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Evergreen: Ein Kurzeinsatz bescherte Daniel Lässer einen Rekord

Daniel Lässer spielte zwölf Minuten in der Meisterschaft für den FC St.Gallen. Diese zwölf Minuten reichten ihm, um in die Geschichtsbücher einzugehen.
David Gadze
Daniel Lässer im Cup-Halbfinal gegen den FC Basel, seinem zweiten und letzten Einsatz für den FC St.Gallen. (Bild: Nicolas Senn/eastdesign.ch, 8. April 2015)

Daniel Lässer im Cup-Halbfinal gegen den FC Basel, seinem zweiten und letzten Einsatz für den FC St.Gallen. (Bild: Nicolas Senn/eastdesign.ch, 8. April 2015)

Wer in den Statistiken des Schweizer Fussballs als Rekordhalter auftauchen will, braucht in der Regel eine lange Karriere. Daniel Lässer hält auch einen Rekord – und zwar seit der Saison 1933/34, als es die erste schweizweit ausgetragene Einheitsmeisterschaft gab: jenen für die kürzeste Spielzeit pro erzieltes Tor. Der ehemalige Flügelspieler des FC St. Gallen liegt mit einem Schnitt von zwölf Minuten an der Spitze dieser Wertung. Dafür brauchte er ein einziges Meisterschaftsspiel – oder eben nur zwölf Minuten. Bei der 1:4-Auswärtsniederlage gegen den FC Thun im April 2015 gelingt ihm vier Minuten nach seiner Einwechslung gleich ein Tor.

Vier Tage später folgt für den damals 20-jährigen Rheintaler, der als eines der grössten Ostschweizer Talente seines Jahrgangs galt, gleich das nächste Highlight: Im Cup-Halbfinal gegen den FC Basel wird er wieder eingewechselt.

«In einem Heimspiel vor den Fans, der Familie und Freunden einzulaufen, war ebenso schön wie das Tor.»

Es sollte sein letztes Spiel für den FC St. Gallen bleiben.

Am letzten Willen hat es gefehlt

Lässer steht damals im erweiterten Kader der ersten Mannschaft, erhält im Sommer 2015 einen Profivertrag. In der Vorbereitung auf die kommende Saison zieht er sich jedoch einen Ermüdungsbruch im linken Fuss zu, der ihn lange ausser Gefecht setzt und erst Wochen später entdeckt wird. Die Hinrunde ist für ihn gelaufen. Deshalb entschliesst sich Lässer, das rechte Sprunggelenk, das ihm ebenfalls Probleme bereitet, operieren zu ­lassen, um in der Rückrunde wieder angreifen zu können. Doch die Schmerzen lassen nicht nach. «Da habe ich entschieden, mit dem Profifussball aufzuhören», erzählt er. Ein radikaler Schritt. Obwohl der Fussball seit der Kindheit seine Leidenschaft, ja sein Leben gewesen sei, habe es ihm am letzten Willen gefehlt, sagt Lässer. Auch seine Trainer in den Nachwuchsmannschaften hätten immer wieder seine Einstellung bemängelt.

Dabei bringt Lässer so viel Talent mit: Er ist technisch stark, schnell. Mit fünf Jahren beginnt er bei seinem Heimatverein FC Diepoldsau-Schmitter mit dem Tschutten. Als er zwölf Jahre alt ist, entdeckt ihn der damalige FCSG-Nachwuchstrainer und ehemalige Spieler Pascal Thüler an einem Turnier, an dem auch ein Team des FC St. Gallen teilnimmt. Lässer spielt sich durch die verschiedenen Nachwuchsmannschaften. Er spielt für die U18-Nationalmannschaft und ist in der zweiten Mannschaft, die damals noch in der Promotion League spielte, Stammspieler. «Aber Talent allein reicht eben nicht.»

Die berufliche Alternative schon damals vor Augen

Dass es ihm am bedingungslosen Einsatz für den Profisport fehlte, hat auch mit Lässers Familiengeschichte zu tun. Oder anders gesagt: Für die sportliche Karriere hatte er schon damals eine berufliche Alternative. Sein Vater und sein Onkel führen die Firma Lässer Stickmaschinen in Diepoldsau mit rund 200 Angestellten. Sein älterer Bruder und seine Cousins sind in leitenden Positionen angestellt, er selbst arbeitet gelegentlich mit, möchte sich aber irgendwann richtig einbringen. Schon als Kind sei er regelmässig in der Fabrik gewesen, zu Hause am Tisch gebe es eigentlich nur zwei Themen: die Firma und den Fussball.

Daniel Lässer studiert heute Betriebswirtschaft an der HTW Chur und spielt beim FC Widnau. (Bild: David Gadze)

Daniel Lässer studiert heute
Betriebswirtschaft an der
HTW Chur und spielt beim
FC Widnau. (Bild: David Gadze)

Seit einem Jahr studiert Daniel Lässer an der HTW Chur Betriebswirtschaft. Den Traum vom Profifussball hat der heute
24-Jährige begraben, ganz vom Fussball verabschiedet hat er sich jedoch nicht. Seit 2016 spielt er beim FC Widnau, wohin ihn sein Jugendfreund Timo Faleschini, der einst auch im Nachwuchs des FC St. Gallen war und jetzt sein Mitspieler ist, gelotst hat. 2018 ist die Mannschaft in die 2. Liga interregional aufgestiegen. Ambitionen, in einer höheren Liga zu spielen, hat Lässer nicht. So könne er das Studium mit dem Hobby gut vereinbaren. Deshalb habe er auch Angebote aus der Promotion League ausgeschlagen, unter anderem vom SC Brühl. «Und hier ist der Teamgeist besser. Hier spiele ich mit Freunden.» Darunter sind mit Daniele Lamorte und Sandro Hutter zwei weitere einstige FCSG-Junioren.

Und der Rekord? Der sei zwar schön, bedeute ihm aber gar nicht so viel, sagt Daniel Lässer. «Ich stand am richtigen Ort und hielt den Fuss hin, dann ist es eben passiert.»

Einen SRF-Archivbeitrag zu dieser Sternstunde sehen Sie hier.

FC St.Gallen – FC Thun

Samstag, 19 Uhr, Kybunpark;
Matchtipp Daniel Lässer: 3:1

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