Flig findet Gossauer Energiepolitik widersprüchlich: Kritik und Fragen zur Senkung der Einspeisevergütung

Der Gossauer Stadtrat senkt die Einspeisevergütung für Solarstrom. Dave Mathis (Flig) hat Fragen. Für ihn besteht die Gefahr, dass der Stadtrat mit diesem Vorgehen seine eigenen energiepolitischen Ziele unterläuft.

Perrine Woodtli
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Wohnhäuser mit Fotovoltaikanlagen auf dem Dach.

Wohnhäuser mit Fotovoltaikanlagen auf dem Dach.

Symbolbild: Jens Meyer/AP
(2.4.2007)

Anfang September haben die Stadtwerke Gossau einen Brief verschickt. In diesem teilen sie mit, dass der Stadtrat entschieden hat, den Rückliefertarif für erneuerbaren Strom per 1. Januar 2021 um drei Rappen zu senken. Das bedeutet, dass Hauseigentümer mit Fotovoltaikanlage auf dem Dach, die den überschüssigen Strom ins Netz der Stadtwerke einspeisen, künftig weniger Geld für ihren Strom erhalten.

Unterläuft die Stadt die eigenen Zielsetzungen?

Die Reduktion der Einspeisevergütung weckt den Unmut vieler Anlagenbetreiber. Flig-Parlamentarier Dave Mathis hat dazu nun eine Einfache Anfrage im Gossauer Stadtparlament eingereicht. In dieser nimmt er Bezug auf die Website der Stadtwerke. Er nimmt Bezug auf das Zitat: «Gossau möchte in Energiefragen informieren, sensibilisieren und zum Handeln motivieren.»

Unter anderem werden Fördermassnahmen aus einem Energiefonds finanziell unterstützt oder Beratungen angeboten. Der Energieverbrauch soll bewusster gemacht werden, um den eigenen Energieverbrauch zu optimieren. «Immer wieder werden jedoch seitens der Stadt Massnahmen ergriffen, die das Gegenteil bewirken», kritisiert Mathis in der Begründung seiner Einfachen Anfrage.

Attraktivität einer Fotovoltaikanlage «sinkt massiv»

So würden Einspeisevergütungen «drastisch reduziert» und damit die Amortisationszeit von Fotovoltaikanlagen verlängert. Die Attraktivität einer Anlage sinke «massiv». Weiter müssten schon für kleine Anlagen kostenpflichtige Baubewilligungen eingeholt werden, sofern sie auch nur wenig von der Norm abweichen. Diese Bauten seien aber weitgehend standardisiert, der Aufwand für solche Bewilligungen minim.

Mathis hat einige Fragen an den Stadtrat. Die Reduktion der Einspeisevergütung werde Minderausgaben seitens der Stadtwerke ab 2021 mit sich bringen. Diese tieferen «Anreizkosten» führten zu einem verbesserten Ergebnis der Stadtwerke. Mathis will jetzt wissen, wie hoch die Minderkosten in den nächsten Jahren pro Jahr geschätzt werden.

Er verlangt zudem Auskunft darüber, warum mit der Senkung nicht zugewartet wurde, bis wie zum Beispiel die im «Tagblatt» erwähnten Stromspeicher gefördert werden. Weiter will er erfahren, ob der Umsatz für Baubewilligungen in nachhaltige Anlagen pro Jahr konkret beziffert werden könne und ob der Stadtrat die Ansicht teile, dass sein Vorgehen bei der Bevölkerung zu Unverständnis führe.