Evergreen: Alberto Regazzoni war ein Unruheherd für Gegner und Trainer

57 Spiele absolvierte Alberto Regazzoni zwischen 2011 und 2013 für den FC St.Gallen. Der Flügelspieler war ein Wirbelwind, der das Adrenalin brauchte. Heute arbeitet er beim Tessiner Grenzwachkorps.

David Gadze
Drucken
Teilen
Alberto Regazzoni absolvierte zwischen 2011 und 2013 insgesamt 57 Spiele für den FC St.Gallen.

Alberto Regazzoni absolvierte zwischen 2011 und 2013 insgesamt 57 Spiele für den FC St.Gallen.

Bild: Urs Jaudas (31. März 2012)

An guten Tagen konnte Alberto Regazzoni ganze Abwehrreihen alleine auseinanderreissen, mal für mal. Der nur 1,69 Meter grosse Flügelspieler war ein Wirbelwind, der mit seiner feinen Technik den Unterschied ausmachen konnte. Doch Regazzoni spielte nicht nur seine Gegenspieler schwindlig, sondern bereitete auch allen seinen Trainern regelmässig Kopfschmerzen. Vor allem, wenn er keine guten Tage hatte, was immer wieder vorkam. «Ich weiss, dass ich ein schwieriger Spieler war und Fehler gemacht habe», sagt er im Gespräch.

«Aber ich bin eben ein emotionaler Typ.»

Regazzoni wächst in Lugano auf und lernt das Fussballspielen in der Jugend des FC Lugano. 2000 debütiert er mit 17 Jahren in der Nationalliga A und schafft zwei Jahre später den Sprung ins Fanionteam. Nach dem Konkurs des Clubs 2003 kommt er über Malcantone Agno zum FC Sion. Mit den Wallisern schreibt er Fussballgeschichte: Gegen die Young Boys gewinnen sie 2006 als erstes unterklassiges Team den Cup. Den Triumph macht Regazzoni im Elfmeterschiessen mit dem letzten Penalty perfekt.

Alberto Regazzoni arbeitet heute beim Tessiner Grenzwachkorps.

Alberto Regazzoni arbeitet heute beim Tessiner Grenzwachkorps.

Bild: PD

Überhaupt läuft es 2006 rund für ihn: Nebst dem Cupsieg feiert er mit Sion den Aufstieg in die Super League und wird erstmals für die Nationalmannschaft aufgeboten. «Als Kind war es mein Traum, eines Tages das Natitrikot zu tragen.»

FCSG-Fans sind heissblütig wie er

2009 steht Regazzoni wieder im Cupfinal, diesmal als Spieler der Young Boys, für die er seit 2007 spielt. Der Gegner: der FC Sion. Auch diesmal setzen sich die Walliser durch. Es ist ein Sinnbild für Regazzonis Zeit bei YB: Dreimal in Folge landen die Berner in der Meisterschaft auf dem zweiten Platz. Nachdem der Tessiner im Herbst 2010 seinen Stammplatz verliert, wechselt er zum FC St.Gallen. Statt um die Meisterschaft zu spielen, kämpft er nun gegen den Abstieg – den ausgerechnet eine Niederlage gegen YB im letzten Saisonspiel besiegelt. «Das tat richtig weh.»

Regazzoni bleibt dem FCSG dennoch treu. Die Fans mögen ihn – und er mag die Fans. «Sie sind so heissblütig wie ich.» Doch im Frühling 2012 kommt es zum ersten Zerwürfnis mit Jeff Saibene. Als dieser Regazzoni im Heimspiel gegen Winterthur bereits nach einer halben Stunde auswechselt, beschimpft «Rega» den Trainer. Danach wird er bis Saisonende suspendiert. Die Fans feiern ihn aber an der Aufstiegsfeier mit Sprechchören. «Das werde ich nie vergessen.» Überhaupt habe er schöne Erinnerungen an seine Zeit in St.Gallen – hier kam auch sein Sohn zur Welt.

Eine Trainerkarriere fasst Regazzoni nicht ins Auge

Der Versöhnung mit Saibene im Sommer folgen im Herbst neue Spannungen. In der Winterpause wird Regazzoni aus der ersten Mannschaft verbannt. Er kehrt zurück zum FC Sion. Doch auch dort wird er nicht glücklich: Vier Monate später, nach einer 0:5-Klatsche gegen den FCSG, wirft ihn Präsident Christian Constantin zusammen mit acht anderen Spielern aus dem Team.

Im Sommer 2003 schliesst sich Regazzoni dem FC Chiasso an. Dort wird er schnell zum Leistungsträger, findet sich aber nur schwer mit den Gegebenheiten ab.

«Ich brauchte das Adrenalin. Und dann ist es ein Unterschied, ob du vor 25000 Zuschauern spielst oder vor 400.»

Im Sommer 2017 endet Regazzonis Zeit in Chiasso. Er spielt noch jeweils ein halbes Jahr bei den unterklassigen Vereinen FC Mendrisio, AC Sementina und FC Rancate, bei dem er anschliessend bis im vergangenen Sommer eine halbe Saison lang an der Seitenlinie steht.

Eine Trainerkarriere fasst Alberto Regazzoni aber nicht ins Auge. Im Tessin könne er nicht davon leben, und mit seiner Frau und den beiden Kindern wolle er dort bleiben. Seit dem Sommer arbeitet der heute 36-Jährige nun beim Grenzwachkorps. «Das ist etwas ganz anderes – aber es macht mir Spass.»

Einst Spieler – und heute?

Die Stadtredaktion ruft auch in dieser Saison einige ausgewählte Akteure des FC St. Gallen in Erinnerung, die zwischen den 1960er-Jahren und der jüngeren Vergangenheit auf dem Espenmoos oder im neuen Fussballstadion gespielt haben. (red)

FC St.Gallen – FC Lugano Sonntag, 16 Uhr, Kybunpark; Tipp Alberto Regazzoni: 2:1