Fit am PC: Rorschachs Rentner brauchen keine Hilfe mehr

Nach über 14 Jahren wird das Angebot der Computerien in Goldach und Rorschach eingestellt. Es wird eine Generation alt, die bereits Erfahrung mit der Technik hat.

Ines Biedenkapp
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Zu Beginn der Computeria im Jahre 2005 war ein grosses Interesse dar und alle Computer belegt.

Zu Beginn der Computeria im Jahre 2005 war ein grosses Interesse dar und alle Computer belegt.

Bild: Archiv 2005

Mit einem Klick zur Steuererklärung, oder wie kann man mit Skype telefonieren? Solche Themen wurden an den Nachmittagen der Computerien Rorschach und Goldach besprochen, geübt und ausprobiert. Anklang fand vor allem das Angebot zum Thema E-Banking und Steuererklärung. Doch damit ist nun Schluss.

«Die Computeria Goldach stellt den Betrieb ein. Ende aus», heisst es auf der Website. Der Grund: Die Besucherzahlen waren vor allem im vergangenen Jahr stark rückläufig. Daher haben sich die Betreiber zusammen mit dem Verband für Seniorenfragen Rorschach dazu entschlossen, den Betrieb der Computeria Goldach und das Computer Café für Senioren im «Seeblick» Rorschacherberg per Ende 2019 einzustellen.

«Es lag aber nicht nur an der rückläufigen Besucherzahl», sagt Gerhard Fischer.

Er ist langjähriger Teilnehmer und hat sich um die Pressearbeit gekümmert. «Wir haben auch fast keine Moderatoren mehr gefunden», sagt er weiter.

Zweite Computeria aufgrund hoher Nachfrage

Nach intensiver Vorarbeit wurde die Computeria Rorschach im Jahre 2005 von Erwin Lehmann und dem Verband für Seniorenfragen gegründet und am 14. August 2005 im Medienraum des Steigschulhauses Rorschacherberg eröffnet. Nach den Übungen begaben sich die Teilnehmenden meist mit rauchenden Köpfen in die nahe Cafeteria im Haus zum Seeblick. Da der Andrang gross war, eröffnete der Verband im Jahre 2009 auch eine Computeria im Oberstufenschulhaus Goldach.

Das spezielle an der Computeria: Es waren keine Kurse. Gleichwohl sollten die Treffen Seniorinnen und Senioren ab 50 den Zugang zu Computern erleichtern und den Umgang vertraut machen. Dafür standen den Teilnehmern computererfahrene Senioren als Moderatoren zur Seite. «Für Kurse gibt es Anbieter wie Pro Senectute oder die Volkshochschule», sagt Gerhard Fischer.

«Wir haben Treffen zu verschiedenen Themen organisiert und unsere eigenen Erfahrungen im Umgang mit Computern ausgetauscht.»

Als Beispiel nennt er den interaktiven Workshop der zusammen mit der SBB zum Thema Billettverkäufe und dem Umgang der App organisiert wurde.

4000 Besucher in 14 Jahren

Die Computeria diente auch als Ort der Begegnung. Darauf sollte schon das Wortspiel im Namen hinweisen, denn Computeria setzt sich aus Computer und Cafeteria zusammen. Bis heute besuchten rund 4000 Senioren die Nachmittage, die von rund einem Dutzend Moderatoren unentgeltlich begleitet wurden.

Vor allem Erwin Lehmann investierte viel Zeit in die Computeria. Während der vergangenen 14 Jahre steckte er über 900 Stunden seiner Pensionszeit in die Ausbildung der Senioren. Um den Austausch nicht ganz versiegen zu lassen, wurde anfänglich nur die Computeria in Rorschacher stillgelegt.

Einmal im Monat ein Treffen mit Laptop

Dennoch gab es die Möglichkeit, sich einmal im Monat mit dem Laptop zu treffen und Fragen zu stellen oder Erfahrungen auszutauschen. «Das Angebot wurde zwar genutzt, aber auch hier lag der Andrang unter unseren Erwartungen», sagt Fischer. «Daher haben wir uns schweren Herzens dazu entschlossen, mit den Computerien ganz aufzuhören.» Der Pensionär ist sich auch sicher, warum die Nachfrage so stark nachgelassen hat:

«Es wird eine neue Generation alt, die bereits Computererfahrung hat.»

Was von den Computernachmittagen bleiben wird, ist nicht nur die positive Erinnerung, sondern auch das Erlernte. «Ich muss wirklich sagen, ohne die Computeria wäre ich heute noch immer computertechnisch im Zeitalter der Pfahlbauer», sagt Gerhard Fischer mit einem Lachen. «Vorher habe ich bescheidene Kenntnisse über Computer gehabt. Aber jetzt bin ich fit.»

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