Fell und Federn
«Wir haben eine ganz besondere Bindung» – wie eine Tübacherin ihrem Pferd auf die Welt geholfen hat

In einer Serie stellen wir Ostschweizerinnen und Ostschweizer und ihre Büsis, Hamster oder Hunde vor. Zum Beispiel Nadine Enderli und ihr Pferd Uriel, dem sie vor beinahe fünf Jahren auf die Welt geholfen hat.

Jolanda Riedener
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Nadine Enderli mit Pferd Uriel auf der Weide in Tübach. Mit dabei ist Hund Lady, ihr ständiger Begleiter.

Nadine Enderli mit Pferd Uriel auf der Weide in Tübach. Mit dabei ist Hund Lady, ihr ständiger Begleiter.

Bild: Tobias Garcia (Tübach, 25. Januar 2020)

Steckbrief

Name: Uriel

Rasse: Schweizer Warmblut

Alter: 5 Jahre

Wohnort: Tübach

Als Uriel das Licht der Welt erblickte, schaute er als Erstes in ihr Gesicht. Am 7. März 2016 half Nadine Enderli dem Fohlen auf die Welt: «Dadurch haben wir eine ganz besondere Bindung zueinander.»

Am Morgen seiner Geburt kam die 34-jährige Tübacherin von einem Ausritt zurück in den Stall und bemerkte, dass die Fruchtblase ihrer Stute Chanel geplatzt war:

«Die Füsse schauten schon raus und ich bemerkte, dass sie Hilfe braucht.»

Nadine Enderli rief sofort den Tierarzt an, der ihr Anweisungen am Telefon gab. So musste sie Hände und Arme desinfizieren und beherzt zupacken – sie zog das kleine Fohlen an den Vorderbeinen aus dem Mutterleib. Angst oder Panik hatte sie nicht, im Gegenteil: «An so etwas habe ich gar nicht gedacht. In solchen Momenten reagiert man einfach.» Alles ging gut, der Tierarzt musste am nächsten Tag nur noch fürs Impfen vorbeikommen.

Selbstständig sein, heisst auch auf Ferien zu verzichten

Heute ist Uriel zu einem stattlichen Wallach herangewachsen und grösser als Enderli selbst. Nach wie vor ist das Pferd ganz fixiert auf seine Besitzerin. Uriel ist ihr ganzer Stolz und eines von 29 Pferden und drei Ponys, die im Reit- und Fahrstall Enderli zu Hause sind.

Zusammen mit ihrem Vater Guido führt Nadine Enderli den Familienbetrieb und gibt Reitunterricht. Obwohl sie bei den Pferden gross geworden ist, war es für sie nicht naheliegend, diesen Weg auch beruflich einzuschlagen. Die Arbeit im Stall kannte sie schon, stattdessen entschied sie sich für eine Ausbildung im Verkauf. Erst nach der Lehre als Textilverkäuferin und einem Auslandsaufenthalt in Irland liess sie sich zur Bereiterin ausbilden.

Denn einen Reitstall zu führen, das heisst vor allem viel Arbeit: Die Pferdeboxen müssen jeden Tag gemistet werden, statt in die Badeferien geht es für sie an Reitturniere. Oder sie gönnt sich ab und zu ein verlängertes Wochenende.

Im März feiert Pferd Uriel seinen fünften Geburtstag – Besitzerin Nadine Enderli half dem Fohlen 2016 auf die Welt.

Im März feiert Pferd Uriel seinen fünften Geburtstag – Besitzerin Nadine Enderli half dem Fohlen 2016 auf die Welt.

Bild: Tobias Garcia (Tübach, 25. Januar 2020)

Nach der Geburt gehört auch der Tod zum Leben: Pferde haben eine deutlich geringere Lebenserwartung als Menschen. Für Pferdebesitzer heisst das, dass die gemeinsame Zeit mit ihren Lieblingen irgendwann zu Ende geht. Auch einige von Nadine Enderlis Pferden sind inzwischen gestorben.

Daran gewöhnen, dass sie ihre Tiere irgendwann verlassen, könne sie sich aber nicht. Jeder Tod schmerzt. Sie sagt:

«Es wird auch mit der Zeit nicht leichter. Aber es gibt Pferde, deren Tod mir länger zu schaffen macht.»

Als Achtjährige erstmals an Springturnier teilgenommen

Erstmals an einem Springturnier teilgenommen hat sie als Achtjährige. Seither nimmt sie regelmässig an Turnieren in der weiteren Umgebung teil – wenn sie denn, anders als in der aktuellen Coronasituation, stattfinden können. «Mein Vater hat mir viel beigebracht und ich war immer gut vorbereitet, deshalb war ich vor Turnieren nie besonders nervös», sagt Enderli. Nur einmal, erinnert sie sich, sei sie sehr aufgeregt gewesen, als sie mit ihrem Pferd Symphony startete:

«Am liebsten wäre ich gar nicht erst gesprungen. Doch zum Schluss habe ich sogar gewonnen.»

Irgendwann wird sie auch mit Uriel ein Turnier bestreiten. Der junge Wallach wird vielversprechend bereits als Überflieger bezeichnet. Neben guten Genen gebe es aber viele Faktoren, die zum Erfolg führen: Gesundheit, eine gute Ausbildung und viel Zeit. Bereits vor seiner Geburt hätte sie ihn schon verkaufen können. Für die Hobbyzüchter käme das aber nie in Frage:

«Ich würde keines unserer Pferde weggeben.»

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