Evergreen: Marcel Cornioley war ein FCSG-Spieler, der auffiel – das macht er heute

Er war ein Spieler, der auffiel, immer unterwegs war und dem Gegner das Verteidigen schwermachte. Für Marcel Cornioley waren die drei Jahre beim FC St.Gallen die Basis für eine beachtliche Fussballerlaufbahn. Heute ist er Präsident des Fussballverbands der Stadt Zürich.

Fredi Kurth
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Marcel Cornioley (rechts) in einem Spiel gegen den FC Lugano. Der zweite St.Galler im weissen Dress ist Hanspeter Luder. (Bild: Sammlung Marcel Cornioley)

Marcel Cornioley (rechts) in einem Spiel gegen den FC Lugano. Der zweite St.Galler im weissen Dress ist Hanspeter Luder. (Bild: Sammlung Marcel Cornioley)

«Cornioley, immer wieder er.» So ist in einem Matchbericht des FC St.Gallen aus dem Jahr 1970 zu lesen. Eine schlichte Bemerkung und doch bezeichnend. Marcel Cornioley trieb mit seinen Flügelläufen die Mannschaft nach vorne. Er war ein Spieler, der auffiel, immer unterwegs war und dem Gegner das Verteidigen schwermachte.

Wendig, schnell, dribbelgewandt, dazu ein guter Flankengeber und regelmässiger Torschütze. Trainer Peter Zeidler würde ihn heute in die Stammformation nehmen, auf der rechten Aussenposition des Mittelfeldes.

Denn klassische Flügel gibt es im System Zeidler nicht mehr. Und noch in einer Hinsicht müsste sich Cornioley umstellen: «Ich müsste mehr nach hinten arbeiten, mehr verteidigen», sagt er. Das wurde früher nicht verlangt. Meistens spielte er als Flügel im 4-3-3.

«Aber über Taktik hatten die Trainer nicht viel geredet.»

Sie achteten primär auf die positionsbezogene fussballerische Klasse eines Spielers.

Als Jungspund nach St.Gallen

Cornioley hatte sie zweifelsohne und bildete in der damaligen Klubpolitik eine Ausnahme. Während der FC St.Gallen sonst eher arrivierte auswärtige Fussballer wie Zeljko Perusic, Rolf Blättler oder Kurt Grünig verpflichtete, kam mit Cornioley ein Jungspund aufs Espenmoos.

In Zürich-Albisrieden aufgewachsen, hatte er schon als 17-Jähriger beim FC Wettingen in der Nationalliga B debütiert und wechselte zwei Jahre später als Aufsteiger aufs Espenmoos. St.Gallens Trainer Albert Sing war persönlich bei ihm zu Hause erschienen und überzeugte auch die Eltern von einem Wechsel in die Ostschweiz.

Er waren drei bewegte Jahre, die Cornioley in St.Gallen verbrachte. Den Cupsieg von 1969 hatte er zwar knapp verpasst, aber er war dabei im Europacup gegen Frem Kopenhagen und Levski Spartak Sofia. Der FC St.Gallen war indessen nach den Abgängen von Kurt Grünig, Peter Meier und Livio Dolmen in der Substanz geschwächt und stieg ab, um prompt wieder in die höchste Spielklasse zurückzukehren.

Ungeplanter Abschied bei den Grasshoppers

In der dritten Saison war Cornioley auch Teamstütze jener Mannschaft, die im Juni 1972 den Ligaerhalt auf dem Zürcher Hardturm schaffte, im legendären Abstiegsentscheidungsspiel gegen Luzern, beim 4:1 vor 15000 Zuschauern, die ein Gespür hatten für den wichtigen Augenblick: Der FC St.Gallen gehörte danach 20 Jahre ununterbrochen der höchsten Liga an.

Marcel Cornioley ist heute Präsident des Fussballverbands der Stadt Zürich. (Bild: PD)

Marcel Cornioley ist heute Präsident des Fussballverbands der Stadt Zürich. (Bild: PD)

Für Cornioley waren die St.Galler Jahre die Basis für eine beachtliche Fussballerlaufbahn, die seinerzeit noch ohne Auslandaufenthalt möglich war. Schon ein Welschlandaufenthalt wurde sehr geschätzt. Auf drei Jahre St.Gallen folgten drei Jahre bei den Young Boys, zwei Jahre Grasshoppers und drei Jahre Lausanne, ebenfalls ambitionierte Traditionsvereine. Cornioley erinnert sich an einen Uefa-Cup-Einsatz mit Lausanne gegen Ajax.

«Wir erreichten damals ein 0:0 in Amsterdam, wurden aber zu Hause mit 0:4 überfahren. Die Holländer hatten uns im Hinspiel offensichtlich nicht so ernstgenommen.»

Seine vier Nationalliga-A-Stationen hatte Cornioley zeitlich gleichmässig verteilt. Bei den Grasshoppers folgte der Abschied aber ungeplant. Der neue Trainer Helmuth Johannsen empfand einen zweiten Flügel neben Ruedi Elsener als überflüssig, sodass Cornioley noch eine vierte Station anhängte, was ihm sehr zupass kam: «Die welsche Mentalität war mir durch den Vater in die Wiege gelegt worden; in Lausanne konnte ich mein Französisch perfektionieren.»

«Wir hatten den Vorteil, eine berufliche Basis zu haben»

Der kaufmännische Angestellte hatte schon in St.Gallen zu 80 Prozent gearbeitet, bei der Textilfirma Fischbacher. «Das ging neben den vier Trainings pro Woche gut nebeneinander her», sagt Cornioley. Er gehört zu den wenigen jener Zeit, die sich nicht über den damals geringen Verdienst als Fussballer beklagen: «Das Einkommen aus Beruf und Fussball zusammengerechnet ergab eine beachtliche, für damalige Verhältnisse deutlich über dem Durchschnitt liegende Summe.» Je nach Erfolg erreichte sie einen hohen vierstelligen Monatslohn.

«Wir hatten auch den Vorteil, eine berufliche Basis zu haben. So standen wir nicht wie heutzutage ein Fussballtalent, das mit 17 die Lehre hinschmeisst, mit 32 plötzlich auf der Strasse», sagt Cornioley – der dann doch noch im Fussball Profi wurde. Er trainierte während zweier Jahre, als Nachfolger von Willy Sommer, den FC Wettingen und vier Jahre das U21-Nationalteam, nachdem er selber fünf A-Länderspiele für die Schweiz bestritten hatte.

Sein Lebensinhalt war danach bestimmt durch seine Tätigkeit als Generalagent für Swiss Life in der Stadt Zürich und seine heute 49 Jahre dauernde Ehe mit Maya sowie Sohn Yves.

Sechs Jahre Spielertrainer und 15 Jahre Präsident beim Stadtzürcher Verein Red Star bis 2017 zeugen ebenfalls von einer aussergewöhnlichen Stetigkeit. Seit 5 Jahren ist er überdies Präsident des Stadtzürcher Fussballverbandes.«Cornioley, immer wieder er.»

Es ist eine Stetigkeit, die auch im Gespräch spürbar ist: Schnelle, präzise Sätze, die sitzen. Wie einst seine Finten, Flanken und Schüsse.

FC St.Gallen - Xamax

Sonntag, 16 Uhr, Kybunpark;
Matchtipp Marcel Cornioley: 4:1