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Evergreen: Thomas Lips kam von Long Island ins Espenmoos

Thomas Lips wuchs in den USA auf, spielte für die Nationalmannschaft von Puerto Rico und fand über Umwege zum FC St.Gallen. Dabei war sein erstes Engagement in der Schweiz alles andere als gut.
David Gadze
Thomas Lips im ersten seiner insgesamt 22 Einsätze für den FC St. Gallen. Im Heimspiel gegen den FC Aarau duelliert sich der damals 24-Jährige mit Uwe Wassmer. (Bild: Ralph Ribi/8. August 1992)

Thomas Lips im ersten seiner insgesamt 22 Einsätze für den FC St. Gallen. Im Heimspiel gegen den FC Aarau duelliert sich der damals 24-Jährige mit Uwe Wassmer. (Bild: Ralph Ribi/8. August 1992)

«Mein Schwyzerdütsch ist nicht besonders gut», entschuldigt sich Thomas «Tom» Lips gleich zu Beginn des Gesprächs – auf Englisch. Und inzwischen sind 25 Jahre vergangen, seit der Sohn eines Schweizers und einer Deutschen, der auf Long Island im US-Bundesstaat New York zur Welt gekommen ist, letztmals in der Schweiz war. Doch die Erinnerungen an die insgesamt drei Jahre, die er hier verbracht hat, sind immer noch frisch. Der ehemalige Verteidiger des FC St. Gallen erzählt die Anek­doten auf lebhafte Weise.

Erstmals kommt Thomas Lips 1986 ins Land seines Vaters, der aus Grindelwald stammt und als junger Mann in die USA ausgewandert war, wo er unter anderem für das Zofinger Druckunternehmen Müller Martini arbeitete. «Ich wollte nach der High School nicht aufs College, sondern Fussball spielen», erzählt er am Telefon. Paul Stehrenberger, ehemaliger Nationalliga-A-Spieler und einst Leiter Informatik bei Müller Martini, fädelt ein Engagement beim FC Olten ein, der soeben in die Nationalliga B aufgestiegen ist. Doch der Teenager, gerade erst volljährig geworden, schafft es nicht, Fuss zu fassen. Das Heimweh plagt ihn zu sehr.

«Ich war noch sehr unreif, das erste Mal weg von Zuhause und die ganze Zeit traurig.»

Seinen Onkel trifft er ein paarmal zum Essen, doch dieser interessiert sich nicht für Fussball. «Ich war in der Fremde ganz auf mich alleine gestellt.»

Bei einem Testspiel für die Nationalmannschaft von Puerto Rico empfohlen

Nach nur einem Jahr bricht Lips seine Zelte in der Schweiz wieder ab und kehrt zurück in die USA. Er schliesst sich dem College-Team der Fairleigh Dickinson University an, den FDU Knights. Dort spielt er zunächst vier Jahre in der Fussballmannschaft und hängt dann ein weiteres im American-Football-Team an. Und er wird zum Fussball-Nationalspieler: Bei ihrem Aufenthalt in New Jersey sucht die puerto-ricanische Nationalmannschaft nach guten Gegnern als Vorbereitung auf die WM-Qualifikation. Lips erwischt nach eigener Aussage «einen sehr guten Tag» – und wird prompt angefragt, ob er nicht, wie viele andere US-Amerikaner, für die Auswahl des US-Aussengebietes spielen wolle. Er sagt zu und absolviert 1992 in der WM-Qualifikation gegen Jamaika zwei Länderspiele.

Im gleichen Sommer beschliesst Tom Lips, es nochmals in der Schweiz zu versuchen – auch, weil er dank seines Schweizer Passes das Ausländerkontingent nicht belasten würde. Er absolviert ein Testspiel mit den Grasshoppers, kann sich aber nicht empfehlen. Er spielt beim FC Luzern vor, doch dort gefällt es ihm nicht. Der Ostschweizer Spielerberater Vinicio Fioranelli, der 1988 den Transfer von Ivan Zamorano zum FC St. Gallen eingefädelt hatte, stellt schliesslich den Kontakt zu den «Espen» her. «In St. Gallen fühlte mich vom ersten Tag an wohl», sagt Lips. Beim FCSG unterschreibt er einen Zweijahresvertrag. In der fünften Runde, im Heimspiel gegen den FC Aarau, kommt er zu seinem ersten Einsatz. In jener Saison, die mit dem Abstieg in die Nationalliga B endet, bleibt Lips jedoch meist nur die Rolle des Zuschauers. Er bleibt dem FCSG aber treu – und spielt nun regelmässig.

Wegen der Major League Soccer den FCSG verlassen

Dennoch und trotz des sofortigen Wiederaufstiegs schlägt er im Sommer 1994 ein Angebot zur Vertragsverlängerung aus.

«Ich wollte unbedingt beim Start der neuen US-Profiliga dabei sein.»

Anfang 1995 hätte die erste Saison der Major League Soccer beginnen sollen. Doch im November 1994 gibt die Liga bekannt, den Start um ein Jahr zu verschieben. «Ich trainierte wie ein Verrückter, um in Form zu sein, wenn es losgeht – und dann das.» So spielt Lips 1995 für New York Fever, ehe er 1996, in der ersten MLS-Saison, für New England Revolution aufläuft. Nach zwei Jahren bei den Long Island Rough Riders und einer Saison bei den Boston Bulldogs, die beide in unteren Ligen spielten, beendet er 1999 seine Karriere. «Mein Körper war müde geworden.»

Thomas Lips betreut heute zwei Fussballschulen und trainiert Kinder und Jugendliche. (Bild: PD)

Thomas Lips betreut heute zwei Fussballschulen und trainiert Kinder und Jugendliche.
(Bild: PD)

Schon davor absolviert Thomas Lips die Ausbildung zum Sportlehrer und geht dem Job bis heute nach. Ausserdem war er Trainer der Frauenmannschaft der Long Island Rough Riders. Und mit seiner Firma Lips (Long Island Professional Soccer) betreut er zwei Fussballschulen und trainiert Kinder und Jugendliche. Mit seiner Frau Elisabeth und den beiden Kindern Samantha (15) und John Thomas (12), die ebenfalls Fussball spielen, wohnt der heute 51-Jährige in Stony Brook an der Nordküste von Long Island. Und er denkt über eine dritte Reise in die Schweiz nach: «Ich will meiner Familie dieses Land zeigen.»

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