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Viele St.Galler wohnen alleine – die Jungen freiwillig, die Älteren meist gezwungen

In fast jedem zweiten St.Galler Haushalt wohnt nur eine Person. Junge wollen freiwillig allein wohnen, bei Älteren schlägt das Schicksal zu.
Sandro Büchler
In 45 Prozent der St.Galler Haushalte wohnt eine Person allein. (Bild: Fotolia)

In 45 Prozent der St.Galler Haushalte wohnt eine Person allein. (Bild: Fotolia)

Die Zahlen des Bundesamts für Statistik lassen aufhorchen. Am Ende des vergangenen Jahres waren 45 Prozent der Haushalte in der Stadt St.Gallen von Singles bewohnt. In 16'687 von insgesamt 36'947 städtischen Haushalten wohnt eine Person ganz allein. Das sind neun Prozent mehr als im nationalen Durchschnitt. Auch schweizweit dominieren mit 36 Prozent die Einpersonenhaushalte. Alleine wohnen liegt insbesondere in den Städten im Trend. In Basel ist der Anteil der Singlehaushalte mit 46,7 Prozent sogar noch leicht höher als in St.Gallen.

Betrachtet man nicht die Haushalte, sondern die effektive Zahl der Bewohner, leben die meisten Stadtsanktgallerinnen und -sanktgaller (30 Prozent) zu zweit. 22 Prozent der Stadtbevölkerung wohnt allein. 19 Prozent teilen sich eine Wohnung mit vier Personen.

Die Ansprüche steigen

Eindrücklich ist ein Vergleich mit früheren Zeiten: 1930 wohnten nur gerade zwei Prozent der Schweizer allein, hingegen mehr als die Hälfte der Bevölkerung in Haushalten mit fünf oder mehr Personen. Aktuell leben in St.Gallen noch 12 Prozent in einer Wohngemeinschaft mit dieser Grösse.

Nicola Hilti überraschen die Erkenntnisse nicht. Sie erforscht an der Fachhochschule St.Gallen, wie sich das Wohnen wandelt. «Einpersonenhaushalte nehmen zu.» Dies habe mit der Individualisierung der Menschen zu tun.

«Alleine zu leben, ist akzeptierter als früher.»

Dozentin und Co-Leiterin Schwerpunkt «Wohnen und Nachbarschaften» an der Fachhochschule St.Gallen (Bild: PD)

Dozentin und Co-Leiterin Schwerpunkt «Wohnen und Nachbarschaften» an der Fachhochschule St.Gallen (Bild: PD)

Zudem steigen die Ansprüche, sodass man sich eher fürs Alleinwohnen entscheide. Einen zweiten Grund sieht Hilti aber auch im demografischen Wandel. Frauen werden tendenziell älter. «Stirbt der Partner, wohnen die Frauen plötzlich unfreiwillig allein.»

Die Dozentin beobachtet ein weiteres Phänomen. Nämlich, dass ältere Menschen nach dem Tod ihres Partners in viel zu grossen Wohnungen leben. Der Umzug in eine kleinere Wohnung gestalte sich meist schwierig. «Manchmal fehlt der Wille dazu, aber oft auch das passende Angebot oder die Unterstützung der Senioren beim Wohnungswechsel», sagt Hilti.

Wohnsituation kann wöchentlich wechseln

Wie man heute wohnt, sei dynamischer geworden und verändere sich im Verlauf des Lebens immer öfter. «Phasen des Alleinlebens kommen auch immer mal wieder vor», sagt Hilti. Sie erwähnt sogenannte Boomerang-Kinder. Dabei kehren die Sprösslinge wieder in den Haushalt der Eltern zurück. Beispielsweise, wenn die Kinder eine kostspielige Ausbildung beginnen, knapp bei Kasse sind oder Probleme haben, eine angemessene Wohnung zu finden.

Laut Hilti kann sich die Wohnsituation schnell verändern: «Sie können gar wöchentlich wechseln.» Man denke dabei an ein Kind von getrennt lebenden Eltern. Dieses könne je nach Übereinkunft eine Woche bei der Mutter, und in der folgenden Woche beim Vater wohnen. «Mehr Trennungen führen ganz generell zu kleineren Haushaltsgrössen», erklärt die Wohnexpertin. Zudem gäbe es weniger Geburten und die Familiengründung erfolge später und auch seltener als früher. «Deshalb sind grosse Familien heute selten geworden.» Teilten sich früher mehrere Kinder ein Zimmer, hätten Familien heute mehr Ansprüche an die Wohnfläche. Und weil es in der Stadt nicht viele leistbare grosse Wohnungen gäbe, ziehen die wenigen Grossfamilien tendenziell ins Umland.

Auch dass heute noch drei Generationen miteinander hausen, kommt immer seltener vor. In 417 Haushalten, oder einem Prozent aller Haushalte der Stadt, leben Enkel und ihre Grosseltern zusammen. «Gefragter als drei Generationen einer Familie unter einem Dach sind heute selbstgewählte Formen des gemeinschaftlichen Wohnens, die sowohl das Zusammensein mit Gleichgesinnten als auch den Rückzug in die Privatsphäre gewährleisten.»

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