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Falsche Euro-Noten: Die Stadt St.Gallen ist attraktiv für Geldfälscher

2018 sind in der Stadt St.Gallen so viele Fälle von Geldfälschungen festgestellt worden wie noch nie in den vergangenen zehn Jahren. Von einer Falschgeld-Hochburg will die Polizei aber nicht sprechen.
Marion Loher
Euro-Noten sind einfacher zu fälschen als Schweizer Banknoten. (Bild: Getty)

Euro-Noten sind einfacher zu fälschen als Schweizer Banknoten. (Bild: Getty)

Es ist vor allem eine Zahl, die beim Blick in die aktuelle Kriminalstatistik der Kantonspolizei St.Gallen heraus sticht: In der Stadt St.Gallen sind im vergangenen Jahr 113 Fälle von Falschgeld festgestellt worden. Das ist fast sechsmal so viel wie im Jahr zuvor (19 Fälle). Ausserdem hat es in den vergangenen zehn Jahren noch nie eine so hohe Zahl von Geldfälschungen in der Stadt gegeben wie 2018. Der bisherige Höchststand von 88 Fällen stammt aus dem Jahr 2014.

Ist die Stadt zu einer Falschgeld-Hochburg geworden? Florian Schneider, Mediensprecher der Kantonspolizei, verneint. Es habe zwar das eine oder andere Verfahren mehr gegeben, sagt er. «Dass in St.Gallen aber grundsätzlich mehr Falschgeld im Umlauf ist, stellen wir nicht fest.» Für den massiven Anstieg im vergangenen Jahr hat der Mediensprecher eine einfache Erklärung: «Es gab ein paar Personen, die in mehreren Geschäften in der Stadt versuchten, mit Falschgeld zu bezahlen. Je mehr dieser Geschäfte Anzeige erstatteten, desto höher war schliesslich auch die Fallzahl.» Die meisten dieser Personen kämen aus dem Ausland. «Sie bleiben in der Regel nicht länger als einen Tag und klappern in dieser Zeit praktisch die ganze Stadt ab», sagt Schneider, und er erzählt von einem Italiener, der mit einem Bündeli gefälschter 50-Euro-Noten sein Glück in verschiedenen Läden versuchte. «Die Stadt St.Gallen ist mit ihrer hohen Dichte an Geschäften sehr interessant für Betrüger.»

Im Weiteren hat die Polizei im vergangenen Jahr einige unechte 100-Franken-Noten sowie falsche Fünfliber festgestellt. Mit letzteren sei vor allem versucht worden, Ware aus den Automaten zu bekommen, sagt der Mediensprecher. Grundsätzlich aber würden deutlich mehr Euro-Noten gefälscht, als Schweizer Banknoten. «Die alten Schweizer Noten waren schon nicht einfach zu fälschen und die neuen machen es den Betrügern noch schwerer.» Wenn es dann doch einmal versucht werde, sei die Fälschung derart dilettantisch, dass sie meistens noch im Geschäft bemerkt werde.

Manchmal wird der Betrug allerdings erst auf der Bank festgestellt, wenn beispielsweise ein Laden seine Tageseinnahmen bringt. Dann informiert die Bank zunächst den Bund, respektive das Bundesamt für Polizei (Fedpol). «Erst danach kann die Bank oder das Geschäft bei der Polizei Anzeige erstatten», sagt Schneider.

Mehr Anzeigen bei Cyberdelikten

Die Veruntreuungen und Betrüge haben zahlenmässig in der Stadt ebenfalls zugenommen. Beide allerdings nicht so stark wie die Geldfälschungen. Im vergangenen Jahr zählte die Kantonspolizei 50 Fälle von Veruntreuungen in der Stadt und 465 Betrugsfälle. Das sind 30 Prozent respektive 36 Prozent mehr als noch im Jahr davor. «Veruntreuungen sind meistens eine firmeninterne Geschichte», sagt der Kapo-Mediensprecher, «und wir sind darauf angewiesen, dass diese Verfehlungen angezeigt werden.»

Im Mehrjahresvergleich ist es sowohl bei den Veruntreuungen als auch bei den Betrügen die höchste Zahl seit zehn Jahren. «Grund dafür sind unter anderem mehr Anzeigen im Zusammenhang mit Cyberdelikten.» Wo die Veruntreuung aufhört und der Betrug beginnt, sei meistens schwierig zu sagen.

Die Polizei geht davon aus, dass die Betrugsfälle im Cyberbereich noch weiter zunehmen werden. Aus diesem Grund hat die Kantonspolizei zusammen mit der Staatsanwaltschaft ein Kompetenzzentrum für die Bearbeitung von Cybercrime-Delikten geschaffen. Im September 2018 wurde es in Betrieb genommen. Ziel ist es, auch über die Landesgrenzen hinaus Täter aufzuspüren und strafrechtlich zu verfolgen.

Zahl der Straftaten nimmt in der Stadt weiter ab

Die Kriminalstatistik der Kantonspolizei St.Gallen zeigt ein klares Bild: Die Straftaten haben 2018 im Vergleich zum Vorjahr um acht Prozent zugenommen. Dies entspricht einem Anstieg von 1981 Fällen auf insgesamt 26526. In diesem Licht erscheint die Zahl der erfassten Straftaten in der Stadt St.Gallen umso erstaunlicher. Denn in der Stadt befinden sie sich 2018 in einem Tief. Seit zehn Jahren wurden nicht mehr so wenig Straftaten registriert. So waren es 2018 mit 7136 Fällen 151 oder 2,1 Prozent weniger als 2017. Von 2009 bis 2012 bewegte sich diese Zahl immer über 8000 Fälle. «Ein Rückgang ist immer erfreulich», sagt Gian Andrea Rezzoli, Sprecher der Kantonspolizei St.Gallen. «Doch sind diese zwei Prozent kein markanter Unterschied.»

Die Zahl der jüngsten Kriminalstatistik zeigt zudem, dass 2018 rund ein Viertel aller Straftaten im Kanton St.Gallen in der Hauptstadt begangen worden sind. 2017 waren es rund ein Drittel. Über die Gründe, wieso die Straftaten in der Stadt zurückgegangen sind, kann Rezzoli nur spekulieren. «Wir und auch die Stadtpolizei sind vermehrt mit Patrouillen unterwegs. Das könnte einer der Gründe sein.»

Den grössten Unterschied stellte die Kantonspolizei bei den Diebstählen in der Stadt fest, ob bei Entreiss-, Taschen- und Trick-, Einschleich- oder Einbruchdiebstahl. Auch die Fahrzeugaufbrüche sind zurückgegangen. Nur die Zahl der erfassten Ladendiebstähle hat im Vergleich zu 2017 um 47 auf 266 Fälle zugenommen. Insgesamt hat die Polizei in der Stadt 1441 Diebstähle registriert. Im Vergleich zu 2017 sind das 427 oder 22,9 Prozent weniger. «Auch dieser Rückgang ist schwierig zu erklären», sagt Rezzoli. Er vermutet, dass dies die Folge der Verlagerung der Delikte ins Web sei. Wie bei den Straftaten im Gesamten ist bei der Zahl der Diebstähle in der Stadt ersichtlich, dass sie sich seit 2009 auf dem tiefsten Stand befinden. Zum Vergleich: 2009 verzeichnete die Kantonspolizei 3088 Fälle, 357 davon waren Taschendiebstähle.

Eine leichte Zunahme gab es hingegen bei den Drogendelikten – wie im ganzen Kanton. Sei es beim Konsum, dem Besitz oder dem Handel von illegalen Substanzen. Jedoch ist die Zunahme in der Stadt um 15 Fälle oder um 0,9 Prozent auf insgesamt 1662 Widerhandlungen minim. Im Vergleich dazu ist die Zahl der Drogendelikte im ganzen Kanton um 352 Fälle auf 4986 gestiegen. (ren)

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