Feiern in und um das Schloss Dottenwil: Reblüt, Mostpressen und eine Schmiedin

Am Wochenende wurde auf Schloss Dottenwil Jubiläum gefeiert. Während im Innern die Schule für Musik gleich mehrere Auftritte hatte, gab es auch rund um die Gemäuer viele Attraktionen zu bestaunen. Drei Schauplätze.

Katharina Schatton
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Den Schmiedeofen anzeihen. (Bild: Ralph Ribi)

Den Schmiedeofen anzeihen. (Bild: Ralph Ribi)

Ausgerüstet mit Schutzbrille und Schmiedeschürze sowie einer Zange steckt ein Bub sein Rohmaterial zwischen die glühenden Kohlen. Nicht mehr lange und die Stange aus Baustahl ist weich genug, um sie mit einem der verschiedenen Hämmer bearbeiten zu können. Mithilfe eines Fusspedals bläst der Bub Luft zwischen die Kohlen, um sie weiter anzuheizen.

Rauch und Gestank steigen auf, was den kleinen Schmied aber nicht von seiner Arbeit abhält. Konzentriert steuert er nun den Amboss an. Er klopft und dreht, biegt und klopft weiter auf das russige Metall, bis es die gewünschte Form hat und er es mit einer Eisenbürste abschrubben kann. Stolz begutachtet er dann sein Werk. Mit seinen behandschuhten Händen legt er den schneckenförmigen Kettenanhänger neben seinen Nussknacker.

Am 475-jährigen Jubiläum des Schlosses Dottenwil haben neben der Schule für Musik auch andere Attraktionen Platz gefunden. So auch Schmiedin Christa Keller, die den Besuchern nahe beim Haupteingang ihr Handwerk näherbringt. Nebst Kettenanhänger und Nussknackern runden Teelichtuntersetzer das Sortiment ab. Wer sich nicht entscheiden kann, der schmiedet halt etwas länger.

Eine Landi nur für Most

Das Mostereimuseum im Schopf. (Bild: Ralph Ribi)

Das Mostereimuseum im Schopf. (Bild: Ralph Ribi)

Im urigen Holzschopf hinter dem Schloss wird von den Veranstaltern ein Stückchen Wittenbacher Geschichte gezeigt: Originale Mostpressen, Dörrmaschinen, Häcksler und andere Gerätschaften sind ausgestellt. Mit ihnen hat man früher in der Mosterei Wittenbach aus dem Obst der Region allerlei Säfte hergestellt und Hochprozentiges gebrannt.

1898 schon wurde die Obstverwertungsgenossenschaft gegründet und dann immer weiter ausgebaut. So hatte sie nach ihrem letzten grossen Ausbau im Jahr 1974 Platz für mehr als drei Millionen Liter Most und war damit nicht einmal vollständig ausgelastet. Fast jeder Bauer der Umgebung war Mitglied. «Im Grunde war das eine frühe Form der Landi», sagt ein Vertreter der IG Schloss Dottenwil, der die Station betreut.

Im neu eröffneten Mini-Museum holt man aber noch etwas weiter aus: Weil es ohne die Bestäubung der Obstbaumblüten gar nicht erst zur Ernte kommen könnte, hat man in der Scheune auch den Bienen einen Platz zugestanden. In Regalen und auf dem Boden türmen sich geflochtene Bienenkörbe, die den Völkern früher als Behausung dienten. Damals mussten die Nester allerdings noch zerstört werden, um an den Honig zu gelangen.

Jährlich 2000 Liter Wein vom Schlosshang

Ein Mitglied der «Reblüt» erkärt die zahlreichen Arbeitsschritte. (Bild: Ralph Ribi)

Ein Mitglied der «Reblüt» erkärt die zahlreichen Arbeitsschritte. (Bild: Ralph Ribi)

«Alle Arbeitsschritte vor dem Keltern des Weins erledigen wir selber», erklärt ein Vertreter des Vereins Reblüt stolz. Er steht auf der ersten von zahlreichen Terrassen, auf denen die Rebstöcke des Schlosses Dottenwil wachsen. Und diese Arbeitsschritte haben es in sich: Bis der Verein die Trauben zur Weiterverarbeitung abgibt, verteilen sich mit der Pflege, dem Verschneiden und der Ernte übers Jahr verschiedene Aufgaben auf die 25 Freiwilligen.

Als man die Reben gepflanzt hat, wurden sie auf einen robusten Stamm gepfropft, um sie gegen Schädlinge resistenter zu machen. Jedes Jahr aufs Neue müssen zudem die Haupttriebe der Pflanzen auf Drähte gespannt werden und die Blätter um die Früchte entfernt werden. Gearbeitet wird sowohl mit einer weissen Traubensorte, dem Johanniter, als auch mit einer roten, dem Gamaret.

Der grosse Aufwand lohnt sich: «Pro Jahr stellen wir mehr als 2000 Liter Wein her.» So bleibt auch nach der Abgabe eines Zehntels an die Gemeinde noch reichlich fürs Schlossrestaurant übrig. Und auch für die Degustation nach der Führung ist noch genug da. Fruchtig, leicht im Abgang und immer schade, wenn keiner mehr da ist.