb stehende Busse der Verkehrsbetriebe oder als Materiallager des Open Air St.Gallen.

Geothermie in St.Gallen: Wissenschaftler nutzen das Bohrloch

Der St.Galler Stadtrat möchte mit dem definitiven Versiegeln des 4450 Meter tiefen Geothermie-Bohrlochs «St.Gallen GT-1» zuwarten. Gegenwärtig wird dieses von der Wissenschaft genutzt; es ist Teil des EU-Programms «Science4CleanEnergy».
Daniel Wirth