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«Wie ein Sechser im Lotto»: Fledermäuse fühlen sich in Muolen wohl

Das Braune Langohr ist in Muolen angekommen. Erstmals wurden die seltene Fledermausart auf dem Gemeindegebiet nachgewiesen. Ein Schutzprojekt in Obstgärten trägt Früchte.
Sandro Büchler
Biologe René Güttinger begutachtet in Muolen ein Exemplar der nur rund zehn Gramm schweren Fledermausart. (Bild: Ralph Ribi)

Biologe René Güttinger begutachtet in Muolen ein Exemplar der nur rund zehn Gramm schweren Fledermausart. (Bild: Ralph Ribi)

René Güttinger fällt vor Freude fast von der Leiter. «Gottfriedstutz, ich glaub es ja nicht», entfährt es ihm. Er leuchtet mit der Taschenlampe in einen grauen, länglichen Kasten, der zwischen den Ästen eines Apfelbaums befestigt ist. Darin hängen lethargisch einige Fledermäuse an der Decke. «Sieben Braune Langohren – vier erwachsene Tiere und drei junge», zählt er. Die namengebenden Ohren der Tiere sind zur Hälfte eingerollt und wirken eher wie Hörner.

Peter Zahner, Landwirt und Fledermausschützer. (Bild: Ralph Ribi)

Peter Zahner, Landwirt und
Fledermausschützer. (Bild: Ralph Ribi)

René Güttinger ist Biologe und koordiniert den Fledermausschutz in den Kantonen St.Gallen und beiden Appenzell. Ihn begleitet Peter Zahner. Der Landwirt aus Waldkirch ist einer von rund 30 Fledermausschützern, die das Schutzprojekt ehrenamtlich und tatkräftig unterstützen. An diesem sonnigen Septembernachmittag kontrollieren die beiden 58-Jährigen im Westen von Muolen die Fledermauskästen.

Es ist ein Tag der Wahrheit für sie. Die beiden Männer wollen wissen, wie die Kleinsäuger die Kästen nutzen. Denn die Bestände des Braunen Langohrs sind unter Druck, wie Güttinger sagt. Der Lebensraum der rund zehn Gramm schweren Fledermäuse schwindet. «Die Lichtverschmutzung stört und vertreibt sie. Auch Quartiere in Kirchen, Wohnhäusern und Scheunen verschwinden.»

Ein dunkles, karges Hotelzimmer

Die Gemeinde Muolen will den bedrohten Tieren Schutz bieten. Deshalb wurden im vergangenen Herbst hundert Stück der aus Betonholz hergestellten Behausungen in Hochstammanlagen westlich von Muolen aufgehängt – finanziert durch eine Patenschaftsaktion. In diesen schlafen die Langohren am Tag.

An der Unterseite, unter der Zahl 8 im Bild, befindet sich der Eingang zum Tagesquartier für die Fledermäuse. (Bild: Ralph Ribi)

An der Unterseite, unter der Zahl 8 im Bild, befindet sich der Eingang zum Tagesquartier für die Fledermäuse. (Bild: Ralph Ribi)

Das Innere der Tagesquartiere ist dunkel und schmal, die Wände kahl. Der Eingang befindet sich – anders als bei einem Vogelhäuschen – an der Unterseite. «Doch das Hotel gefällt ihnen», sagt Güttinger. Das Zimmer mit der Nummer 790 ist ausgebucht – und hat dem Biologen das freudige Jauchzen entlockt.

«Das sind die ersten nachgewiesenen Braunen Langohren in Muolen.»

Zuvor gelang die Ansiedlung schon in anderen Gemeinden in der Region. Die Naturschützer freuen sich über den Nachwuchs. Zahner sagt:

«Das sind Teenies, also ausgewachsene Jungtiere, die diesen Juli auf die Welt gekommen sind und jetzt noch als Jungtiere erkennbar sind.»

Blick ins Innere: Sieben Langohren im Kasten Nummer 790. (Bild: Ralph Ribi)

Blick ins Innere: Sieben Langohren im Kasten Nummer 790. (Bild: Ralph Ribi)

Die Jungen seien wie ein Sechser im Lotto. Sie sind der lebende Beweis, dass Zahners und Güttingers Engagement Früchte trägt. Dass die Fledermäuse die neuen Unterkünfte gleich im ersten Jahr besiedeln und sich zudem fortpflanzen, ist selbst für den erfahrenen Biologen aus Nesslau aussergewöhnlich. «In diesem Tempo überrascht mich das.» Güttinger hatte noch vor dem Kontrollrundgang gesagt, wenn er bereits Kotspuren vorfinde, sei er zufrieden.

Die erfolgreiche Ansiedlung zeige aber auch, dass der Lebensraum in Muolen zwischen den Obstbäumen optimal für die Jagd nach Nachtfaltern und Mücken geeignet sei. Daneben seien auch mit Büschen und Bäumen gesäumte Bäche und Hecken in der Nähe wichtig. «Denn die Langohren fliegen nicht über ein offenes Feld, das schreckt sie ab», weiss Güttinger.

Biologe René Güttinger bei der Arbeit, mit Leiter und Taschenlampe. (Bild: Ralph Ribi)

Biologe René Güttinger bei der Arbeit, mit Leiter und Taschenlampe. (Bild: Ralph Ribi)

Die beiden Naturschützer kontrollieren nach und nach jeden einzelnen der 100 Fledermauskästen. In einem treffen sie auf fünf Kleine Abendsegler, eine weitere Fledermausart. Gefallen an den Unterkünften finden auch andere: Oft wimmelt es darin von Ohrwürmern, zudem finden Zahner und Güttinger verlassene Nester von Wespen und von einem Siebenschläfer vor. Aus einem Kasten schiessen Hornissen heraus.

Güttinger ist seit seinem Studium fasziniert von Fledermäusen und erforscht ihr Verhalten. «Das Braune Langohr klappt zum Beispiel seine Ohren zum Schlafen unter die Flügel.» So seien die fragilen und überlebenswichtigen Ohren geschützt. Auch wechseln die Tiere je nach Wetter, Nahrungsangebot und Parasitenbefall ihr Tagesquartier. «Sie sind wählerisch, das ist ihre Wohnstrategie.»

Gemeinde verfolgt das Projekt aufmerksam

Auch im Muolener Gemeindehaus ist die Nachricht von der erfreulichen Bestandskontrolle angekommen. Für Gemeindepräsident Bernhard Keller zeigt der Nachweis, dass es nicht zu spät sei, Schutzprojekte zu lancieren.

«Die Bauern pflegen ihre Bäume und mähen um sie herum, statt sie zu fällen.»

Dieser Mehraufwand lohne sich, denn so blieben Nahrungsketten intakt, sagt Keller. «Deshalb fühlen sich die Langohren offenbar wohl hier.»

Das Vernetzungsprojekt der Gemeinde will die Biodiversität fördern. Neben den Fledermäusen legt die Gemeinde ihr Augenmerk auch auf Gartenrotschwänze, den violetten Silberfalter und Rauchschwalben.

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