Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Fischer retten Fische in Gossau

Weil der Gossauer Oberdorfbach zu wenig Wasser führt, hat ihn der Fischereiverein St.Gallen notfallmässig abgefischt. Der Verantwortliche hat das noch nicht oft erlebt. Der Erfolg war bescheiden.
Johannes Wey
Fünf Mann im Bach, zwei beim Auto: Der Aufwand für die Fischrettung ist immens. (Bilder: Ralph Ribi)

Fünf Mann im Bach, zwei beim Auto: Der Aufwand für die Fischrettung ist immens. (Bilder: Ralph Ribi)

Angler scheinen ein spontanes Völkchen zu sein. Ein gutes Dutzend Mitglieder des Fischerei­vereins St. Gallen hat sich am Montagabend beim Depot im Sittertobel eingefunden. Einige kommen direkt von der Arbeit, andere haben Ferien und die dritten sind pensioniert. Sie laden tragbare, benzinbetriebene Stromgeneratoren, Kescher und Wassertanks mit Sauerstoffversorgung auf einen Anhänger. Ihr Ziel ist der Oberdorfbach in Gossau, der auszutrocknen droht.

Der Oberdorfbach ist eines von vielen Gewässern, in denen der Fischereiverein Jungfische aussetzt. Jährlich kauft der Verein dem Kanton rund 140000 Bachforellen ab, um sie in einem Aufzuchtgewässer wachsen zu lassen und später in einem anderen Gewässer auszusetzen. Dort landen sie – wenn alles gut geht – am Haken eines Vereinsmitglieds. Normalerweise werden die Bäche im Oktober abgefischt. Nun sollen die Tiere notfallmässig schon im Hochsommer in die Sitter, nahe dem Kraftwerk Kubel, wo das Wasser noch tief und kühl ist.

(Bilder: Ralph Ribi)

(Bilder: Ralph Ribi)

Beim Transport muss alles stimmen

In seinen zehn Jahren im Verein hat Gewässerwart Peter Mayr erst zweimal notfallmässig abfischen müssen. «Das ist ein unheimlicher Aufwand», sagt er. Der Schritt wurde nötig, weil die Temperatur im Bach gestiegen und der Wasserpegel gesunken ist. Eigentlich hätte man noch ein paar Tage zuwarten können, aber es zeichnen sich ohnehin keine grösseren Niederschläge ab.

Auf dem Weg zum Oberdorfbach müssen die Fischer ihre Tanks mit Wasser füllen. Sie entscheiden sich für den Chellenbach und gegen Brunnenwasser. «Die Qualität und die Temperatur müssen stimmen», sagt Mayr. Salmonidae, zu denen etwa Forellen, Lachse und Saiblinge zählen, reagieren empfindlich. «Bei fünf Grad Temperaturunterschied verenden die Tiere», sagt einer der Fischer. Beim «Alte Pflüegli» bilden sie eine Eimerkette und füllen die Tanks. Dann geht’s weiter zum Oberdorfbach.

(Bilder: Ralph Ribi)

(Bilder: Ralph Ribi)

Die Ausbeute ist mager

Jetzt beginnt der mühsame Teil. Aufgeteilt in zwei Gruppen durchkämmen die Fischer das Gewässer oder was davon übrig ist. Der Generator wird angeworfen. Weite Teile des Betts führen kein Wasser mehr. Dort, wo die dichtbewachsene Böschung Schatten spendet, ist die Temperatur mit 15 Grad überraschend tief, wie ein Test mit dem Thermometer zeigt. Zu fünft steigen die Fischer ins Wasser. Oft müssen sie sich zwischen Brombeerranken, Brennnesseln und Weiden hindurchkämpfen. Einer trägt den Generator auf dem Rücken, einer zieht die Anode durchs Wasser. Von der Anode, deren Strom die Fische anzieht, will ein Dritter die Fischlein mit dem Kescher einfangen, sie dem Vierten mit dem Eimer übergeben, damit der Fünfte die Fische mit einem Tornister zum Wassertank bringen kann. Doch es tut sich wenig im Bach. «Viele Fische sind wohl schon früher abgewandert oder verendet», sagt Mayr.

Am Ende der Notfallübung werden 320 Fische gezählt. Für Mayr ist das ernüchternd: «Ich hätte 500 bis 600 erwartet.» In einem normalen Jahr rechne man im Oberdorfbach beim regulären Abfischen im Oktober mit über 2000 Fischen.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.