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Fernsehdebatte zur Absage des St.Galler Kinderfests 2021: Ein abgespeckter Anlass ist für die Stadtregierung keine Alternative

Seit einer guten Woche wird in der Stadt St.Gallen die Absage des Kinderfests 2021 diskutiert. Dabei gehen die Wogen hoch. Am Mittwochabend wurde beim Ostschweizer Regionalfernsehen TVO über das Thema diskutiert. Neuigkeiten gab's nicht wirklich, aber eine umfassende Auslegeordnung der Argumente pro und contra.

Reto Voneschen
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Regionalfernsehen TVO liess am Mittwoch übers Kinderfest debattieren (von links): Schuldirektor Markus Buschor, Moderator Stefan Schmid und SVP-Politikerin Manueal Ronzani.

Regionalfernsehen TVO liess am Mittwoch übers Kinderfest debattieren (von links): Schuldirektor Markus Buschor, Moderator Stefan Schmid und SVP-Politikerin Manueal Ronzani.

Bild: Michel Canonica (24.6.2020)

Die Positionen bezüglich der Absage des Kinderfests 2021 durch den St.Galler Stadtrat sind bezogen. Eine Mehrheit von Städterinnen und Städtern steht dem Entscheid kritisch oder eher kritisch gegenüber, eine grosse Minderheit kann aber auch die Gründe für die Absage nachvollziehen. Die Stadtregierung jedenfalls will auf ihren Entscheid nicht zurückkommen.

Entsprechend war beim Rededuell von Schuldirektor Markus Buschor und SVP-Parlamentarierin Manuela Ronzani im Regionalfernsehen nichts grundlegend Neues zu erwarten. Buschor nutzte die Gelegenheit, die stadträtlichen Gründe für die Absage nochmals ausführlich auszubreiten. Dabei liess er sich durch kritische Fragen von Moderator und «Tagblatt»-Chefredaktor Stefan Schmid nicht aus der Ruhe bringen. Von Ronzani gab's Kritik, aber auch Vorschläge für ein «Kinderfest light».

Absage ist «voreilig und mutlos»

Wenn man sich anschaue, was andere regionale Organisatoren wie Open-Air-Festival oder Olma für 2021 planten, sei die Absage des Kinderfests durch den Stadtrat voreilig und mutlos, sagte die SVP-Politikerin, die passend zum Thema im weissen Spitzenkleid antrat. Damit werde ein völlig falsches und pessimistisches Zeichen ausgesendet.

«Der Stadtrat verlängert so die Coronakrise künstlich um ein Jahr.»

Und Sparübungen auf dem Buckel der Kinder gingen schon gar nicht in einer solchen Zeit. Sie brauchten jetzt vielmehr positive Impulse, die ihnen ein Kinderfest hätte geben können. Die SVP-Stadtparlamentarierin verwies im TVO-Talk «Zur Sache» auf Alternativen zur Absage hin, auf Vorschläge für ein «Kinderfest light» oder eine Verschiebung auf 2022.

Teilnehmer und Gäste nicht mit abgemagertem Fest enttäuschen

Auf den Vorschlag «Kinderfest light» ist der Stadtrat bisher bewusst nicht eingestiegen. Zur Tradition dieses Anlasses gehöre eben auch der Ablauf mit Umzug am Vormittag, Produktionen der einzelnen Schulhäuser ab Mittag auf dem Rosenberg und folgendem Fest bis in den Abend hinein. Wenn der Anlass das St.Galler Kinderfest bleiben solle, sei dieses Gesamtpaket nicht beliebig reduzierbar, sagte Stadtrat Buschor bei TVO.

Vorbereitung für die TVO-Sendung «Zur Sache» übers Kinderfest: Schuldirektor Markus Buschor wird «verkabelt».

Vorbereitung für die TVO-Sendung «Zur Sache» übers Kinderfest: Schuldirektor Markus Buschor wird «verkabelt».

Bild: Michel Canonica (24.6.2020)

Komme dazu, dass die Entwicklung einer neuen Festform keine leichte Aufgabe sei, die man auch jemandem aufbürden müsse. Die beiden letzten Durchführungen, jene von 2015 und 2018, seien zudem perfekte und beeindruckende Anlässe gewesen. Der Stadtrat wolle nicht das Risiko eingehen, mit einem «Kinderfest light» im kommenden Jahr Teilnehmer und Gäste zu enttäuschen, sagte Markus Buschor.

Zuerst den verpassten Stoff in den Kerndisziplinen aufholen

Die Absage sei weder eine Sparübung auf dem Buckel der Kinder noch voreilig erfolgt, wies der Schuldirektor auch diese Kritik zurück. Mit der Absage stelle der Stadtrat vielmehr den schulischen Erfolg der Kinder ins Zentrum: Nach dem Corona-Lockdown müsse der Unterricht in den Kerndisziplinen im Zentrum stehen. Hier gelte es Verpasstes aufzuholen. Damit das möglich sei, wolle die Stadtregierung Schulen und Kindern nicht die Belastung durch die Kinderfestvorbereitungen auch noch aufbürden.

Vorbereitungen für die TVO-Sendung «Zur Sache» zum Kinderfest: SVP-Politikerin Manuela Ronzani und Moderator Stefan Schmid «in der Maske».

Vorbereitungen für die TVO-Sendung «Zur Sache» zum Kinderfest: SVP-Politikerin Manuela Ronzani und Moderator Stefan Schmid «in der Maske».

Bild: Michel Canonica (24.6.2020)

Das Kinderfest habe einen Vorlauf von rund 18 Monaten, hielt Markus Buschor weiter fest. Über die Durchführung habe daher jetzt entschieden werden müssen. Der Stadtrat bedauere den Entscheid auch; er sei ihm nicht leicht gefallen. Mit Rücksicht auf die Corona-Unsicherheiten, die Belastung der Schule und auch mit Blick auf die Stadtkasse sei die Absage der richtige Weg. Das verständnisvolle Echo darauf aus den Schulhäusern und ihrem Umfeld bestätige das, sagte Markus Buschor.

Zwei Kinderfest innert zwei Jahren «nicht zu stemmen»

Und wieso das Kinderfest nicht um ein Jahr auf 2022 verschieben? Dagegen spricht für den Stadtrat gemäss Schuldirektor Buschor, dass sich die Durchführung des Anlasses 2024 zum 200. Mal jährt - und diese Gelegenheit für ein grosses Jubiläumsfest wolle man sich nicht entgehen lassen. Ein Durchführung 2022 und 2024 komme nicht in Frage: Zwei Kinderfeste so kurz hintereinander vermöge die Schule nicht zu stemmen.

Der Aussicht, dass das nächste Kinderfest erst 2024 stattfinden kann, gewann Schuldirektor Buschor am Ende der TVO-Diskussion dann auch noch eine positive Seite ab: Die Vorfreude aufs Jubiläumsfest dauere so vier Jahre. Dieses Fest, so bestätigte Buschor auf Nachhaken von Stefan Schmid, werde dann grösser und schöner als alle bisherigen Kinderfeste.

Herzblut vergiessen und Fest doch noch ermöglichen

Enttäuscht zeigte sich am Schluss der Debatte Manuela Ronzani. Markus Buschor habe kürzlich bei der Präsentation seiner Kandidatur fürs Stadtpräsidium doch von seinem Herzblut für die Stadt St.Gallen geschwärmt. Er solle jetzt Herzblut fürs Kinderfest vergiessen und sich für eine Durchführung 2021 oder 2022 einsetzen, wünschte sich die SVP-Stadtparlamentarierin vom Schuldirektor.

Die Sendung «Zur Sache» in voller Länge: