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Evergreen: Der Kartensammler vom Dienst

In der Schweiz machte sich Stéphane Besle einen Namen als kompromissloser Verteidiger. Die Folge waren weit mehr als 100 Verwarnungen. Heute verteilt er selber Strafzettel – als Polizist.
David Gadze
Für den FC St.Gallen absolvierte Stéphane Besle insgesamt 98 Spiele. (Bild: Ralph Ribi, 4. Oktober 2014)

Für den FC St.Gallen absolvierte Stéphane Besle insgesamt 98 Spiele. (Bild: Ralph Ribi, 4. Oktober 2014)

Stéphane Besle war kein Kind von Traurigkeit. Im Schweizer Fussball bleibt der Franzose als kompromissloser Verteidiger in Erinnerung, der keinen Gegner schonte – und ein entsprechend eifriger Kartensammler war. Die Seite «transfermarkt.ch» weist für Besle in 379 Profieinsätzen 131 gelbe, 14 gelb-rote und drei direkte rote Karten aus. Trotz der vielen Verwarnungen (und Sperren) war der Franzose an allen seinen Stationen Stammspieler. Sein Stellungsspiel und seine Kopfballstärke machten ihn praktisch für jedes seiner Teams unverzichtbar. Beim RC Lens kam Besle 2004 zwar nur zu einem Einsatz in der Ligue 1. In der Super League wurde er aber zu einer festen Grösse.

Ein Turm in der Abwehr

Mit 21 Jahren kommt der damals vertragslose Elsässer in die Schweiz. Matar Coly, sein ehemaliger Mitspieler bei Lens, der im Sommer 2005 zu Neuchâtel Xamax wechselt, teilt ihm mit, dass die Neuenburger noch einen Verteidiger brauchen. Sechseinhalb Jahre spielt Besle für Xamax. Er bleibt dem Club auch in schweren Zeiten treu – sowohl nach dem Abstieg als auch beim Chaos, das der tschetschenische Präsident Bulat Tschagajew auslöst, ehe er Xamax an die Wand fährt. Den Konkurs erlebt Besle nicht mehr mit: Im Januar 2012, zwei Wochen vor dem Ausschluss der Neuenburger aus der Super League, entlässt Tschagajew Besle zusammen mit drei anderen Spielern, weil sie sich über (wiedermal) ausgebliebene Löhne beschwert haben.

Nach einem halben Jahr in seiner Heimat beim FC Metz wechselt Besle im Sommer 2012 zum FC St. Gallen, der soeben in die Super League zurückgekehrt ist. Mit Philippe Montandon bildet er ein Bollwerk in der Innenverteidigung. Auch dank ihnen qualifiziert sich der FCSG als Aufsteiger für die Gruppenphase der Europa League. Besle schwärmt noch heute von jener Zeit, «der besten in meiner Karriere». Und er macht auch keinen Hehl daraus, dass er diese gerne in St.Gallen beendet hätte. Denn in der Ostschweiz findet er nicht nur sein sportliches, sondern auch sein privates Glück. Hier lernt er seine heutige Frau Romina kennen, eine Herisauerin. Doch der FC St.Gallen verlängert im Sommer 2015 Besles auslaufenden Vertrag nicht. So schliesst sich der damals 31-Jährige nochmals dem RC Lens an. Das Engagement ist jedoch nur von kurzer Dauer, nach nur einem halben Jahr kehrt er in die Schweiz zurück und unterschreibt beim FC Aarau. Nachdem ihn eine Hüftverletzung lange ausser Gefecht setzt, entschliesst er sich, die Fussballschuhe Ende 2017 an den Nagel zu hängen. «Ich hatte keine Motivation mehr. Der Beruf als Fussballer ist sehr schön, aber auch sehr kräfteraubend.»

«Ich brauchte Abstand vom Fussball»

Heute verteilt Stéphane Besle gewissermassen selbst gelbe und rote Karten – als Polizist. «Ich versuche verständnisvoll zu sein und verteile keine Busse nur der Busse wegen.» Schon als Bub habe er entweder Fussballer oder Polizist werden wollen, sagt er. Die Polizeischule hat er in Neuenburg absolviert, einem der wenigen Kantone, die diese Ausbildung auch Ausländern erlauben. Im Dezember 2018 hat er sie abgeschlossen – und denkt jetzt an eine Rückkehr in die Ostschweiz. Denn seit dem 26. November hat Besle auch die Schweizer Staatsbürgerschaft und könnte somit für jedes Polizeikorps arbeiten.

Heute wohnt Stéphane Besle mit seiner Frau und dem bald zweijährigen Sohn in Biel. Den Fussball verfolgt er nur noch am Rande. Er habe viel Zeit und einen grossen Teil seines Privatlebens für den Sport geopfert, erzählt der 35-Jährige. «Für den Kopf und den Körper ist der Leistungsdruck sehr anstrengend. Deshalb wollte ich Abstand gewinnen.» Statt im Stadion verbringt er die Wochenenden lieber mit seiner Familie oder mit Freunden. Und solche seien im Fussball selten. Er habe bloss einen gefunden: den ehemaligen Xamax-Goalie Luca Ferro.

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