Fällt die neue Horner Seebadi ins Wasser?

Der Neubau der Badi Horn soll mit rund zwei Millionen Franken auf einmal doppelt so viel kosten. Zu viel, meint der Gemeinderat.

Lisa Wickart
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So hatten sich die Architekten die neue Seebadi vorgestellt. Jetzt ist das Projekt aber zu teuer geworden.

So hatten sich die Architekten die neue Seebadi vorgestellt. Jetzt ist das Projekt aber zu teuer geworden.

Bild: PD

Die Hornerinnen und Horner hätten im kommenden Mai über den Kredit für das neue Seebad abstimmen sollen. Dieser Plan geht nun nicht auf. «Wir zweifeln an der Zukunft des Badiprojekts», sagte Gemeinderat Niels Möller am Montag an der Gemeindeversammlung in Horn. Grund dafür seien die überraschend hohen Kosten. Zwischen 1,9 und 2,1 Millionen Franken soll der Neubau kosten – für den Gemeinderat inakzeptabel.

Viel Geld für das Kinderbecken

An der Präsentation des Projekts vergangenen Herbst sprach der Gemeinderat noch von maximal einer Million Franken. Für die beiden geplanten Kinderbecken hat das Architekturbüro Zech nun insgesamt 500'000 Franken berechnet. Der Rest des Projekts mit dem Neubau des Badigebäudes soll zusätzlich 1,4 bis 1,6 Millionen Franken kosten.

Der Horner Gemeinderat Niels Möller bei seiner Ansprache am Montagabend.

Der Horner Gemeinderat Niels Möller bei seiner Ansprache am Montagabend.

Bild: Lisa Wickart

Wie konnten die Kosten so explodieren? Das grosse Problem seien die Kinderbecken: «Von den gesetzlichen Vorgaben, die der Kanton an die Wasserqualität stellt, wusste der Architekt zu Beginn noch nichts», sagt Möller. Die Becken werden massiv teurer als bisher angenommen, weil das Wasser dort Trinkwasserqualität aufweisen muss.

Kritik an den rechtlichen Vorgaben

Möller bezeichnet solche Richtlinien als unverhältnismässig: «Dagegen können wir leider nichts machen, weil wir uns an die gesetzlichen Vorgaben halten müssen.» Wie sich herausgestellt habe, seien die Kosten nur beschränkt beeinflussbar. Selbst wenn man die bestehenden Kinderbecken weiterverwenden würde, müsste die Technik vollständig ersetzt werden. Möller erinnert dabei an das Alter des Seebads: «Da die Badi bereits über 60 Jahre alt ist, sind gewisse bauliche Massnahmen unvermeidbar.»

Form der Bäder spielt beim Preis keine Rolle

Unmut zeigt sich auch während der Fragerunde bei den Hornerinnen und Hornern. Ein Herr bemängelt die Form der Bäder und fragt, ob anstatt «dieser Luxusbäder» ein rechteckiges Becken nicht günstiger wäre. Er kritisiert, dass die beiden runden Kinderbecken nicht für Schulen geeignet seien, um den Kindern das Schwimmen beizubringen. Architekt Andreas Zech entgegnet, dass die Form der Bäder bezüglich der Kosten keine grosse Rolle spiele. Es sei jedoch richtig, dass rechteckige Becken für Schwimmunterricht besser wären. Im aktuellen Projekt würden jedoch Genuss und Spass im Vordergrund stehen.

Kinder sollen in den See

«Die Badi Horn ist ein Seebad, man sollte den Kindern im See schwimmen beibringen», sagt Zech. Damit sind nicht alle einverstanden. Ein Mann kritisiert, dass das Seeufer dafür zu steil abfalle und die Steine am Ufer zu gross seien. Ein anderer Herr fragt, ob man nicht einen ähnlichen Schwimmbereich im See wie bei der Badhütte Rorschach schaffen könne. Gemäss Möller ist dies noch nicht Gegenstand dieses Projekts und man müsste erst abklären, ob ein solcher Schwimmbereich der rechtlichen Vorgabe entsprechen würde.

Eintritt soll trotz hoher Kosten gratis bleiben

«Werden wir noch gratis baden können, wenn der Neubau so viel Geld kostet?», fragt eine Frau den Gemeinderat. Möller versichert, dass der Eintritt für Einwohnerinnen und Einwohner von Horn gratis bleiben werde, egal wie viel das Projekt koste. Ein Mann will wissen, ob der Abriss und die Entsorgung des alten Gebäudes bereits einberechnet sei, was der Gemeinderat bestätigt.

Der externe Bauherrbegleiter Alvin Fischer klärt über die kommenden Schritte auf. «Aufgrund der rechtlichen Vorgaben des Kantons müssen wir an dem Projekt Änderungen vornehmen, damit es genehmigt werden kann», sagt er. Bestenfalls sei dieser Schritt bis im Herbst 2020 abgeschlossen.

Wie es dann mit der Finanzierung des Neubaus aussehen wird, kann Fischer noch nicht sagen: «Aber klar ist, dass wir an den Kosten noch arbeiten müssen.» Zur Kreditabstimmung werde es erst kommen, sobald die Kosten klar seien. «Wir werden uns danach richten, was Sie uns heute gesagt haben», spricht Möller zu den Einwohnerinnen und Einwohnern. Nun müsse das Projekt neu beurteilt und Alternativen geprüft werden.