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Evergreen: Marco Dittgen - Ein nimmermüder Nomade

Marco Dittgen spielte in seiner Karriere für 16 verschiedene Fussballclubs. Praktisch nirgends blieb er länger als eine Saison. Vom Fussball hat er auch mit 44 Jahren nicht genug: Er spielt heute noch.
David Gadze
Auf seiner langen Fussballreise macht Marco Dittgen (Mitte) in der Saison 1996/97 Halt beim FC St.Gallen. (Bild: Michael Kupferschmid/KEY)

Auf seiner langen Fussballreise macht Marco Dittgen (Mitte) in der Saison 1996/97 Halt beim FC St.Gallen. (Bild: Michael Kupferschmid/KEY)

Im rechten Knie hat er eine Arthrose mit Knorpelschaden. Und der Jüngste ist er mit 44 Jahren auch nicht mehr. Doch auch ein Vierteljahrhundert nach seinem Profidebüt schnürt Marco Dittgen noch seine Fussballschuhe. Mit dem Profifussball ist es zwar schon seit fast 20 Jahren vorbei, doch der Spass am Spielen hat der 44-Jährige nicht verloren.

Der in Püttlingen bei Saarbrücken aufgewachsene Stürmer war ein Nomade, wie man ihn selbst im schnelllebigen Fussballgeschäft selten findet. In den knapp zehn Jahren seiner Profikarriere hat er bei neun verschiedenen Vereinen gespielt und ist in der Regel nach einer Saison weitergezogen. Oft hätten nicht sportliche, sondern finanzielle Gründe den Ausschlag zum Wechsel gegeben, sagt er. «Als Fussballer arbeitet man nicht bis 65. Also bin ich dorthin weitergezogen, wo ich mehr verdienen konnte.»

«Ich wollte in der Schweiz bleiben»

Seine Profilaufbahn beginnt Dittgen beim 1. FC Kaiserslautern. Nachdem er mit den Pfälzern, die ihn bei einem Jugendturnier entdeckt haben, die A-Jugendmeisterschaft gewinnt, schafft er 1993 den Sprung in den Profikader. Beim damaligen Vizemeister sei die Konkurrenz aber einfach zu stark gewesen, erzählt er. Also geht er zum Bundesliga-Konkurrenten Dynamo Dresden, wo er immerhin drei Tore erzielt. Der Club steigt im Folgejahr jedoch ab. So landet Dittgen in Bern bei den Young Boys. Dort setzt er sich auf Anhieb durch, erzielt 13 Tore und bewahrt die Berner in der Auf-/Abstiegsrunde mit acht Toren in zwölf Spielen vor dem Abstieg aus der Nationalliga A. «Das war die beste Zeit in meiner Karriere.» Da YB in finanzielle Schieflage gerät, löst der Club den Vertrag auf. So stösst Dittgen im Sommer 1996 zum FC St.Gallen. Er habe auch Angebote von anderen Clubs gehabt, unter anderem aus der 2. Bundesliga. «Aber mir gefiel es in der Schweiz, deshalb wollte ich bleiben.»

Auch beim FCSG stellt der bullige Stürmer seine Treffsicherheit sogleich unter Beweis: Im ersten Spiel gegen Lugano trifft er zur 1:0-Führung, eine Woche später schnürt er im Cupspiel gegen den FC Rorschach einen Doppelpack. Doch danach gerät seine Torproduktion ins Stottern: Bis zur Winterpause kommen nur noch drei weitere Meisterschaftstore hinzu. Im Frühling setzt ihn dann eine Bänderverletzung am Fuss für längere Zeit ausser Gefecht. Kurios: Nachdem er nach Deutschland abreist, um sich untersuchen zu lassen, tauchen Zeitungsmeldungen auf, wonach der FC St.Gallen keine Ahnung habe, wo sich sein Spieler aufhalte. Im Sommer verlängert der FCSG den Vertrag nicht mehr.

Nach Stationen bei der US Palermo und beim VfB Leipzig in den dritthöchsten Ligen Italiens und Deutschlands gelingt Dittgen 1999 nochmals der Sprung in die 2. Bundesliga. Für den Aufsteiger Chemnitzer FC erzielt er in der ersten Saison zehn Treffer und trägt als bester Torschütze des Teams massgeblich zum Klassenerhalt bei. In der folgenden Spielzeit ist das Tor für ihn aber wie vernagelt, sowohl beim CFC als auch bei Waldhof Mannheim, wohin er in der Winterpause verliehen wird, trifft er kein einziges Mal mehr. Im Sommer 2001 schliesst er sich dem FC Rot-Weiss Erfurt in der Regionalliga (damals noch die dritthöchste Spielklasse) an, doch auch dieses Engagement dauert nur ein Jahr. Denn aufgrund einer Knieverletzung muss er seine Profikarriere mit 27 Jahren beenden.

Mit Spass und Ehrgeiz

Danach kehrt der Nomade in seine Heimat zurück. Heute wohnt Marco Dittgen in Saarbrücken. Doch das fussballerische Wanderleben geht auch nach dem Rücktritt vom Profisport weiter. Seit 2002 hat er für diverse unterklassige Vereine aus dem Raum Saarbrücken gespielt – bis heute. Seit diesem Sommer steht er beim SV Klarenthal Jugend unter Vertrag, der in der Kreisliga A Warndt spielt. Was ihn antreibt? Der Spass am Fussball. Und dennoch: Der Ehrgeiz, Spiele zu gewinnen und Tore zu schiessen, sei immer noch gleich gross wie zu seiner Zeit in der Bundesliga.

Hauptberuflich arbeitet Dittgen als Vorarbeiter bei Saarmontan, einer international tätigen Berg- und Tunnelbaufirma. Von Montag bis Freitag ist er in der Regel im Ausland unterwegs, «am Freitagabend trainiere ich und am Wochenende spiele ich». Wie lange er noch auf dem Platz stehen will, weiss er selber nicht. «Im Sommer höre ich mir mal an, was mein Körper sagt, und entscheide dann, ob ich weiterspiele. Solange mich meine Beine tragen, werde ich gegen einen Ball kicken», sagt er mit einem Lachen.

FC St.Gallen – BSC Young Boys

Sonntag, 16 Uhr, Kybunpark;
Matchtipp Marco Dittgen: 0:3

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