Evergreen: Der ewige Trainer

Drei Mal ist Kurt Feuz mit dem FC St.Gallen und den Young Boys im Cupfinal gestanden drei Mal ging er als Verlierer vom Platz. Nach seiner Aktivkarriere wurde er Trainer des FC Münsingen, wo er seit bald 35 Jahren an der Seite schaltet und waltet.

David Gadze
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Kurt Feuz spielte von 1975 bis 1978 beim FC St. Gallen.

Kurt Feuz spielte von 1975 bis 1978 beim FC St. Gallen.

Bild: PD/Stadtarchiv der Politischen Gemeinde St. Gallen

Das Fussballgeschäft ist schnelllebig. Spieler und Trainer kommen und gehen, manchmal schon nach wenigen Monaten. Kurt Feuz kann darüber nur lachen. Seit bald 35 Jahren ist er Trainer des FC Münsingen. Als Spieler stand er von 1975 bis 1984 über 200 Mal in der Nationalliga A auf dem Platz – nur für zwei Vereine, den FC St.Gallen und die Young Boys. Und er arbeitete praktisch sein ganzes Leben für die gleiche Firma.

Kurt Feuz stösst im Sommer 1975 vom FC Grenchen zum FC St.Gallen. Der Transfer geschieht zufällig: Der damals 22-Jährige besucht in Zürich das Spiel der Aufstiegsplayoffs der Nationalliga B zwischen dem FC Chiasso, zu dem er im Fall des Aufstiegs wechseln soll, und La Chaux-de-Fonds. Im Stadion trifft er Willy Sommer, wie er ein Solothurner, der beim FCSG zur neuen Saison Trainer wird. «Was willst du in Chiasso, komm doch zu mir nach St.Gallen», habe ihm Sommer gesagt. Chiasso verliert, der Wechsel hat sich damit erledigt. Einen Tag später unterschreibt Feuz beim FC St.Gallen.

«Innerhalb weniger Minuten hatte ich den Vertrag ausgehandelt, ohne Agenten.»

Drei Jahre lang spielt der Verteidiger für die «Espen». Er wohnt in einem Studio im Linsebühl, sein Teamkollege Kurt Brander führt ihn ins Stadtleben ein. «Es war eine schöne Zeit. Und hätte es meiner damaligen Frau besser gefallen, wäre ich vielleicht immer noch da.»

Mit dem FCSG erreicht Feuz 1977 den Cupfinal

Auch sportlich gefällt es Feuz in St.Gallen. Die Spiele im «Espeli» seien immer ein Erlebnis gewesen, «erst recht die Olma-Matches.» Mit dem FCSG erreicht er 1977 den Cupfinal, der jedoch mit 0:1 verloren geht – gegen die Young Boys, den Club, dem er sich 1978 anschliesst. So erfüllt sich für ihn sein Bubentraum. An einem Freitag sei klar gewesen, dass er sich mit dem FC St.Gallen nicht über eine Vertragsverlängerung einigen würde. Am Samstag habe er bei YB unterschrieben. Auch mit den Bernern steht Feuz 1979 (gegen Servette) und 1980 (gegen Sion) im Cupfinal. Und geht beide Male als Verlierer vom Platz. Drei Finalniederlagen in vier Jahren – vermutlich auch ein Rekord.


Feuz ist gelernter Bauzeichner. Da er nach seinem Wechsel zum FC St.Gallen keinen Job in seinem angestammten Beruf findet, vermittelt ihm FCSG-Vorstandsmitglied Werner Grob eine Stelle bei der Krankenkasse Helvetia. Parallel zum Fussball arbeitet er Vollzeit. 42 Jahre lang bleibt Feuz bei der Helvetia, bis zu seiner Pensionierung. 1984 kann er die Leitung einer Agentur übernehmen. Da er das Gefühl hat, unter dem neuen YB-Trainer Aleksander Mandziara nur zweite Wahl zu sein, nimmt er das Angebot an und verlässt die Young Boys.

Als Spielertrainer zum FC Münsingen

So kommt er als Spielertrainer zum FC Münsingen. «Direkt von der Nationalliga A in die 3. Liga – das waren Welten.» Nach sechs Jahren, mit 38, hängt er die Fussballschuhe an den Nagel und arbeitet fortan nur noch als Trainer – und steht bis heute beim FC Münsingen an der Seitenlinie, unterbrochen einzig von einer Saison beim FC Biel (1996/97). Feuz führte die Mannschaft bis in die Aufstiegsspiele zur Nationalliga B.

«Münsingen wollte jedoch damals nicht aufsteigen, Biel hingegen schon. Also habe ich die Herausforderung angenommen.»

Nachdem das Vorhaben nicht gelingt, kehrt er zu «seinem» FC Münsingen zurück. Vor vielen Jahren hätten einige Vereine aus der Nationalliga B beziehungsweise der Challenge League angeklopft. Aber Feuz wollte seinen Job nicht aufgeben, um bei einer allfälligen Entlassung als Trainer mit leeren Händen dazustehen. «Hätte jedoch ein grosser Club angefragt, hätte ich vermutlich zugesagt.» Besonders bei YB, aber die hätten sich nie gemeldet.

Obwohl der FC Münsingen in der Promotion League abgeschlagen auf dem letzten Platz liegt, haben die Verantwortlichen den Vertrag mit Feuz im November nochmals um zwei Jahre verlängert. «Bei uns geht das so: Fünf Minuten diskutieren und dann zwei Stunden zusammen gut essen.» So laufe es auch mit den Spielern. «Wir sind vermutlich der einzige Verein auf dieser Stufe, der keine Verträge ausstellt. Bei uns gilt der Handschlag.» Feuz – Trainer und Sportchef in Personalunion – einige sich bei Wurstsalat und Bier mit den Spielern auf Gehalt, Prämien und Spesen.

Zweifel daran, dass Feuz auch nach 35 Jahren der Richtige ist, gibt es weder vom Club noch vom Trainer. Die Entwicklungen im Fussball seien nicht an ihm vorbeigegangen, bekräftigt der heute 67-Jährige. Er bilde sich regelmässig weiter und hospitiere auch bei Super-League-Klubs. So nimmt Kurt Feuz also die Saisons 36 und 37 beim FC Münsingen in Angriff. Es mache ihm Spass, mit Spielern zu arbeiten, die seine Enkel sein könnten. Wenn der Vertrag des Trainierurgesteins 2022 ausläuft, wird er 69 Jahre alt sein. Ob er dann nochmals verlängert?

«Solange es meine Gesundheit zulässt, mache ich weiter.»

Vielleicht stellt er dann den Rekord von Guy Roux ein, der mit kurzen Unterbrechungen 44 Jahre lang (1961 bis 2005) Trainer der AJ Auxerre war. «Diesen Rekord zu brechen wäre zwar schön, es ist aber nicht mein oberstes Ziel», sagt er. Das sei, mit dem FC Münsingen Erfolg zu haben. Und wie definiert er Erfolg? «Wenn wir in drei Jahren immer noch in der 1. Liga Classic spielen, ist das gut.»

FC St.Gallen – BSC Young Boys

Sonntag, 16 Uhr, Kybunpark

Matchtipp Kurt Feuz: 1:1