Familienzentrum
«Mir fehlen die Kinder und das Café»: Im Wittenbach ersehnt man sich die Wiedereröffnung des Familienwerks

Kaum geöffnet, mussten die Türen im Wittenbacher Familienwerk auch schon wieder geschlossen werden. Vieles wartet noch auf seine Umsetzung, trotzdem ist das erste Fazit positiv. Ob das Projekt eine Zukunft hat, bleibt vorerst unklar.

Sebastian Rutishauser
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Jeden Montagnachmittag und Mittwochmorgen konnten sich Kinder im Familientreff mit neuen Spielsachen vergnügen.

Jeden Montagnachmittag und Mittwochmorgen konnten sich Kinder im Familientreff mit neuen Spielsachen vergnügen.

Bild: PD

Schon lange hatte man sich auf die Eröffnung des Familienzentrums gefreut. Im August fiel dann endlich der Startschuss. Der Aufschwung kam schnell und hielt an – zumindest bis im Dezember. Dann musste das Familienwerk in Wittenbach bereits wieder schliessen – coronabedingt. Der gefundene Anklang lässt laut der Leiterin, Astrid Addison, jedoch auf eine erfolgreiche Zukunft hoffen:

Astrid Addison, Leiterin Familienwerk.

Astrid Addison, Leiterin Familienwerk.

Bild: PD
«Wenn ich in Wittenbach am Einkaufen bin, erhalte ich von den Leuten immer wieder die Rückmeldung, dass sie einfach nur froh sind, wenn wir wieder aufmachen.»

Um die vom Bund vorgegebenen Kontaktbeschränkungen einhalten zu können, war das Familienzentrum ab dem Herbst nur noch jeden Mittwochmorgen geöffnet. Doch trotz der besonderen Situation stiegen die Besucherzahlen weiter an. Bis zur Schliessung hätten teilweise bis zu 15 Personen gleichzeitig den Treff besucht.

Unter normalen Umständen wird das Familienwerk zweimal pro Woche als Spielcafé genutzt. Während Kinder miteinander krabbeln und spielen, können sich ihre Eltern und Bezugspersonen bei einer Tasse Kaffee austauschen. Wie Addison betont, stehe das Café aber auch für andere Personen offen:

«Auch eine Oma, die gerne unter Kindern ist und deren eigenes Enkelkind zu weit weg wohnt, ist bei uns willkommen.»

In den Monaten vor der Schliessung hätten immer mehr Grosseltern den Weg in das Café gefunden, was Addison besonders freut. Der Generationenaustausch sei gewinnbringend.

Die Vision, möglichst viel unter ein Dach zu bringen

Neben dem Spielcafé werden im Familienwerk Deutschkurse für fremdsprachige Kinder sowie der Zwirbeltreff für Kleinkinder angeboten. Ausserdem nutzt die Spielgruppe die Räumlichkeiten.

Laut Addison wird das Angebot in Zukunft noch weiter ausgebaut. In Zusammenarbeit mit den Besuchern will man regelmässige Bastel- sowie Vorlesenachmittage für die Kinder organisieren. In Kooperation mit der Gemeinde soll zudem die Mütter- und Väterberatung integriert werden. Ziel sei es, dass eine Fachperson einmal pro Woche im Café vorbeikommt und den Eltern mit Rat zur Seite steht – wenn diese beispielsweise Fragen zu ihrem Baby haben.

Was die geplante Erweiterung zum Gemeinschaftszentrum angeht, bleibt laut Addison abzuwarten. Ursprünglich hätten sich alle zusammengesetzt, die in Wittenbach irgendwie mit dem Thema Kleinkinder zu tun haben. Dabei sei der Wunsch aller Beteiligten gewesen, ein gemeinschaftliches Zentrum für Soziales, Alter, Integration und Familie zu schaffen:

«Beginnen wollten wir mit dem Pilotprojekt für Familien.»

Nach dessen Abschluss im kommenden Sommer folgt zunächst eine Auswertung durch die Gemeinde, bevor diese dann über die Zukunft des Familienwerks entscheidet.

Astrid Addison sieht im Familienwerk noch freie Kapazitäten für eine erweiterte Nutzung.

Astrid Addison sieht im Familienwerk noch freie Kapazitäten für eine erweiterte Nutzung.

Bild: PD

Kantonale Unterstützung auch weiterhin?

Im Rahmen der kantonalen Strategie Frühe Förderung konnten Gemeinden sowie Initiantinnen und Initianten von 2016 bis 2020 Beiträge aus dem Kredit «Familienzentren» beantragen. So wurde auch das Familienwerk jährlich mit bis zu 15'000 Franken vom Kanton unterstützt.

Es scheint, als habe diese Strategie gefruchtet. Im vergangenen Jahr kamen zu den 14 bestehenden Familienzentren im Kanton sieben neue hinzu. 13 weitere befinden sich im Aufbau. In der Stadtregion wurde zuletzt der Kaffitreff in Gaiserwald zum Familienzentrum erweitert. In Goldach und Eggersriet ist die Türöffnung ab dem Sommer geplant.

Gemäss Milena Gehrig, Fachspezialistin für Familienfragen vom Amt für Soziales, seien aus dem Kredit genügend Restgelder übrig geblieben, sodass auch 2021 ähnlich viele Projekte gefördert werden können, wie in den jeweiligen Jahren zuvor. Ein Kredit für die nächsten Jahre sei bisher aber noch nicht gesprochen worden:

«Es ist vorgesehen, erneut Gelder aus dem Lotteriefonds zu beantragen, um eine Weiterführung der Anschubfinanzierung von Familienzentren ab 2022 zu ermöglichen.»