Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Finanzplatz St.Gallen lockt Banken an

Schuhgeschäfte schliessen, Kleiderläden machen dicht: Der Detailhandel in der Stadt hat es schwer. In eine ganz andere Richtung zeigt der Trend bei den Banken. Nach Reichmuth und CIC im vergangenen Jahr kommt 2019 die Valiant-Bank auf den Platz.
Daniel Wirth
Die Valiant-Bank zieht 2019 an die Marktgasse 11. Dort war bis vorigen September während 145 Jahren die Hecht-Apotheke daheim. (Bild: Hanspeter Schiess, 1. September 2017)

Die Valiant-Bank zieht 2019 an die Marktgasse 11. Dort war bis vorigen September während 145 Jahren die Hecht-Apotheke daheim. (Bild: Hanspeter Schiess, 1. September 2017)

Es gebe in St.Gallen bald mehr Banken als Schuhgeschäfte. Dieses Bonmot macht an After-Work-Partys die Runde. Es gibt Banker, die sagen, St.Gallen sei «overbanked»; es gebe zu viele Banken auf dem Platz. Und nächstes Jahr kommt mit der Valiant Bank eine weitere hinzu: Die Regionalbank mit Sitz in Bern und einer Bilanzsumme von über 27 Milliarden Franken, eröffnet an der Marktgasse 11, im Zentrum der Stadt St.Gallen, ihre allererste Filiale in der Ostschweiz.

Geleitet wird das kleine Team von Adeline Düing-Jakob, einer ehemaligen Raiffeisen-Bankerin. Bereits im vergangenen Jahr expandierte Privatbankiers Reichmuth & Co von Luzern nach St. Gallen. Die Bank hat ihre Filiale an der Schmiedgasse. Geschäftsführer ist Werner Krüsi. Der ehemalige Wegelin- und Notenstein-Mann leitet bei Reichmuth ein Team von knapp einem Dutzend Beratern. Die Innerschweizer Privatbank ist in der Vermögensverwaltung tätig. Die Gruppe mit Sitz in Luzern verwaltet derzeit Vermögen von rund acht Milliarden Franken. Ebenfalls 2017 expandierte die Banque CIC nach St.Gallen. Das Institut mit Sitz in Basel eröffnete an der Poststrasse 17 im Sturzenegger-Haus eine Filiale.

Wie Privatbankiers Reichmuth & Co richtet sich auch CIC hauptsächlich an vermögende Privatkunden. Geleitet wird die Niederlassung von Franz Osterwalder, einem Stadtsanktgaller, der zuvor bei der Migros-Bank im Privat Banking tätig war. Bei der Eröffnung der CIC-Filiale hatte Osterwalder gesagt, die Ostschweiz sei ein aktiver und attraktiver Wirtschaftsraum mit «vielen innovativen und spezialisierten KMU mit vielfältigen Finanzbedürfnissen».

Acrevis-Chef spricht von einem Verdrängungsmarkt

Michael Steiner, CEO der Acrevis-Bank, sagt: "Dass Valiant nach St.Gallen kommt, ist ein gutes Zeichen." (Bild: Benjamin Manser)

Michael Steiner, CEO der Acrevis-Bank, sagt: "Dass Valiant nach St.Gallen kommt, ist ein gutes Zeichen." (Bild: Benjamin Manser)

Michael Steiner ist seit März Vorsitzender der Geschäftsleitung der Acrevis Bank. Die Expansion Valiants in die Ostschweiz sei für ihn ein untrügliches Zeichen: «Der Bankenmarkt in der Schweiz ist ein Verdrängungsmarkt – daher suchen viele Banken ihr Wachstum in fremden Regionen.» Dennoch sieht er in der Berner Valiant Bank, die nur einen Steinwurf von der Acrevis-Bank entfernt, eröffnen wird, keine direkte Konkurrenz. «Wir konzentrieren uns auf unsere Stärken wie die Unabhängigkeit und Kundennähe in der Beratung oder die Verankerung in der Region», sagt Steiner. Er ist nicht der Ansicht, St.Gallen sei «overbanked». Dieser Eindruck könne allerdings entstehen, weil mit Reichmuth und CIC zwei neue Geldinstitute auf dem Platz seien und mit Valiant eine dritte neue Bank hinzukomme, und das alles innert zweier Jahre.

Steiner betont, dass die Anzahl an Banken, die in der Region verankert sind, zurückgeht. Er sieht es als Chance für Acrevis, dass es neben ihr nur noch die St. Galler Kantonalbank (SGKB) in der Kantonshauptstadt gebe, die auch hier verwurzelt sei. Neben der Bank Wegelin, die 2012 teilweise in die Notenstein Privatbank AG überging und dann an die Zürcher Vontobel verkauft wurde, gab es bis 2015 in der Stadt auch noch die Vadian-Bank der Ortsbürgergemeinde St. Gallen; sie wurde von der SGKB geschluckt und integriert.

Im Vergleich mit Zürich, Genf, Lugano, Basel und Bern gebe es hier nicht übermässig viele Banken, sagt der CEO der Acrevis Bank, die für das Jahr 2017 eine Bilanzsumme von 4,3 Milliarden Franken auswies. Zum Vergleich: Die St. Galler Kantonalbank hatte im vergangenen Jahr eine Bilanzsumme von 32,6 Milliarden Franken. Die Valiant Bank ist von der Bilanzsumme her und von der Anzahl Mitarbeitender (etwas über 1000) mit der SGKB vergleichbar.

Gutes Signal für St.Gallen

Roland Ledergerber, CEO der St.Galler Kantonalbank, sagt: "Die Stadt St.Gallen ist nicht overbanked." (Bild: Michel Canonica)

Roland Ledergerber, CEO der St.Galler Kantonalbank, sagt: "Die Stadt St.Gallen ist nicht overbanked." (Bild: Michel Canonica)

Roland Ledergerber, Präsident der Geschäftsleitung der St.Galler Kantonalbank, stösst ins gleiche Horn wie Acrevis-CEO Steiner: «Die Stadt St. Gallen ist nicht overbanked.» Gäbe es auf dem Platz zu viele Banken, dann gingen welche rasch wieder zu, findet Ledergerber. Dass auswärtige Banken nach St.Gallen drängen, wertet der SGKB-Chef als «gutes Signal». Offensichtlich werde die Region St.Gallen als attraktiv eingestuft. Grundsätzlich stünden alle Banken unter dem Zwang, zu wachsen. Offensichtlich orte Valiant hier Wachstumspotenzial. Vom Wettbewerb unter den Banken würden nicht zuletzt die Kundinnen und Kunden profitieren, sagt Ledergerber. Der Eintritt von Valiant in den Markt Ostschweiz sei für die SGKB Ansporn, noch besser zu werden. Sowohl Steiner als auch Ledergerber sagen selbstbewusst, die Neuen auf dem Bankenplatz St. Gallen müssten sich zuerst beweisen.

Nähe zur Landesgrenze hat an Bedeutung verloren

2012 zerbrach die Bank Wegelin am Steuerstreit mit den USA. Die Privatbank war 1741 in St. Gallen gegründet worden und galt bis zu ihrem Niedergang als älteste Bank der Schweiz. Zuletzt verwaltete Wegelin & Co. Vermögen in der Höhe von rund 24 Milliarden Franken und beschäftigte rund 700 Mitarbeitende. Im Januar 2012 gab die Privatbank Wegelin den Transfer des Nicht-US-Geschäfts in die Notenstein Privatbank AG und deren Verkauf an Raiffeisen bekannt.

Dem Vernehmen nach konnten sich vermögende ehemalige Kunden von Wegelin & Co. ganz und gar nicht mit der genossenschaftlich organisierten Raiffeisenbank, der Nummer 3 auf dem Schweizer Markt mit Hauptsitz in St. Gallen, identifizieren. Privatbankiers Reichmuth &Co war für einen Teil der Wegelin-Kunden eine Alternative. Diesen Mai gab Raiffeisen – gerade anderweitig in den Schlagzeilen – den Verkauf von Notenstein an die Bank Vontobel bekannt. Es gibt weitere auf Vermögensverwaltung spezialisierte Privatbanken auf dem Platz St.Gallen: Julius Bär & Co. AG ist seit zehn Jahren hier tätig. Eröffnet wurde die Filiale 2008 mit dem Ziel, das Dreiländereck Schweiz-Österreich-Deutschland zu bearbeiten.

Die Schweiz ist auch nach der Einführung des automatischen Informationsaustausches mit dem Ausland (AIA) der Bankenplatz mit dem weltweit grössten grenzüberschreitenden Geschäft. Dennoch habe dieses an Bedeutung eingebüsst, sagt Acrevis-Chef Michael Steiner; es sei aber nicht unerheblich. Genf, Basel und Lugano sind wie St.Gallen Städte nahe der Grenze und mit einer hohen Bankendichte. Ausländische Kunden hätten heute ihre Vermögen versteuert und kämen nach St.Gallen, wegen der Qualität der Dienstleistungen. Die St. Galler Kantonalbank hat für deutsche Kunden eine Tochterbank mit Sitz in München und Filiale in Frankfurt.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.