Kalte Dusche für den FC St.Gallen vor
der Winterpause

Der FC St.Gallen schafft es vor ausverkauftem Haus nicht, seine Überlegenheit in Punkte umzumünzen. Er muss sich gegen Zürich 1:3 geschlagen geben.

Ralf Streule
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Unglücklicher Moment kurz nach Anpfiff: Miro Muheim (rechts) lenkt den Schuss von Marco Schönbächler ins St.Galler Tor ab. (Bild: Walter Bieri/KEY)

Unglücklicher Moment kurz nach Anpfiff: Miro Muheim (rechts) lenkt den Schuss von Marco Schönbächler ins St.Galler Tor ab. (Bild: Walter Bieri/KEY)

Walter Bieri, KEYSTONE

Die Tore

  • 0:1, 3. Minute, Miro Muheim (Eigentor). Die St. Galler bringen vor dem Strafraum den Ball nicht unter Kontrolle - Marco Schönbächler kommt zum Abschluss, Miro Muheim lenkt seinen Versuch unhaltbar ins Tor ab.
  • 1:1, 28. Minute, Jordi Quintillà: Nachdem Silvan Hefti im Strafraum gefoult wird, trifft Quintillà mit etwas Glück vom Penaltypunkt. Yanick Brecher ahnt die Ecke, ist am Ball, lässt ihn aber dennoch passieren.
  • 1:2, 44. Minute, Antonio Marchesano: Blaz Kramer zieht aufs Tor der St.Galler, Silvan Hefti muss sich mit einem Foul behelfen. Marchesano trifft souverän vom Penaltypunkt.
  • 1:3, 74. Minute, Aiyegun Tosin: Nach einem Gegenangriff laufen plötzlich zwei Zürcher alleine auf Goalie Dejan Stojanovic. Dieser versucht den Ball abzulaufen, kommt aber zu spät. Tosin hat keine Mühe, einzuschieben.

Die Spiel-Analyse

Den Thron der Super League einnehmen, zumindest über Nacht, das war das erklärte Ziel des FC St. Gallen. Die Stimmung im Stadion ist euphorisch, 19024 sind da. Schnell aber wird klar, dass diese Partie vor ausverkauftem Haus zu einem harten Stück Arbeit werden wird für die St.Galler. Die Spieler des FC Zürich sind nach der 0:5-Niederlage gegen Servette angestachelt, wirken aggressiv. Die Ostschweizer machen zwar über weite Strecken das Spiel, ziehen ihre Vorwärtsstrategie durch - müssen sich am Ende aber 1:3 geschlagen geben, weil sie ihre Chancen nicht nutzen. Es ist eine Enttäuschung vor der Winterpause: Statt elf Punkte Vorsprung auf Zürich sind es nurmehr fünf. Und: Einmal mehr gelingt es den St.Gallern nicht, vor vollem Stadion zu reüssieren.

Die St.Galler liegen schon nach drei Minuten hinten, nachdem Miro Muheim einen Schuss unglücklich abfälscht. Doch Peter Zeidlers Team lässt sich darob nicht aus der Fassung bringen. Nach 20 Minuten bringen die St.Galler immer mehr Druck in ihre Angriffe. Einer davon führt in der 27. Minute zum Foul von Mirlind Kryeziu an Silvan Hefti im Strafraum. Penalty. Mit etwas Glück trifft Jordi Quintillà zum 1:1. Die St. Galler drücken weiter, sind nun klar die bessere Mannschaft. Boris Babic verpasst die Führung zweimal knapp, Ermedin Demirovic trifft nach schöner Einzelleistung nur die Latte. So kommt es zwei Minuten vor der Pause entgegen dem Spielverlauf zum 1:2 für die Zürcher. Silvan Hefti verschuldet einen Penalty, Antonio Marchesano trifft aus elf Metern. Mit diesem Dämpfer und einer 6:0-Führung in Sachen Eckbällen geht es in die Pause.

Zu Beginn der zweiten Hälfte spielen nur die St.Galler, zeigen starke Angriffe. Immer wieder kombinieren sie sich durch die Zürcher Abwehr, obschon diese nun immer tiefer steht - und die Räume geschickt eng macht. Miro Muheim und Cedric Itten kommen zu Grosschancen. Oft fehlt aber die Genauigkeit beim letzten Pass. In Gegenangriffen kommen auch die Zürcher zu Möglichkeiten. Einer davon führt zum 1:3. Danach läuft bei den Ostschweizern nicht mehr allzu viel zusammen. Die Energie reicht nicht mehr, um zurück ins Spiel zu kommen. Gefeiert werden die St. Galler am Ende dennoch vom Publikum - für eine starke Hinrunde und für einen weiteren engagierten und temporeichen Auftritt.

Der Beste

Jordi Quintillà. Bringt immer wieder Ordnung ins Spiel. Nach vorne bringt auch Silvan Hefti viel Schwung. Und Lukas Görtler hält kämpferisch im Mittelfeld vieles zusammen.

Dejan Stojanovic: Note 4. Wird kaum geprüft, eine Glanztat bei Nathans Kopfball. Läuft beim 1:3 heraus und verfehlt den Ball. Machtlos beim 0:1 und 1:2.
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Silvan Hefti: Note 4,5. Schaltet sich oft in den Angriff ein und kommt zu Chancen. Der Captain holt den Penalty zum 1:1 heraus, verursacht jenen zum 1:2.
Yannis Letard: Note 3,5. Nicht immer sattelfester Dirigent der Verteidigung. Sieht beim Konter zum 1:3 nicht gut aus.
Leonidas Stergiou: Note 4,5. Spielt in der Innenverteidigung den besseren Part als Letard. Muss in der 71. Minute Guillemenot weichen.
Miro Muheim: Note 3,5. Fälscht in der 3. Minute einen Zürcher Schuss zum 0:1 ab. Steigert sich zu Beginn der 2. Halbzeit, bleibt aber oft ungenau. Hebt beim 1:3 das Abseits auf.
Victor Ruiz: Note 4. Stets anspielbar, auch wenn ihm nicht so viel gelingt. Bisweilen wirkt beim Spanier alles ein wenig kompliziert.
Lukas Görtler: Note 4. Der Vorkämpfer rackert wie eh und je. Spielerische Impulse kann er gegen Zürich jedoch zu selten geben.
Jordi Quintillà: Note 4,5. Gleicht mit Glück vom Elfmeterpunkt aus. Agiert mit viel Ruhe und Umsicht. Aber die zündenden Ideen hat er diesmal nicht.
Boris Babic: Note 4,5. Vergibt Grosschance zur Führung (40.). Oft anspielbar, bleibt diesmal vor dem Tor glücklos.
Cedric Itten: Note 4. Wirkt nicht so frisch. Eine Kopfballchance, hat insgesamt sichtlich Mühe gegen die stämmige Abwehr der Zürcher.
Ermedin Demirovic: Note 4. Trifft nach sehenswerter Einzelleistung nur die Latte. Es ist fast die einzige Aktion des Stürmers.
Jérémy Guillemenot: Note 4. Mit der Einwechslung eines vierten Stürmers geht Zeidler «All inn». Guillemenot kann ab der 71. Minute nichts mehr bewirken.
Tim Staubli: Note -. Kommt in der Schlussphase für Babic zu seinem zweiten Pflichtspiel – zu spät für eine Note.

Dejan Stojanovic: Note 4. Wird kaum geprüft, eine Glanztat bei Nathans Kopfball. Läuft beim 1:3 heraus und verfehlt den Ball. Machtlos beim 0:1 und 1:2.

Der Schlechteste

Einmal mehr fällt keiner stark ab. Die Verteidiger Yannis Letard und Miro Muheim hatten aber schon bessere Tage. Vor allem beim 1:3 verteidigen sie ungeschickt.

Die Fans

Ein voller Gästesektor, ein volles Stadion, grosse Vorfreude vor dem Spiel: Die Kulisse lässt nichts zu wünschen übrig. So richtig in Schwung kommt das grün-weisse Publikum dann nicht - dem Spielverlauf entsprechend. Am Ende bedanken sich die Spieler beim Publikum für die Unterstützung in der Hinrunde - und werden trotz Niederlage gefeiert. 

Die Reaktionen

Ludovic Magnin, Trainer FC Zürich: «Das war ein schöner Abend für uns, wir haben gegen einen sehr starken FC St.Gallen gewonnen. Wir wussten, dass wir gegen die St.Galler oft in der eigenen Hälfte und im eigenen Strafraum stehen werden. Das Ziel war, darob nicht nervös zu werden und uns mit Kontern zu behelfen. Das ist uns gelungen, wir haben auch dank unserer Effizienz gewonnen.»

Peter Zeidler, Trainer FC St. Gallen: «Wir hatten keinen guten Beginn, es deutete sich schon beim frühen 0:1 an, dass man die Zürcher nicht kombinieren lassen darf. Wir sind nach dem Schock aber gut zurückgekommen. Die Möglichkeit war da, vor der Pause das 2:1 zu erzielen. Es kam anders. Die Enttäuschung ist gross. Aber wenn wir eine richtig gute Mannschaft sein wollen, werden wir auch das wegstecken. »

Das Spiel im Liveticker nachlesen:

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