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Fachhochschule zeigt virtuelle Höhenflüge am See von Rorschach

Im Forschungskubus «Biosphera Equilibrium» auf dem Rorschacher Hafenplatz zeigt die Fachhochschule St.Gallen, was virtuelle Welten ermöglichen. Beim Training gegen Höhenangst stieg der Puls.
Sandro Büchler
Mit der Brille taucht der Autor selbst in die virtuelle Welt ein und kommt dabei in Schwitzen. (Bild: Jörg Bachmann)

Mit der Brille taucht der Autor selbst in die virtuelle Welt ein und kommt dabei in Schwitzen. (Bild: Jörg Bachmann)

Fahrstuhlmusik erklingt, als der Lift ins 50. Stockwerk fährt. Es klingelt, die Türen öffnen sich. Davor liegt ein Abgrund, lediglich eine schmale Planke, ähnlich einem Sprungbrett, führt hinaus aus dem Lift. Darunter breiten sich die virtuellen Schluchten einer Grossstadt aus, Vögel kreisen, irgendwo steigt Dampf aus einer Lüftungsanlage empor. Vorsichtig setzt man einen Fuss vor den anderen. Trügerisch knarrt das Brett.

Es handelt sich hierbei um eine Simulation, um in einer virtuellen, aber realitätsnah gehaltenen Umgebung, Extremsituationen am eigenen Leib zu erfahren. Mit einer Brille auf dem Kopf taucht man ein in die schwindelerregende Welt. Erschaffen hat die Fiktion Jörg Bachmann und sein Team. Er doziert am Institut für Innovation, Design und Engineering an der Fachhochschule St.Gallen.

Auf der Brett in luftiger Höhe steigt der Puls, obwohl die Umgebung lediglich fiktiv ist. (Bild: Sandro Büchler)

Auf der Brett in luftiger Höhe steigt der Puls, obwohl die Umgebung lediglich fiktiv ist. (Bild: Sandro Büchler)

«Mit dem virtuellen Lift und den Schritten auf dem Brett trainieren Menschen mit Höhenangst.» Natürlich gehe man bei der Bewältigung behutsam vor. Erst trete man auf einen fiktiven Balkon – erst mit, dann ohne Geländer. Virtuelle Welten gebe es auch für Personen mit Flugangst oder mit Angst vor Spinnen, zählt Bachmann auf.

In fünf Sekunden auf dem Säntis

Bachmann startet Google Earth. Er fliegt rund um den Globus, kreist wie Superman über Rorschach und düst weiter in die Stadt St. Gallen. «Kein Lichtsignal stört meine Reise», sagt er lachend. Bachmann fragt die Anwesenden, wie lange die Wanderung von der Schwägalp auf den Säntis dauert. Ohne eine Antwort abzuwarten, sagt er: «Hier geht es fünf Sekunden.»

Das 3-D-Kleid und das Steuerrad

Als Dozent versucht Bachmann aufzuzeigen, wie virtuelle Räume beim Design, bei der Entwicklung von Ideen behilflich sein können. Was das heisst, zeigt er an einem Auto. Vom Fahrzeug besteht im 3D-Modell erst das Chassis. Mit wenigen Pinselstrichen zeichnete Bachmann Türen, ein Dach, dazu ein Sitz und ein Steuerrad. Noch wirken die Armaturen eher comicartig. «Doch die Visualisierungen sind beim Entwickeln eines Prototyps sehr hilfreich.» Maschinen, Bauteile, Fahrzeuge oder ganze Häuser lassen sich so modellieren. «Virtuell eröffnen sich so neue Denkansätze und Vorgehensweisen», sagt Bachmann.

Jörg Bachmann, Dozent und Projektleiter an der Fachhochschule St.Gallen (Bild: Sandro Büchler)

Jörg Bachmann, Dozent und Projektleiter an der Fachhochschule St.Gallen
(Bild: Sandro Büchler)

Als Nächstes hat er eine 3D-Schaufensterfigur auf dem Bildschirm in der Brille. Er entwirft ein Kleid, experimentiert mit Farben. Der Entwurf wird extravagant, gleicht aber eher einer schusssicheren Weste, als einem angenehmen Kleidungsstück. Das ist gewollt: «Die Arbeit im 3D-Raum unterstützt kreative Prozesse», sagt Bachmann.

Mit den Augen eines Kindes

Für den Dozenten sind die Anwendungen aber nicht bloss Spielerei. «Wir wollen aufzeigen, was mit Virtual Reality technisch möglich ist.»

«Denn Virtual Reality kann bedeutend mehr, als nur unterhalten.»

Bachmann veranschaulicht dies in einem fiktiven Garten einer modernen Villa. Noch ist die Veranda leer. Doch schon beginnt Bachmann, mit wenigen Handbewegungen Gegenstand um Gegenstand zu platzieren. Stühle, einen Tisch und ein Liegebett zaubert er hervor. In Sekunden sind Bäume gepflanzt, kiloschwere Steine im Nu verschoben. Vögel zwitschern unentwegt durch die Kopfhörer.

«Je mehr Sinne angesprochen werden, desto intensiver ist das Erlebnis», erläutert Bachmann. So stehe der Mensch im Entwicklungsprozess im Zentrum. «Virtuell soll man ein Haus begehen, Fenster öffnen und einen Blick auf die Umgebung werfen können.» Durch den 3D-Einsatz würden sich neue Perspektiven eröffnen.

Denn in den virtuell erschaffenen Räumen ist es ein Leichtes, den Protagonisten schrumpfen zu lassen. So lässt sich die Welt mit den Augen eines Kindes sehen. «Beim Design einer Küche ergeben sich daraus ganz andere Sicht- und Bauweisen», erklärt Bachmann. Innovation hänge eben auch vom Blickwinkel ab.

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