Finanzen
«Das ist ein unschönes Ergebnis»: Die Stadt Gossau budgetiert für 2022 eine rote Null – und gleichzeitig bis 2026 Investitionen von rund 100 Millionen Franken

Der Gossauer Stadtrat rechnet für 2022 beim Gesamtergebnis mit einem Minus von 28'000 Franken. Das Betriebsergebnis ist im Budget gar tiefrot mit einem Defizit von fast 9 Millionen. Eine Herausforderung bei der Finanzplanung für die nächsten Jahre sieht die Stadt im steigenden Kernaufwand. Der Steuerfuss soll stabil bleiben.

Michel Burtscher
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Beim Nettoaufwand pro Person ist die Stadt Gossau im Vergleich zu anderen Gemeinden in der Region gut unterwegs.

Beim Nettoaufwand pro Person ist die Stadt Gossau im Vergleich zu anderen Gemeinden in der Region gut unterwegs.

Bild: Urs Bucher

Die finanziellen Aussichten der Stadt Gossau sind weniger düster als befürchtet, aber auch alles andere als rosig. Das zeigt ein Blick in die Finanzplanung für 2022 bis 2026 mit dem Budget für das kommende Jahr. Für 2022 geht der Stadtrat auf Stufe Betriebsergebnis von einem Defizit von 8,7 Millionen Franken aus, bei einem Gesamtaufwand von 107 Millionen.

Wolfgang Giella, Stadtpräsident von Gossau.

Wolfgang Giella, Stadtpräsident von Gossau.

Bild: PD

Beim operativen Ergebnis – also nach Berücksichtigung von Aufwand und Ertrag der Liegenschaften – resultiert noch ein Defizit von 5,1 Millionen. «Das ist ein Minus. Das schleckt keine Geiss weg», sagte Stadtpräsident Wolfgang Giella an einer Medienorientierung. Er sprach von einem «unschönen Ergebnis».

«Die Situation ist nicht gut, aber auch nicht dramatisch.»

Durch die Auflösung von Reserven soll die Erfolgsrechnung ausgeglichen werden. Beim Gesamtergebnis rechnet die Stadt mit einem Defizit von 28'000 Franken und damit einer «roten Null».

Wo und wie viel spart der Kanton?

Das tiefrote Betriebsergebnis sei unbefriedigend, heisst es im Integrierten Aufgaben- und Finanzplan (IAFP). Das Ruder könne man aber leider nicht so schnell herumreissen. Viele Ausgaben liessen sich «nicht einfach kurzfristig zusammenstreichen», sagte Giella dazu. Vielmehr müsse man die Ausrichtung ändern. «Das ist getan worden.» So sei im letztjährigen IAFP für 2022 beim Betriebsergebnis noch ein Minus von 11,1 Millionen Franken prognostiziert worden. Das zeige, dass der Trend umkehrbar sei – sofern die Coronafolgen nicht doch noch durchschlagen.

Dass die Situation besser ist als gedacht, hat nicht nur damit zu tun, dass die finanziellen Auswirkungen der Coronakrise weniger einschneidend waren als befürchtet. Sondern unter anderem auch damit, dass man gewisse ressourcenfressende Prozesse in der Verwaltung optimiert habe, sagte Giella. Beim Nettoaufwand pro Person sei Gossau im Vergleich zu anderen Gemeinden in der Region gut unterwegs, betonte er.

«Wir sind noch immer die sparsamste Gemeinde.»

Eine Herausforderung in der Finanzplanung für die nächsten Jahre sieht der Stadtrat weiterhin im Kernaufwand. Dieser wird weiter ansteigen, und zwar bis 2026 um 3,3 Millionen Franken gegenüber dem Budget 2021. Einen Einfluss darauf werden auch die Sparanstrengungen des Kantons haben. Die genauen Ausmasse sind noch unklar, das letzte Wort im Kantonsrat ist noch nicht gesprochen.

Vorübergehende Verschuldung laut Giella derzeit vertretbar

Es sei aber absehbar, sagte Giella, dass gewisse Kosten auf die Gemeinden abgewälzt werden. So könnten diese künftig die Schullehrmittel, die Behindertenfahrdienste oder die AHV-Beiträge für Nichterwerbstätige vollständig bezahlen müssen. Damit käme ein «steuerrelevanter Mehraufwand» auf Gossau zu.

Wenn das Leistungsangebot trotzdem beibehalten und mittelfristig von einer Steuererhöhung abgesehen werden soll, sind laut einer Mitteilung bis 2026 Ausgabenüberschüsse von insgesamt 3,8 Millionen Franken die Folge. «Mit heutigem Wissensstand können wir Gossau eine kleine Verschuldung zumuten», sagte Giella. Ziel ist es, den Steuerfuss stabil zu halten. Forderungen nach einer Senkung erteilte der Stadtpräsident eine Absage: «Das wäre ein gefährliches Spiel.»

68 Millionen Franken für die Sportwelt Gossau

In den nächsten Jahren kommen einige, auch grössere Investitionen auf die Stadt zu. 2022 sind 13 Millionen Franken budgetiert. 2,6 Millionen entfallen auf die Sportwelt Gossau, also auf die Erneuerung verschiedener Sportanlagen. Zudem sind Investitionen in der Höhe von 2,1 Millionen geplant, die über Spezialfinanzierungen laufen. Dabei handelt es sich in erster Linie um Projekte im Abwasserbereich.

Mit dem ersten Modul der Sportwelt Gossau soll unter anderem ein neues Hallenbad im Gebiet Buechenwald gebaut werden.

Mit dem ersten Modul der Sportwelt Gossau soll unter anderem ein neues Hallenbad im Gebiet Buechenwald gebaut werden.

Visualisierung: PD

Bis 2026 will die Stadt Investitionen in der Höhe von insgesamt 101 Millionen Franken tätigen. Der grösste Brocken ist die Sportwelt. Die ersten beiden Module dieses Projekts kosten in den nächsten vier Jahren rund 68 Millionen Franken. Daneben fallen noch weitere Investitionen in der Höhe von rund 33 Millionen Franken an. Man reduziere die anderen Investitionen im Stadthaushalt wegen der Sportwelt, sagte Giella.

Als Nächstes beugt sich das Stadtparlament über IAFP und Budget. Das geschieht wie üblich an der Sitzung vom Dezember.

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