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Evergreen: In der Fremde die Heimat gefunden

Drei Jahre lang trug Erminio Piserchia in den 1980er-Jahren das Trikot des FC St.Gallen. Wäre es nach dem Basler gegangen, wären viele weitere hinzugekommen. Heute ist sein Blut gelb-schwarz.
David Gadze
Von 1986 bis 1989 absolvierte Erminio Piserchia (links) fast 100 Spiele für den FC St.Gallen und schoss 22 Tore. (Bild: Sammlung Erminio Piserchia)

Von 1986 bis 1989 absolvierte Erminio Piserchia (links) fast 100 Spiele für den FC St.Gallen und schoss 22 Tore. (Bild: Sammlung Erminio Piserchia)

Er kam als Fremder – und ging drei Jahre später als halber Einheimischer. Zwischen 1986 und 1989 trug Erminio Piserchia das Trikot des FC St. Gallen. Noch heute schwärmt der Basler von dieser Zeit. «Es gibt nur ein Wort dafür: fantastisch.» Er habe sich wohl gefühlt, Freude am Fussball gehabt, Freundschaften geschlossen, die bis heute anhalten – und wäre am liebsten «noch viele weitere Jahre» beim FCSG geblieben.

Als der Sohn italienischer Einwanderer im Sommer 1986 zu den Espen wechselt, die sich bereits drei Jahre zuvor um ihm bemüht hatten, schlägt er sogar ein Angebot des FC Basel aus. Das habe einen simplen Grund gehabt: «Ich war neugierig, wollte etwas Neues erleben.» Zunächst erwarten ihn jedoch die alten Probleme: Wie bei den Grasshoppers, die ihn ein Jahr zuvor in die Nationalliga B zum FC Laufen abgeschoben hatten, kommt der damals 22-Jährige anfangs kaum zum Einsatz. Trainer Uwe Klimaschefski hält nicht viel vom jungen Italiener, bezeichnet ihn als «Pizzaverkäufer» und schiebt ihn meist in den Nachwuchs ab. «So einen Trainer habe ich nie erlebt», erinnert sich Piserchia.

Vom Ergänzungsspieler zur Teamstütze

Als der FCSG wenige Monate später Klimaschefski durch Frei ersetzt, blüht Piserchia richtiggehend auf. Im rechten Mittelfeld entwickelt er sich zur Teamstütze und schiesst wichtige Tore. Und doch muss er den FC St. Gallen im Sommer 1989 verlassen: Als der FCSG Hugo Rubio holt, stehen zu viele Ausländer im Kader – Piserchia muss gehen. Das hat auch mit dem Trainer zu tun: Mit Kurt Jara, der schon bei GC sein Trainer war, hat er das Heu nicht auf der gleichen Bühne. Da er beim FCSG keine Perspektive mehr sieht, bittet er die Verantwortlichen, das Angebot des FC Lugano annehmen zu dürfen. «Ich hatte meinen Vertrag in St. Gallen erst vor einem Jahr um zwei Jahre verlängert. Ihn aufzulösen, widersprach meinen Prinzipien.»

Bei den Tessinern ist er wieder Stammspieler, bis er sich in der Winterpause eine Verletzung am Knöchel zuzieht, die ihn für den Rest der Saison ausser Gefecht setzt. In der folgenden Spielzeit ist er meist nur noch Ersatz, verletzt sich erneut, erhält aber dennoch einen neuen Vertrag. In der Winterpause der Saison 1991/92 muss er die Profikarriere jedoch definitiv beenden – mit knapp 28 Jahren. «Die Knöchelverletzung habe ich nie richtig auskuriert», sagt Piserchia. 1992 versucht er zwar ein Comeback beim Basler Amateurclub FC Riehen, doch der Knöchel hält auch auf tieferem Niveau der Belastung nicht Stand.

Gelb-schwarzes Blut – aber Platz für andere Farben

Schon früh steigt Piserchia ins Trainermetier ein. 1993 übernimmt er den FC Birsfelden (2. Liga), später trainiert er auch den SC Schöftland und den SC Zofingen. Einen Namen macht er sich vor allem im Jugendbereich: Nachdem er bereits als U18-Trainer beim FC Basel und als U21-Trainer des FC Aarau gearbeitet hat, wechselt er 2003 zu den Young Boys, wo er bis heute geblieben ist. In dieser Zeit bekleidete er verschiedene Posten: Er war für diverse Jugendmannschaften verantwortlich, war Technischer Leiter der Nachwuchsabteilung, arbeitete als Co-Trainer der ersten Mannschaft und stand mehrmals als deren Interimstrainer an der Seitenlinie – erstmals im Espenmoos.

Aktuell betreut er die U16. Die Arbeit mit Jugendlichen mache ihm grossen Spass, sagt er. Seit zwei Jahren hat er die Uefa-Pro-Lizenz und könnte somit auch eine Profimannschaft führen. «Das würde mich schon reizen.» Nach so langer Zeit schlage sein Herz für die Berner: «Mein Blut ist gelb-schwarz.» Auch seine erwachsenen Töchter, mit denen er wegen der langen Anreise aus dem Baselbiet eine Zeit lang eine WG in Bern hatte, haben bei YB die Lehre gemacht. «Es hat aber Platz für andere Farben», räumt er ein.

Er sei glücklich bei den Bernern, sagt der 54-Jährige. Er könne sich aber durchaus vorstellen, noch eine andere Herausforderung anzunehmen. «Ich habe immer noch den Drang, mich auf Neues einzulassen. Und wer weiss, vielleicht führt mich mein Weg eines Tages sogar zurück nach St. Gallen.» Es wäre ein später versöhnlicher Abschluss.

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