Europameisterschaft
«Natürlich bin ich enttäuscht»: Was eine französische Künstlerin aus St.Gallen und FCSG-Stürmer Élie Youan zum EM-Debakel von Frankreich sagen

Weltmeister Frankreich hat den EM-Achtelfinal gegen die Schweiz sensationell im Elfmeterschiessen verloren. Zwei Ostschweizer mit französischen Wurzeln erzählen, wie sie das EM-Spiel und die Niederlage der französischen Nationalelf erlebt haben.

Aufgezeichnet: Saskia Ellinger
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Die Fassungslosigkeit steht vielen Fans der französischen Mannschaft ins Gesicht geschrieben.

Die Fassungslosigkeit steht vielen Fans der französischen Mannschaft ins Gesicht geschrieben.

Bild: Yoan Valat

«Es war ein Wechselbad der Gefühle»

Harlis Schweizer Hadjidj, Künstlerin aus St.Gallen:

Harlis Schweizer – die Mutter der Künstlerin stammt aus Frankreich, ihr Vater aus der Schweiz.

Harlis Schweizer – die Mutter der Künstlerin stammt aus Frankreich, ihr Vater aus der Schweiz.

Bild: Ralph Ribi

Eigentlich finde ich Fussball ziemlich langweilig, aber dieser Match war anders. Ich habe beide Länder in mir vereint, deswegen war es ein Wechselbad der Gefühle für mich. Die Anspannung war fast schon zu gross für meine Nerven. Es wäre schön gewesen, wenn keine Mannschaft verloren hätte. Kaum hatte eine Mannschaft ein Tor gemacht, tat mir das andere Team leid.

Dementsprechend zwiespältig war für mich auch der Ausgang des Spiels: Ich fand es sehr schade und konnte es kaum glauben, dass «Les Bleus» verloren hatten. Ich hätte gerne noch ein paar Spiele von ihnen gesehen. Einige Spieler haben algerische Wurzeln, was mich speziell mit der Mannschaft verbindet, da ich dem Land sehr nahe bin.

Andererseits bin ich total beeindruckt vom Einsatz, dem Willen und der Leidenschaft der Schweizer Elf. Das habe ich so noch nie bei ihnen gesehen. Ein bisschen Glück war wohl auch dabei, vor allem weil Mbappé den Ball ein paarmal verschossen hat. Vielleicht stand den Franzosen auch ein wenig ihr Stolz im Weg, den sie vor allem für den Fussball hegen. In Frankreich gibt es einen Spitznamen für die Schweizer: «Le petit Suisse», was ein Frischkäse-Dessert ist und auf Deutsch «der kleine Schweizer» heisst. Gestern haben die Schweizer bewiesen, dass sie ernst genommen werden sollten, selbst von den jahrelang erfolgreichen französischen Fussballspielern.

«Natürlich bin ich enttäuscht»

Thody Élie Youan, Stürmer beim FC St.Gallen, stammt ursprünglich aus Nantes.

Thody Élie Youan, Stürmer beim FC St.Gallen, stammt ursprünglich aus Nantes.

Bild: Benjamin Manser

Thody Élie Youan, Stürmer beim FC St.Gallen:

Spektakel und Drama. So kann man das Spiel Frankreich-Schweiz zusammenfassen. Ich habe selbst schon für die französische U20-Nationalmannschaft gespielt und lebe nun in der Schweiz, deshalb war es eine besondere Partie für mich. Natürlich habe ich den Fernseher enttäuscht ausgeschaltet, schliesslich wollten wir dieses Turnier gewinnen, nachdem wir bei der letzten Euro im Final standen. Schon während des Spiels merkte ich jedoch, dass eine Niederlage möglich war.

Ob die Franzosen «les petits Suisses» unterschätzt haben? Nein, sie haben genug Erfahrung, um zu wissen, dass es an solchen Turnieren keine kleinen Nationen gibt. Das hat auch der Sieg Tschechiens gegen die Niederlande gezeigt.

Ich schaue die EM jetzt trotzdem noch zu Ende, ich denke, dass Belgien oder Deutschland Turniersieger wird. Aber ich drücke keiner anderen Mannschaft die Daumen – für mich gibt es nur Frankreich.