Externe steuern künftig den Rheinecker Strom

Die Anforderungen an die Elektrizitätsversorgung steigen. Von der Verwaltung lassen sich diese kaum mehr erfüllen. Rheineck sucht deshalb einen Partner.

Jolanda Riedener
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Die Stadt betreibt zwei Fotovoltaikanlagen: Eine befindet sich auf dem Dach der Turnhalle Kugelwis. (Bild: PD)

Die Stadt betreibt zwei Fotovoltaikanlagen: Eine befindet sich auf dem Dach der Turnhalle Kugelwis. (Bild: PD)

Technisch und administrativ wird die Elektrizitätsversorgung immer aufwendiger. Das bekommt auch das Städtli Rheineck zu spüren. Sie hat eine Auslegeordnung der Abteilung Werke veranlasst, nachdem der Chefmonteur Markus Wallier im Oktober gekündigt hat. «Mit Bedauern musste der Stadtrat die Kündigung entgegen nehmen», heisst es in einer Mitteilung des Rats. Ende 2018 verlässt Wallier die Verwaltung.

Die objektive Gesamtbetrachtung habe gezeigt, dass die Anforderungen sowie Bedürfnisse an Elektrizitätsversorgungsunternehmen in den vergangenen Jahren stark gestiegen sind und von kleineren Organisationen kaum mehr effizient und bedarfsgerecht erfüllt werden können, heisst es weiter.

«Mit der Strommarktöffnung und der Einspeisung von Fotovoltaikanlagen sind die Herausforderungen stark gestiegen», sagt Markus Zünd, Leiter der Werke. Rheineck betreibt zwei gemeindeeigene Fotovoltaikanlagen, eine auf dem Dach der Primarschule Neumühle, eine zweite auf der Turnhalle Kugelwis. Im Industriegebiet gibt es gemäss Zünd weiter Private, die Sonnenenergie gewinnen würden. «Zum Beispiel an einem sonnigen Sonntag im Sommer, produzieren die Firmen Energie, die sie nicht nutzen können», sagt Zünd. Diese laufe dann zurück ins Netz. «Die Energie fliesst heute in mehrere Richtungen. Früher war das anders», sagt er.

Die Finanzen bleiben bei der Stadt

Anspruchsvoll sei auch die Rekrutierung von Elektromonteuren mit Zusatz- und Weiterbildungen, die für eine selbstständige Leitung einer Elektrizitätsversorgung, inklusive Projektleitungsberechtigung, nötig sind. Auch komme die Ausbildung eigener Fachkräfte nicht in Frage, weil Rheineck nicht über alle für die Ausbildung nötigen Anlagen verfügt.

Der Stadtrat hat deshalb entschieden, für gewisse Teilbereiche eine enge Zusammenarbeit mit grösseren, qualifizierten Partnern zu suchen. Dabei sollen einzelne Module ausgelagert werden. Die Energieverrechnung, Kundenbetreuung sowie Finanzbuchhaltung, verbleiben jedoch weiterhin bei der Stadt Rheineck. Auch das Netz soll Eigentum der Stadt bleiben. Der Auftrag wird noch dieses Jahr vom Stadtrat vergeben, damit die Betriebsführung ab Januar 2019 ohne Unterbruch sichergestellt ist, heisst es weiter. Nicht von der Neuausrichtung betroffen ist die Wasserversorgung, die bereits heute zu grossen Teilen von der Gemeinschaftswasserversorgung Rheineck-St. Margrethen betreut wird. Diese Spezialaufgabe wird ein neuer Mitarbeiter des Bauamtsteams übernehmen. Fürs den Bereich Strom und Energie beschäftigt Rheineck derzeit noch einen weiteren Monteur. Dieser wird der Verwaltung erhalten bleiben aber im kommenden Jahr eine neue Aufgabe als Bademeister in Angriff nehmen.

Bedingungen für Netzeinspeisung geregelt

Überschüssige Energie aus Fotovoltaikanlagen oder Kleinwasserkraftwerke sowie Windkraftanlagen gelten als Eigenerzeugungsanlagen und führen zu Rücklieferungen überschüssiger erneuerbarer Energie ins Rheinecker Energienetz. Auch können Blockheizkraftwerke (BHKW) oder Brennstoffzellen eingebaut werden, die Rücklieferungen von nicht erneuerbarer Energie zur Folge haben. Der örtliche Netzbetreiber ist verpflichtet, solche Rücklieferungen zu übernehmen.

Der Stadtrat hat deshalb die Bedingungen für die externe Einspeisung fürs kommende Jahr festgelegt. Nach dem Energiegesetz richtet sich die Vergütung für erneuerbare Energie nach den vermiedenen Kosten des Netzbetreibers für die Beschaffung gleichwertiger Energie. Die Bedingungen für die Aufnahme von Energierücklieferungen sind auf www.rheineck.ch ersichtlich.

Steinach als Vorbild für erneuerbare Energien

Im Bereich erneuerbare Energien spielt Steinach eine Vorreiterrolle. Nun erhält die Gemeinde ein weiteres Energiestadt-Label. Zu verdanken hat sie das Gemeinderat Roland Etter. Dieser hat noch grosse Ziele.
Jolanda Riedener