Familienunternehmen hoch drei: Egelis aus Teufen  leben für Bits und Bytes

Bei Eliane und Werner Egeli dreht sich alles um Computer, Informatik und Software. Das hat auch auf die Söhne abgefärbt.

Sandro Büchler
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Vater Werner, Mutter Eliane und Sohn Martin Egeli vor dem Firmensitz der Egeli Informatik AG an der Teufener Strasse in St.Gallen.

Vater Werner, Mutter Eliane und Sohn Martin Egeli vor dem Firmensitz der Egeli Informatik AG an der Teufener Strasse in St.Gallen. 

Bild: Nik Roth

Mutter Eliane Egeli ist die Chefin, die CEO. Ihr Mann Werner amtet als Verwaltungsratspräsident und vor knapp einem Jahr ist Martin, einer der zwei Söhne, als Geschäftsführer eingestiegen. Die Stadtsanktgaller Egeli Informatik AG ist ein Familienunternehmen par excellence. Dass der 32-Jährige einmal in die Fussstapfen seiner Eltern treten würde, sei nicht vorbestimmt, aber erwünscht gewesen, sagt Eliane Egeli. Die Eltern wollten jedoch, dass er nach dem Studium erst auswärts Erfahrungen sammeln solle.

«Du kannst noch das ganze
Leben mit dem familieneigenen
Unternehmen verbringen.»

Denn wenn die Firma nach der Familie benannt ist, könne man nicht so einfach aussteigen. «Im eigenen Unternehmen ist man gebunden, hält gewisse Werte hoch», sagt die 62-Jährige. Ihr Sohn hat sich die Nachfolge deshalb reiflich überlegt. «Nicht nur die Verantwortung für 60 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter schwingt mit, sondern auch der Familienstolz», kommentiert Martin Egeli.

Martin Egeli, Geschäftsführer der Egeli Informatik AG

Martin Egeli, Geschäftsführer der Egeli Informatik AG

Bild: PD

Seine Eltern hätten ihn ohne Druck entscheiden lassen. «Sie haben immer gesagt, es ist auch okay, wenn du nicht willst.» Jetzt sei der Zeitpunkt aber richtig für den Einstieg ins Familienbusiness. «Gut möglich, dass auch mein jüngerer Bruder Daniel später den gleichen Weg einschlägt.»

Vom Aktenschrank zur Datenbank

Die Anfänge des IT-Unternehmens an der Teufener Strasse sind eng mit Willy Viktor Egeli verwoben. Dieser gründet 1943, mitten im Zweiten Weltkrieg, eine Firma, die sich auf Inkasso- und Treuhanddienstleistungen spezialisierte.

Raoul Egeli, Geschäftsführer der Egeli AG

Raoul Egeli, Geschäftsführer der Egeli AG

Bild: Benjamin Manser (12. Oktober 2018)

Daraus wird die heutige Egeli Gruppe, mit Tochterfirmen in den Bereichen Treuhand, Wirtschaftsauskünfte, Immobilien, Druck und Informatik. 170 Mitarbeitende beschäftigt die Gruppe heute. Geleitet wird sie von Raoul Egeli, dem Enkel des Gründervaters und Cou-Cousin von Werner Egeli.

1986 gründen Eliane und Werner Egeli eine Tochterfirma mit Fokus auf Informatik. «Bonitätsprüfungen wurden bis dahin auf Papier gemacht, in einem langen Prozedere, das bis zu zehn Tagen gedauert hat», sagt die 62-Jährige. Computer sollten die Arbeit übernehmen. Doch diese waren damals teuer und entsprechend gross die Angst der Geschäftsleitung, Geld in den Sand zu setzen. Doch Eliane Egeli kann sie überzeugen.

«Und das notabene in einer Zeit, in der die Frauenförderung gleich null war.»

Zusammen mit ihrem Mann bringt sie die Kreditprüfung ins digitale Zeitalter. Vom Aktenschrank zur Datenbank, so das Credo. Heute sei das Unternehmen Schweizer Marktführer bei der Entwicklung von Inkasso-Software. Die SBB und namhafte Krankenkassen gehören zum Kundenstamm. Die Softwareentwicklung und der Betrieb von IT-Systemen für KMU-Betriebe sind weitere Standbeine der Egeli Informatik AG.

Mit Abstand in Zeiten von Corona: Die meisten Mitarbeiter arbeiten von zu Hause aus. Auch Eliane, Werner und Martin Egeli sind im Homeoffice. Sie kamen für den Fototermin erstmals seit drei Wochen wieder ins Büro.

Mit Abstand in Zeiten von Corona: Die meisten Mitarbeiter arbeiten von zu Hause aus. Auch Eliane, Werner und Martin Egeli sind im Homeoffice. Sie kamen für den Fototermin erstmals seit drei Wochen wieder ins Büro. 

Bild: Nik Roth

Aus der Telefonzelle ins Computersystem

Eliane und Werner lernen sich in Jugendjahren kennen, beide besuchen die Kanti am Burggraben. «Wir waren in der gleichen Clique», sagt der 67-Jährige. Beide studieren anschliessend an der ETH in Zürich. Er Physik und Chemie, sie Biologie. Ihre Dissertation widmet sie der Elektrotechnik in Bildanalysen. «Schon da packte mich die Begeisterung für Computer.» Beide entwickeln ein Flair für die Informatik.

«Obwohl es damals noch gar keine
solche Studienrichtung gab.»

Auch Werner Egeli fasziniert Technik schon immer. Er programmiert bis 2000 mit in der Firma, widmet sich dann vermehrt Datenbanken und Netzwerken. Seit vier Jahren fährt er einen Tesla. «Mich reizt die Software, die im Auto steckt.» Auch das Thema autonomes Fahren begeistert ihn.

Eliane Egeli, CEO der Egeli Informatik AG

Eliane Egeli, CEO der Egeli Informatik AG

Bild: PD

Egelis sind einfallsreiche Digitalenthusiasten. So erzählt die Mutter davon, wie sie in den 1980er-Jahren mit einem Akustikkoppler am Hörer von einer Telefonzelle am Bahnhof Olten aus in das Computersystem eines Kunden in Österreich eingriff, weil etwas nicht funktionierte.

Bereits als Primarschüler die erste Webseite programmiert

Ein Jahr nach der Firmengründung wird 1987 Sohn Martin geboren. «Für mich war immer klar, dass ich nach dem Studium und auch mit Kindern weiterarbeiten werde – mindestens 60 Prozent», sagt die Mutter. Sie richtet sich zu Hause in Teufen ihren eigenen PC-Terminal ein, viele Sitzungen hält sie dort ab statt im Firmensitz. «Homeoffice ist für mich völlig normal.»

Werner Egeli, Verwaltungsratspräsident der Egeli Informatik AG

Werner Egeli, Verwaltungsratspräsident der Egeli Informatik AG

Bild: PD

Das Flair für Bits und Bytes färbt auch auf die Kinder ab. Der Vater sagt: 

«Martin hat sich nie für den Fussballverein interessiert,
das fand ich anfangs komisch.»

Schon früh bekommen die Söhne eigene Computer. 1998 – im Alter von elf Jahren – baut Martin damit die erste Webseite von Teufen auf. Bewaffnet mit einer Digitalkamera hält der Primarschüler das Dorfleben fest, vom Grümpeli bis zum Dorffest. Die Gemeindebehörden haben wenig übrig für den findigen Knirps. «Internet brauche es nicht, sagten sie», erzählt der 32-Jährige, der mittlerweile in Winterthur wohnt.

Später studiert er Business Innovation und International Management an der HSG und an der Universität von Sydney. Auch nach Singapur verschlägt es den Studenten. Nach Jahren der Wanderschaft und einem Job in Zürich ist Martin Egeli aber nun zurück in St.Gallen – und Teil des Familienunternehmens. «Denn ich teile dieselbe Leidenschaft für die Digitalisierung und das Unternehmertum wie meine Eltern.»

Golf statt Bildschirm

Die Familie ist ein eingespieltes Team. «Wir denken erstaunlich ähnlich, sehen vieles gleich und wissen, wohin es mit dem Unternehmen gehen soll», sagt Mutter Eliane mit Blick zu ihrem Sohn. Sie sei froh, jemanden an ihrer Seite zu haben, der sie bei der operativen Führung unterstütze. Also stets einer Meinung? Es gebe da eine Regel in der Familie: Man schwatzt dem anderen nicht drein. «Daran halten wir uns, auch wenn man deshalb manchmal auf die Zähne beissen muss», sagt der Vater.

«Die Jungen wollen zum Beispiel von überall permanent Zugriff auf die
IT-Systeme haben, wir Alten schauen stärker auf die Datensicherheit.»

Es ist nicht Fussball, aber mit einer Sportart hat sich Martin Egeli im Erwachsenenalter doch noch angefreundet. Golf ist das Familienhobby. Da aktuell aber die Golfplätze geschlossen sind, haben Werner und Eliane Egeli in der Stube des Elternhauses kurzerhand eine Puttingmatte ausgelegt. Denn Golf sei ein guter Ausgleich zur vielen Zeit vor dem Bildschirm.

Wie die Eltern

Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm

Dieses bekannte Sprichwort meint, dass ein Kind Eigenschaften und Verhaltensweisen der Eltern übernimmt. In einer losen Serie porträtiert die «Tagblatt»-Redaktion Familien, in denen ein Kind dasselbe macht wie die Mutter oder der Vater – sei dies beruflich, politisch, gesellschaftlich oder künstlerisch. (red)

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