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Die Gossauer Stadtentwicklung machte sich auf zur Feldforschung in den Quartieren - das fand sie heraus

Ein Bänkli am richtigen Ort soll Wunder bewirken. Diese und weitere Erkenntnisse aus dem Projekt Quartiermitwirkung sollen nun in den Richtplan der Stadt Gossau einfliessen.
Johannes Wey
Ein Quartierrundgang mit Monique Trummer (zweite von links). (Bild: Adrian Lemmenmeier (25. Mai 2018))

Ein Quartierrundgang mit Monique Trummer (zweite von links). (Bild: Adrian Lemmenmeier (25. Mai 2018))

Die Gossauer wohnen nicht von ungefähr in Gossau. Was wie eine Binsenweisheit klingt, ist eine der Erkenntnisse aus dem Projekt Quartiermitwirkung, das die Stadtentwicklung 2018 durchgeführt hat und dessen Ergebnisse nun vorliegen.

«In der Stadt leben viele Ur-Gossauer oder Menschen, die sich die Stadt ganz bewusst als Wohnort ausgesucht haben», sagt Monique Trummer, Projektleiterin bei der Stadtentwicklung. Viele Zuzüger kamen ihres Partners wegen, andere aus pragmatischeren Gründen: wegen der Arbeitsstelle oder als «Kompromisslösung» in vergleichbarer Distanz zu zwei anderen Gemeinden, wie es im Schlussbericht heisst.

Rundgänge mit Bewohnern und Schulklassen

Das Projekt Quartiermitwirkung wurde in zwei Phasen durchgeführt. Die Stadt Gossau wurde dazu in elf Gebiete unterteilt, wovon neun genauer angeschaut wurden. In der ersten Phase führte die Stadtenwicklung Gespräche mit zufällig ausgewählten Bewohnern der Quartiere. In der zweiten wurden Rundgänge mit Bewohnern organisiert. In einem separaten Schulprojekt wurden Rundgänge mit 15 Schulklassen durchgeführt, die von einem Fragebogen begleitet wurden. (jw)

Die grosse Qualität, welche die Bewohner hervorheben, sei die Nähe zum Grünen und das gleichzeitig gut erreichbare Zentrum. Und die Bewohner sind insbesondere zufrieden mit dem Quartier, in dem sie leben. «Viele könnten sich nicht vorstellen, in einem anderen Teil Gossaus zu wohnen», sagt Trummer. Im Bericht heisst es dazu auch, dass Strassenlärm der wichtigste Störfaktor in Gossau sei. Begrüsst werde deshalb die Konzentration des Verkehrs auf den Hauptachsen und mehr Tempo-30-Zonen.

Mehr Plätze für Begegnungen

Eine weitere Erkenntnis, die Monique Trummer herausstreicht, ist die Bedeutung von Orten, an denen man einander begegnen kann – und wenn es nur eine Sitzbank ist.

«Wenn man Kinder oder einen Hund hat, kommt man mit den Leuten ins Gespräch. Aber welche Möglichkeiten schaffen wir für die anderen?»

Trummer glaubt, dass man mit solch einfachen Massnahmen der Vereinsamung entgegenwirken kann. Lädt eine Bank am richtigen Ort zur Pause ein, sei es zudem im Alter eher möglich, einen Weg zu Fuss zurückzulegen.

Das Augenmerk soll nicht nur auf Begegnungsräumen für Seniorinnen und Senioren liegen. Die Qualität eines Aussenraums lasse sich mit geringem Aufwand steigern, wenn er durchdacht gestaltet werde.

«Viele Spielplätze sind praktisch identisch und teils lieblos geplant.»

Vor allem die älteren Kinder würden dadurch nicht angesprochen, was sich beim separaten Projekt mit Schulkindern gezeigt habe.

Auf den Rundgängen habe sie auch eine Siedlung angetroffen, deren Wege abends nicht beleuchtet waren. «Wenn man sich nicht sicher fühlt, geht man abends auch nicht gerne nach draussen», sagt Trummer.

Busverbindung zählt vor allem im Alter

Auch zum öffentlichen Verkehr gibt es in den Quartieren deutliche Meinungen. Während die Bewohner der Quartiere Hofegg und Mooswies lobende Worte fanden, gab es in anderen Quartieren Kritik. Unzufrieden sei man «wenig überraschend» im Niederdorf, welches bis heute überhaupt nicht an den öffentlichen Verkehr angeschlossen sei, wie es im Bericht heisst. In Arnegg wurden die Frequenzen in den Abendstunden und am Sonntag kritisiert, eher unzufrieden sei man auch in den Gebieten Fenn-Geissberg und Gozenberg.

«In den gut erschlossenen Quartieren wird der ÖV sehr geschätzt», sagt Trummer. In schlecht erschlossenen Quartieren sehe man den Mangel an Verbindungen vor allem als Problem für Seniorinnen und Senioren an.

Quartiervereine besser vernetzen

Aus den Erkenntnissen leitet die Stadtentwicklung eine ganze Reihe von Empfehlungen ab, die in den kommunalen Richtplan einfliessen sollen. Eine davon ist der Aufbau und die Koordination einer Quartierarbeit. «Die Quartiervereine bleiben heute meist unter sich. Wir wollen sie dabei unterstützen, sich zu vernetzen und Know-how auszutauschen», sagt Trummer.

Auf den Rundgängen habe man zudem festgestellt, dass viele Teilnehmer gar nicht wussten, dass es in ihrem Gebiet einen Quartierverein gibt. Die Quartierarbeit soll auch eine Schnittstelle zwischen Quartieren und Verwaltung bilden, damit Projekte «mit den Leuten vor Ort» abgestimmt werden könnten, wie Trummer erklärt.

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