Fahrplanwechsel: Die Verbesserungen für die Stadt St.Gallen sind bloss kosmetischer Natur

Auch nach dem Fahrplanwechsel bleibt die S-Bahn in der Stadt St.Gallen mangelhaft. Eine Besserung ist noch lange nicht in Sicht.

David Gadze
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Die S-Bahn weist an den St.Galler Stadtbahnhöfen weiterhin Lücken auf. (Bild: Urs Jaudas - 16. Dezember 2013)

Die S-Bahn weist an den St.Galler Stadtbahnhöfen weiterhin Lücken auf. (Bild: Urs Jaudas - 16. Dezember 2013)

In einem Monat, am 15. Dezember, erfolgt in der Schweiz der nächste Fahrplanwechsel. Auch in der Stadt St.Gallen gibt es dann Anpassungen beim öffentlichen Verkehr. Wer aber auf wirkliche Verbesserungen bei der S-Bahn gehofft hat, wird enttäuscht. Die Änderungen sind kosmetischer Natur.

Das neue Kursbuch ist ab heute in elektronischer Form im Internet aufgeschaltet. Gerade der Viertelstundentakt der S-Bahn an den Stadtbahnhöfen dürfte noch länger auf sich warten lassen. Das war schon länger bekannt. Doch auch die Forderung, den RegioExpress von und nach Konstanz auch in Haggen halten zu lassen, bleibt unerfüllt.

Viertelstundentakt für Haggen in wenigen Jahren

Der Kanton habe sich beim Bund für schnelle Verbesserungen eingesetzt, versichert Patrick Ruggli, Leiter des Amts für öffentlichen Verkehr. So habe er vor allem gefordert, dass der «Konstanzer», der seit einem Jahr stündlich zwischen Herisau und Konstanz fährt, auch in Haggen hält. Dies würde dem Quartier drei Züge vom und zum Hauptbahnhof bringen, in Spitzenstunden sogar vier. Das Bundesamt für Verkehr habe dem Kanton jedoch mitgeteilt, dieser zusätzliche Halt sei aufgrund des Fahrplans und der wenigen Kreuzungsstellen auf der ganzen Strecke nicht möglich.

Patrick Ruggli, Leiter des Amts für öffentlichen Verkehr des Kantons St.Gallen (Bild: PD)

Patrick Ruggli, Leiter des Amts für öffentlichen Verkehr des Kantons St.Gallen (Bild: PD)

Ruggli lässt aber durchblicken, dass zumindest für den Bahnhof Haggen in absehbarer Zeit ein Viertelstundentakt möglich sein könnte. Dies sei ohne Infrastrukturausbauten möglich, bedinge aber neue Durchbindungen der S-Bahn-Linien, was sich auf das gesamte Netz der S-Bahn St.Gallen auswirken würde. Der Kanton prüft nun gemäss Ruggli «intensiv» mit den drei Bahngesellschaften SBB, SOB und Thurbo, ab wann diese Verbesserung, die im Ausbauschritt 2035 des Bundes vorgesehen und bereits bewilligt ist, möglich wäre. Einen Zeithorizont nennt Ruggli zwar nicht, spricht aber von «wenigen Jahren – hoffentlich».

«Gleisgeometrie» am Hauptbahnhof wird angepasst

Vom Bund bewilligt sind ebenfalls infrastrukturelle Ausbauten am Hauptbahnhof. Die Finanzierung der Massnahmen für den Ausbauschritt 2035 in der ganzen Schweiz – insgesamt 13 Milliarden Franken von eingegebenen rund 60 Milliarden – wird per 1. Januar 2020 rechtskräftig. Allerdings hat der Bund die Priorisierung der Massnahmen noch nicht festgelegt. Der Kanton kämpfe nun darum, dass der Ausbau des Hauptbahnhofs in erster Priorität erfolge, sagt Ruggli. Vorgesehen sind verschiedene Verbesserungen. Insbesondere wird die «Gleisgeometrie» an der Ostseite des Hauptbahnhofs angepasst. Heute fahren alle ein- und ausfahrenden Züge zwischen dem Hauptbahnhof und dem Rosenbergtunnel jeweils über eine sogenannte Weichenstrasse.

Das bedeutet, dass kein Zug von Osten her in den Hauptbahnhof einfahren kann, wenn gleichzeitig ein anderer Zug nach Osten wegfährt – und umgekehrt.

Das wirkt sich direkt auf das Zugangebot und die Stabilität des Fahrplans aus. Die Möglichkeit für Parallelfahrten und Kreuzungen im «Ostkopf» ist zentral für künftige Angebotskonzepte. Sie würde beispielsweise die Abfahrt der S4 in Richtung Rorschach trotz Kreuzung mit dem einfahrenden RegioExpress ermöglichen. Dazu wäre es möglich, sie zeitlich näher an die Ankunft der Fernverkehrszüge zu legen und so die Umsteige- und Reisezeit deutlich zu reduzieren. Eine Umsetzung ist gemäss Ruggli aber frühestens in fünf Jahren möglich. Ob auch das Gleis 7, das heute ein Stumpengleis ist, durchgehend wird, ist noch offen.

Auch an der Westseite des Hauptbahnhofs könnten aus Sicht des Kantons Anpassungen an den Gleisanlagen diverse Verbesserungen ermöglichen. Noch sei aber nichts konkret, sagt Ruggli.

S1 hält ab Ende 2020 wieder in Bruggen

Unbefriedigend, ja mangelhaft bleibt die Situation für die beiden Stadtbahnhöfe Bruggen und Winkeln. Für sie ändert sich vorerst nichts. In einem Jahr gibt es immerhin Verbesserungen: Die S1 hält dann wieder halbstündlich in Bruggen. Die Zugfolge der S1 und der S5, die heute in beide Richtungen vier Minuten versetzt zueinander fahren, werde sich aber «nur im Minutenbereich» ändern.

Trotz vier Zügen pro Stunde bleibt dann ein Viertelstundentakt in Bruggen und in Winkeln nicht möglich. Eine «saubere Versetzung» der Züge sei mit der bestehenden Infrastruktur und deren Benützung durch andere Züge nicht realisierbar, sagt Patrick Ruggli.

Intensiv geprüft werde eine möglichst baldige Einführung des Viertelstundentakts mit S1 und Interregio zwischen St.Gallen und Wil. Bei diesem Angebot könne der Interregio aber nicht in Winkeln halten, weil er ins Rheintal durchgebunden sei und dort «Zwangspunkte» habe. Wirkliche Verbesserungen gebe es erst mit dem neuen Fernverkehrskonzept. Und dieses kommt mit dem neuen Brüttener Tunnel, also frühestens 2030.