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Evergreen: Rolf Fischer pflückte für den FC St.Gallen eine Flanke nach der anderen

Rolf Fischer war für seine Zeit ein aussergewöhnlicher Torhüter, einer mit enormer Sprungkraft. Zur Karriere fand er zufällig. Seine Stationen hiessen Steckborn, Young Boys und FC St.Gallen.
Fredi Kurth
Rolf Fischer beim Training mit den Young Boys. (Bild: Privatsammlung Rolf Fischer)

Rolf Fischer beim Training mit den Young Boys. (Bild: Privatsammlung Rolf Fischer)

Im Thurgau pflücken Menschen Äpfel und Birnen. Rolf Fischer hatte sich auf Bälle spezialisiert. Flanken herunterzuholen, war ihm aber nicht gerade in die Wiege gelegt worden. «Mit meinen 1,73 Meter Körpergrösse hätte ich heute keine Chance mehr», sagt Fischer, obwohl seine athletischen Fähigkeiten just dem modernen Typen des Torhüters entsprächen. Wahrscheinlich verdankte er sie dem Umstand, in einem Dorf, in Steckborn, aufgewachsen zu sein.

In der Nachkriegszeit engagierten sich die Leute häufig in mehreren Vereinen, nicht zuletzt bei sportlicher Begabung. Rolf Fischer war auch im Turnverein Mitglied, Thurgauer Meister im Speerwerfen und Kunstturner. Er sprang 1,80 Meter hoch, machte im Fussball seine kleine Statur somit mehr als wett, und seine Abwürfe flogen bis zur Mittellinie.

Von einem verletzten Spieler gesichtet

Doch zuerst musste er entdeckt werden. Der Arboner Willy Schneider, Stammspieler bei YB, aber zufällig verletzt, erkannte Fischers Fähigkeiten in einem Aufstiegsspiel von der 3. Liga in die 2. Liga zwischen Steckborn und Arbon, und meldete seine Beobachtungen der Führung des BSC Young Boys. Das war Scouting anno 1960. Prompt erhielt Fischer ein Aufgebot für ein internationales Testspiel vor 20000 Zuschauern im Wankdorf und danach einen Vertrag, auch weil er einen Penalty parierte.

Die Young Boys benötigten Goalie-Nachwuchs, weil Legende Walter Eich (vor zwei Monaten 93-jährig verstorben) aufhörte. Vier Jahre lang wurde der junge Fischer im Reserveteam aufgebaut, ehe er 1964 im Alter von 22 Jahren zur Nummer 1 wurde. Dabei wechselte er sich häufig mit Felix Ansermet ab. «Ich stufte ihn höher ein als mich, und er hatte studiert», erzählt Fischer und war überrascht, als ihm Ansermet eines Tages gestand, er habe immer gemeint, Fischer sei der bessere Keeper.

Die Blütezeit der Berner mit vier Meistertiteln hatte Fischer verpasst, aber stets klassierten sie sich auf den Rängen zwei bis fünf. Walter Müller und Roland Lenherr vom FC St. Gallen sowie Richard Dürr vom SC Brühl waren seine Ostschweizer Weggefährten bei YB, ebenso Internationale wie Toni Allemann oder Heinz Schneiter.

Rolf Fischer behändigt den Ball in einem Meisterschaftsspiel mit den Young Boys auf dem Hardturm. (Bild: Privatsammlung Rolf Fischer)

Rolf Fischer behändigt den Ball in einem Meisterschaftsspiel mit den Young Boys auf dem Hardturm. (Bild: Privatsammlung Rolf Fischer)

«Kurt Schadegg war der beste»

1969 wollte Fischer im Alter von 27 Jahren die Laufbahn beenden und in die Ostschweiz zurückkehren. Albert Sing indessen, der Meistertrainer von YB und zu jener Zeit beim FC St. Gallen engagiert, bekam Wind davon. Und eines Tages stand er zusammen mit Kassier Ernst Wenk vor Fischers Haustür. «Sie bearbeiteten mich, noch ein paar Jährchen anzuhängen», sagt Fischer. Sing war nicht mehr lange auf dem Espenmoos tätig, aber Nachfolger Kurt Schadegg nahm sich seiner an. «Ich hatte viele Trainer, aber er war für mich der beste. Er machte mit mir nach jeder Einheit spezielles Torhütertraining, was damals noch keine Selbstverständlichkeit war.»

Beim FC St. Gallen erlebte Rolf Fischer eine turbulente Zeit: den Abstieg in die Nationalliga B, die sofortige Rückkehr ins Oberhaus und am Ende einer weiteren Saison den berühmten Abstiegskampf auf dem Zürcher Hardturm mit dem 4:1-Sieg gegen Luzern. Beim Cupsieg 1969 stand er nicht im Einsatz, durfte aber im Rückspiel des Europacupspiels gegen Levski Sofia für Biaggi zwischen den Pfosten stehen. «Der Schnee im Espenmoos stand so hoch, dass ich fast den Kopf an der Torlatte anschlug», amüsiert sich Fischer heute noch. Nicht von ungefähr vielen keine Tore.

In seiner ersten Saison trainierte er unter der Woche noch bei YB, weil der gelernte Automechaniker in Bern bei der Direktion Eidgenössische Bauten arbeitete, und fuhr jeweils individuell zu den Spielen des FC St. Gallen. 1972 offerierte ihm die Armee bei der AMP in Bronschhofen eine Lebensstelle als Kursleiter. Nun konnte er nur noch zwei- statt viermal trainieren und trat die Nummer 1 an den talentierten Karl Hutter ab.

Zufrieden mit dem Einkommen

Rolf Fischer heute. (Bild: th)

Rolf Fischer heute. (Bild: th)

«Ich habe gut verdient», sagt Fischer. Das ist eine seltene Aussage eines Fussballers aus jener Zeit. Beim Bund verdiente Fischer 990 Franken im Monat, bei den Young Boys kamen je nach Erfolg 4000 bis 4500 Franken dazu. Für eine Viereinhalbzimmer-Wohnung mitten in Bern bezahlte er 450 Franken Miete. «Auch in St. Gallen wurde ich gut entschädigt.»
Rolf Fischer spielte noch einige Zeit in der 1. Liga bei Uzwil, und engagierte sich später als Torhütertrainer beim Ostschweizer Fussball-Verband und mit Coach Jost Leuzinger beim Schweizer Frauennationalteam.

Mit der Pensionierung 2007 zügelte der dreifache Familienvater mit seiner Frau, die an den Rollstuhl gebunden war und vor vier Jahren verstarb, nach Wattwil. Fit ist Rolf Fischer noch immer. Auf seinen Wanderungen hat er auch zwei Zacken der Churfirsten erklommen.

Matchtipp Rolf Fischer

Sonntag, 16.00, Kybunpark
FC St. Gallen – FC Thun 2:1

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