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«Wir brennen darauf»: So will das Open Air St.Gallen 2022 wieder angreifen

Ungewöhnlich früh haben die Verantwortlichen des Open Air St.Gallen mehr als die Hälfte der Acts für die Festivalausgabe 2022 bekanntgegeben. Nach zwei Jahren Durststrecke gibt's im Sittertobel einen Mix aus bekannten und neuen Gesichtern.

Luca Ghiselli
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Unbeschwert vor der Sitterbühne feiern – das soll 2022 dank Covid-Zertifikat wieder möglich sein.

Unbeschwert vor der Sitterbühne feiern – das soll 2022 dank Covid-Zertifikat wieder möglich sein.

Bild: Adriana Ortiz Cardozo

November 2019, Kinok in der St.Galler Lokremise. Rund 50 Medienvertreterinnen, Sponsoren, Fans und Partner lauschen Festivalchef Christof Huber, wie er grosse Neuerungen für das Open Air St.Gallen 2020 ankündigt: eine neue Bühne namens Intro, ein Daydance, Aldi als neuer Presenting Partner. Mehr WCs, ein neues Erscheinungsbild.

Festivalchef Christof Huber bei der Präsentation des Line-ups für 2020. Wenige Monate später musste das Festival coronabedingt abgesagt werden.

Festivalchef Christof Huber bei der Präsentation des Line-ups für 2020. Wenige Monate später musste das Festival coronabedingt abgesagt werden.

Bild: Ralph Ribi (26. November 2019)

Und natürlich das Line-up: Twenty-one Pilots, Annenmaykantereit, Deichkind, Placebo, Kontra K, Patent Ochsner, Mando Diao, Sam Fender. Die Vorfreude ist gross, das Lob für das Programm und die angekündigten Änderungen ebenso.

Doch dann kommt die Pandemie, zwei Jahre bleibt es im Sittertobel still und die Wiesen von Bauer Max Gmür grün. Kurzarbeit, Ungewissheit. Planen, hoffen, ankünden, dann wieder absagen.

Zwei neue grosse Namen

August 2021, Kinok in der St.Galler Lokremise. Rund 50 Medienvertreterinnen, Sponsoren, Fans und Partner erleben ein kleines Déjà-vu. Die zwei Jahre zuvor bekanntgegebenen Änderungen bleiben, viele Acts auch: Annenmaykantereit sind dabei, Deichkind ebenso. Kontra K, Alan Walker, Patent Ochsner, Mando Diao, Trettmann, Milky Chance, Sam Fender, Loco Escrito, Viagra Boys. Sie alle waren für 2020 angekündigt und kommen auch 2022 ins Tobel.

Neu dabei sind zwei grosse und viele kleinere, aufstrebende Namen. Der grosse Headliner ist Muse. Das britische Alternative-Rock-Trio trat bereits 2000 und 2004 im Sittertobel auf. Beim ersten Besuch als Geheimtipp, beim zweiten bereits als Headliner. Nun kehren sie definitiv als Weltstars nach St.Gallen zurück: Seit «Black Holes and Revelations» (2006) landete jeder ihrer Langspieler an der Spitze der Schweizer Albumcharts.

Der letzte Besuch von Muse im Sittertobel ist 17 Jahre her.

Der letzte Besuch von Muse im Sittertobel ist 17 Jahre her.

Bild: Ralph Ribi (2. Juli 2004)

Der zweite neue Headliner im Vergleich zum Programm 2020 ist Marteria. Der Rapper aus Rostock ist aber ebenfalls nicht zum ersten Mal am Open Air St.Gallen: Vielen ist sein Auftritt zu später Stunde an der Ausgabe von 2015 noch in bester Erinnerung.

Marteria, hier bei seinem Auftritt am Open Air Frauenfeld vor zwei Jahren, kehrt ebenfalls nach St.Gallen zurück.

Marteria, hier bei seinem Auftritt am Open Air Frauenfeld vor zwei Jahren, kehrt ebenfalls nach St.Gallen zurück.

Bild: Andrea Stalder (13. Juli 2019)

«Wir wollen zurück zur Normalität»

Die neue Intro-Bühne seitlich der Sitterbühne bietet vielen regionalen und nationalen Nachwuchsacts eine Plattform. Das Line-up überzeugt hier: Mit spannenden, aufstrebenden Acts wie dem Ausserrhoder Singer-Songwriter Benjamin Amaru, der Zürcherin Naomi Lareine, dem st.gallisch-bündnerischen Indie-Pop-Duo Mischgewebe, Sensu aus Baden und der Herisauerin Femi Luna hat die neue Bühne mit einer Kapazität von rund 1000 Personen viel Potenzial.

Hinzu kommen weitere Ostschweizer Acts, die mittlerweile aber zu gross sind für die Showcase-Bühne: Priya Ragu etwa, aber auch Dachs, Joya Marleen oder Saint City Orchestra.

Festivalchef Christof Huber.

Festivalchef Christof Huber.

Bild: Andri Vöhringer (26. August 2021)

Die Zeichen stehen also auf Aufbruch bei den Open-Air-Verantwortlichen. Sie wollen wieder angreifen nach zwei Jahren Zwangspause. «Wir haben viel gearbeitet und sind bereit», begründet Festivalchef Christof Huber an der Medienorientierung den frühen Zeitpunkt der Line-up-Bekanntgabe. Man sei dank der Zertifikatspflicht sehr zuversichtlich, dass kommenden Sommer eine normale Durchführung des Festivals im Sittertobel möglich sei. «GGG ist eine Lösung, das hat das Open Air Gampel unlängst gezeigt.» Im September könne man mit dem Summer-Days-Festival in Arbon und dem Seaside-Festival in Spiez weitere Erfahrungen im Umgang mit der Zertifikatspflicht sammeln, sagt Huber, der auch diese Festivals mitverantwortet. Er appelliert an die Bevölkerung: Wir wollen zurück zur Normalität. «Und das geht nur mit einer höheren Impfquote.»

Huber blickt auf «eine spezielle und schwere Zeit» zurück, dankt für die Solidarität der Besucherinnen und Besucher, aber auch der Behörden. «Man hat in der Krise gesehen, wie wichtig dieses Festival für die Menschen, aber auch für die ganze Region ist.» Der Austausch mit Stadt und Kanton sei eng gewesen, man sei den Anliegen des Open Airs mit grossem Verständnis begegnet. «Wir haben den Mut trotz einiger Rückschläge nie verloren», sagt Huber. Und jetzt wolle man wieder volle Kraft voraus.

40 Prozent weibliche Acts

An diesem Donnerstag werden 42 Acts präsentiert, im Verlauf der kommenden Monate folgen weitere knapp 30 Künstlerinnen und Künstler. Es dauert also noch, bis das Line-up komplett ist. Sicher ist: Beim Booking wurde dieses Jahr ein besonderes Augenmerk auf das Geschlechtergleichgewicht gelegt. Oft bewegt sich der Frauenanteil der Acts bei grossen Festivals im einstelligen Bereich. In den vergangenen Jahren wurde diese Frage in Zusammenhang mit Musikfestivals denn auch immer wieder kontrovers diskutiert. Das Open Air St.Gallen weist im Programm 2021 40 Prozent weibliche Acts auf. «Wir haben aber trotzdem noch Luft nach oben, gerade im Headliner-Bereich», sagt Huber.

Der reguläre Ticketverkauf für alle Kategorien läuft bereits. Tickets für 2020 beziehungsweise 2021 behalten ihre Gültigkeit.

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