Evergreen: Jefferson Batista, der elegante Dribbler aus São Paulo - das macht er heute

Mit Jefferson Batista aus São Paulo wollte Sportchef Peter Stadelmann die grosse Lücke schliessen, die der Ghanaer Amoah mit seinem Abgang Ende 2000 hinterlassen hatte.

Daniel Wirth
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In seinem ersten Spiel im Stadion Espenmoos gegen Lausanne-Sports erzielte Jefferson einen Treffer.

In seinem ersten Spiel im Stadion Espenmoos gegen Lausanne-Sports erzielte Jefferson einen Treffer.

Trix Niederau

Die Fussball-Ostschweiz war traurig, als Charles Amoah Ende 2000 nach dem Gewinn der Meisterschaft und einer unvergesslichen Uefa-Cup-Kampagne zu Sturm Graz in die damals unbedeutende österreichische Operettenliga wechselte. Ein Nachfolger musste her. Mit Jairo und Guido spielten damals bereits zwei Brasilianer für den FC St.Gallen. Mit Jefferson Batista aus São Paulo wollte Sportchef Peter Stadelmann die grosse Lücke schliessen, die der Ghanaer Amoah hinterlassen hatte. Jefferson war 25. Er kam nicht aus dem Brasilien hierher in die Ostschweiz, sondern aus Russland.

Er wechselte von Uralan Elista zum FC St.Gallen. Der russische Klub war bereits die neunte Station des Angreifers. Das Fussballspielen hatte er bei Corinthians São Paulo gelernt. Das ist der Klub, der neben anderen Nationalspielern die Legende Sócrates (1954–2011) und die Weltmeister Roberto Carlos und Ronaldo hervorbrachte. Von 1996 bis 2001 wechselte Jefferson die Vereine fast so häufig wie die Unterwäsche: Zuerst innerhalb Brasiliens von Corinthians São Paulo zu Guarani Futebol Clube, von dort zu Finnairin Palloilijat und Kuopion Palloseura in Finnland, von dort wieder zurück nach Südamerika zu Corinthians, EC Pelotas, Mogi Mirim Esporte Clube und Guarani Futebol Clube, ehe er nach Russland wechselte, zuerst zu Spartak Vladikavkaz, dann zu Uralan Elista. Auch St.Gallen war bloss eine Zwischenstation.

Zwei Treffer bei seinem Debut

Sein Debut in Grün-Weiss gab der Brasilianer im Cup-Achtefinal auswärts gegen den FC Fribourg. St.Gallen gewann hoch mit 7:1. Jefferson markierte zwei Treffer. Wenige Tage später, am 18.März 2001, gab Jefferson seinen Einstand im «Espenmoos». Lausanne-Sports war zu Gast. St.Gallen gewann 4:2. Der Neuzuzug war an allen vier Treffern beteiligt, ein Tor markierte er selber mit einem sehenswerten Schuss im Fallen – und das ausserhalb des Strafraums. Was für ein Einstand! Das St.Galler Publikum feierte den «neuen Amoah». Doch dann das: Bis zur Sommerpause gelang dem Brasilianer kein weiteres Tor mehr.

Jefferson Alexandra Batista arbeitet heute als Spielerberater in São Paulo.

Jefferson Alexandra Batista arbeitet heute als Spielerberater in São Paulo.

PD

Doch Jefferson gab nicht auf. Er kehrte nach der Sommerpause fulminant zurück. In den ersten drei Meisterschaftspartien erzielte er je ein Tor, dann gegen die Berner Young Boys seinen ersten Doppelpack und im September 2001 im «Hardturm» in Zürich sein erstes und letztes Uefa-Cup-Tor gegen Steaua Bukarest. Der Stürmer mit der Nummer 11 war schnell und ein eleganter Dribbler. Elegant war er auch neben dem Platz. Während sich seine Landsleute Jairo und Guido in Bescheidenheit übten, liebte Jefferson die grosse Geste. Der Rumäne Ionel Gane feierte nach einem Heimspiel in St.Gallen seinen 30.Geburtstag in einer Beiz in der St.Galler Innenstadt. Jefferson war an diesem Tag verletzt. Die Party liess er sich aber nicht nehmen und erschien schon am Nachmittag zum Spiel im «Espenmoos» im weissen Zweireiher und weissen Lederschuhen.

Nach der Ära Koller wurde es schwierig

Als Trainer Marcel Koller zu den Grasshoppers wechselte, wurde es in St.Gallen schwierig für Jefferson. Kollers Nachfolger Gerard Castella setzte nicht mehr auf ihn. Im August 2002 wurde der Brasilianer an den FC Zürich ausgeliehen. Ein halbes Jahr später kehrte er nach Brasilien zurück zu EC Vitória. Doch das war es nicht mit Europa: Jefferson kam 2004 zurück in die Schweiz, zu Neuchâtel Xamax. Für die Neuenburger absolvierte er neun Spiele und erzielte zwei Tore – beide bei einem Heimsieg gegen die St.Galler.

Die Weltreise des Fussballers Jefferson Batista führte dann zurück nach Brasilien, von dort nach China, wieder in sein Heimatland, zurück nach China und schliesslich zu FK Vojvodina Novi Sad in Serbien. Dort beendete Jefferson seine Karriere im Alter von 33 Jahren – und insgesamt 19 Vereinswechseln. Jefferson Batista war ein Fussballnomade par excellence.

Heute ist er Spielerberater in São Paulo

Heute lebt er wieder in seiner Heimatstadt São Paulo. Er ist seit 15 Jahren glücklich verheiratet mit Priscilla Batista, wie er sagt. Ihr gemeinsamer Sohn heisst Leonardo. Sein Geld verdient er als Spielerberater. Früher war er als Talentscout tätig in Südamerika. 2011 kam er mit rund 20 Talenten aus Brasilien ins Rheintal. Hiefür kooperierte er mit der Firma Front Group der St.Galler Brüder Michele und Renato Cedrola. An die Ostschweiz erinnert sich Jefferson aber nicht nur deswegen: «Die Fans im Stadion Espenmoos waren einzigartig», sagt der Brasilianer in der Retrospektive. Mit Guido, Jairo und mit Marcel Koller habe er noch heute Kontakt.

FC St.Gallen - FC Zürich: Samstag, 14. Dezember, 19 Uhr, Kybunpark
Matchtipp Jefferson: 2:1.