Flugsicherheit
«Das geschulte Auge unserer Fluglotsen ist immer noch das wichtigste Hilfsmittel»: Wie der Flugplatz Altenrhein den Betrieb vor Drohnen schützt

Der Flugplatz St.Gallen-Altenrhein hat als erster Flughafen der Schweiz ein Drohnen-Detektionssystem installiert. Das Kamerasystem ergänzt das altgediente Fernglas der Fluglotsen und soll Drohnen frühzeitig erkennen.

Jolanda Riedener
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Der Flugplatz in Altenrhein setzt auf Sicherheit und arbeitet mit einer australischen Firma zusammen.

Der Flugplatz in Altenrhein setzt auf Sicherheit und arbeitet mit einer australischen Firma zusammen.

Bild: Tino Dietsche

In den letzten Jahren ist die Anzahl Drohnen im Luftraum enorm gewachsen – ein Spielzeug, das wohl auch in diesem Jahr unter einigen Christbäumen liegen wird. Um der Verbreitung gerecht zu werden, setzt der Flugplatz Altenrhein auf ein neues Drohnen-Detektionssystem der australischen Firma Droneshield. Das schreibt die People's Airgroup in einer Mitteilung.

Der technische Fortschritt hat die Nutzung von Drohnen vereinfacht und die finanzielle Hürde gesenkt. «Diese Geräte erscheinen in der öffentlichen Wahrnehmung häufig als Spielzeug und die Nutzung geschieht teilweise ohne nötiges Hintergrundwissen», sagt Timo Nielsen, unter anderem Zuständig für Sicherheit und Regelkonformität bei der People's Airgroup.

Die Mehrheit der Drohnenpiloten ist gut informiert

Diese Entwicklung stellt auch die Luftfahrt im Allgemeinen vor Herausforderungen. Das Bundesamt für Zivilluftfahrt (BAZL) wirkt mit ihrer Öffentlichkeitsarbeit dem entgegen. «Wir als Flughafen sehen uns in der Verantwortung, dieser latenten Gefahr zu begegnen», sagt Nielsen. Mit Droneshield habe man einen Partner gefunden, um das Erkennen solcher Flugobjekte auch in grösserer Entfernung zu ermöglichen. Und weiter:

«Ich möchte nicht sagen, dass die privaten Drohnenpiloten zu einem Problem geworden sind.»

Die grosse Mehrheit sei sicher gut informiert und verhalte sich umsichtig. Zum Beispiel stellt das BAZL eine interaktive Drohnenkarte zur Verfügung. Generell ist es zwar verboten, näher als fünf Kilometer von einem Flugplatz mit einer Drohne oder einem Modellflugzeug zu fliegen. «Dennoch müssen wir auch für den Einzelfall gerüstet sein», sagt Nielsen.

Weiter schaffe das Detektionssystem eine zusätzliche Sicherheit für den Fall der unbedarften Nutzung oder auch im Falle eines Kontrollverlusts des Drohenpiloten. Schlimmstenfalls könnte es zu einer Kollision mit einem Flugzeug kommen. Um dies zu verhindern, kommt das Drohnen-Detektionssystem zum Einsatz und in der Konsequenz könnte der Flugbetrieb auch eingestellt werden, bis die Polizei den Drohnenpiloten ermittelt und zur Landung bewegt hat.

Australisches System ergänzt das Fernglas

Das neue System sei aber nicht das einzige Hilfsmittel, um Drohnen oder Modellflugzeuge zu entdecken. Die Flugverkehrsleitung verfüge über eine Vielzahl von Systemen zur Verkehrsüberwachung. Timo Nielsen sagt:

«Das geschulte Auge unserer Fluglotsen ist immer noch das wichtigste Hilfsmittel.»

Flugverkehrsleiter beobachten ständig den Luftraum und folgen dem Grundprinzip «See and Avoid» (sehen und ausweichen). Das neue Detektionssystem unterstützt dabei. Das Kamerasystem ergänze somit das altgediente Fernglas.

Max Mumenthaler (Leiter Flugsicherung, Skyguide in St.Gallen-Altenrhein) vor dem Dashboard von Droneshield

Max Mumenthaler (Leiter Flugsicherung, Skyguide in St.Gallen-Altenrhein) vor dem Dashboard von Droneshield

Bild: PD

Sensoren senden keine Strahlung aus

Die Firma Droneshield ist auf Detektion und Abwehr von Drohnen spezialisiert, heisst es in der Mitteilung der People's Airgroup. An verschiedenen Orten auf dem Flugplatzareal wurde Sensorik installiert. Das Detektionssystem arbeite rein passiv und dadurch, dass keine Strahlung ausgesendet werde, bestehe keinerlei Beeinflussung anderer Systeme am Flugplatz oder in seiner Umgebung. Nach Wochen der Erprobung und Kalibrierung ist das System nun in Betrieb.

Sobald Signale von Drohnen ermittelt werden, erhält der Flugverkehrsleiter in Altenrhein einen Alarm und sieht auf seinem Bildschirm die Position und ein Livevideobild der Drohne.

Wie viel das schweizweit erste Drohnen-Detektionssystem kostet, wollen die Verantwortlichen vom Flugplatz St.Gallen-Altenrhein nicht preisgeben. Nur so viel: Man sei immer bestrebt, durch innovative Herangehensweisen den aktuellen Herausforderungen zu begegnen.