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Mit wackeligen Schritten von Grub nach Grub: «Etwas Nervenkitzel muss sein»

Die Hängebrücke über den Mattenbach ist beinahe fertiggestellt. Mit 180 Metern Länge verbindet sie Grub SG und Grub AR – allerdings erst ab April.
Laura Widmer
Die Hängebrücke ist nur einen Meter breit. (Bild Benjamin Manser, 30. Januar 2019)

Die Hängebrücke ist nur einen Meter breit. (Bild Benjamin Manser, 30. Januar 2019)

Es weht ein eisiger Wind, der feine Schneeflocken über den Boden wirbelt. Auch der Schnee ist halb gefroren. Erst wenn man am Rande des Tobels steht, werden die Dimensionen der Hängebrücke über den Mattenbach fassbar. Trotzdem ist sie filigran: Unter den Schritten eines Monteurs gerät sie in sanfte Schwingungen – wer an Höhenangst leidet, tut sich damit schwer. «Etwas Nervenkitzel muss schon sein», sagt Projektleiter Fredy Fitze von der Firma SJB Kempter Fitze.

Fredi Fitze. (Bild Benjamin Manser, 30. Januar 2019)

Fredi Fitze. (Bild Benjamin Manser, 30. Januar 2019)

Die schmale Brücke aus Stahl fügt sich ins Landschaftsbild ein, von der Strasse aus fällt sie kaum auf. Sie verbindet mit ihren 180 Metern Länge die Dörfer Grub im Kanton St.Gallen und Grub im Kanton Appenzell Ausserrhoden. Die Talsohle überqueren Spaziergänger rund 40 Meter vom Boden entfernt. Eine komplette Überquerung ist für Passanten jetzt noch streng verboten: Der Handlauf auf beiden Seiten der Brücke ist zwar bereits montiert, noch fehlt aber das rund einen Meter hohe Drahtgeflecht zur Absturzsicherung. Spaziergänger werden mit Schildern auf die Gefahren aufmerksam gemacht.

Regula Delvai (Bild Benjamin Manser, 30. Januar 2019)

Regula Delvai (Bild Benjamin Manser, 30. Januar 2019)

An diesen entlegenen Zipfel von Grub verirrt man sich aber eher selten zufällig, öffentliche Parkplätze sind nicht vorhanden. Es sind vor allem Wanderer, die in wärmeren Jahreszeiten den Weg auf sich nehmen. Früher führte der Wanderweg direkt ins Tobel, auf einer kleinen Brücke über den Mattenbach und auf der anderen Seite wieder steil hinauf. Seit Jahren haben jedoch Regenfälle und Erdrutsche die Wege unsicher gemacht, sie mussten immer wieder instand gesetzt werden. «Für beide Gemeinden war das keine langfristige Lösung», sagt Regula Delvai, Gemeinderätin von Grub AR.

Keine vergleichbare Brücke in der Ostschweiz

Montagearbeiten mitten im Winter sind kein Zuckerschlecken. Erst nach 8 Uhr können Handwerker die Arbeit aufnehmen, bereits früh müssen sie wegen des Eindunkelns wieder niederlegen. Etwas Schutz vor Wind und Wetter bietet der beheizte Container mit Kaffeemaschine und Teekocher. Zu Beginn der Bauarbeiten waren vier Arbeiter an der Brücke beschäftigt, heute sind es nur noch zwei. Mehr Personal lohne sich in dieser Phase nicht, sagt Projektleiter Fredy Fitze. Die Brücke ist mit knapp einem Meter so schmal, dass man nur mit Mühe aneinander vorbeikommt. Materialien werden während der Bauarbeiten mit einem eigens dafür angefertigten Gefährt von der einen auf die andere Seite transportiert.

Der Weg führt 40 Meter über der Talsohle durch. (Bild Benjamin Manser, 30. Januar 2019)

Der Weg führt 40 Meter über der Talsohle durch. (Bild Benjamin Manser, 30. Januar 2019)

Die Brücke hängt rund 3,8 Meter durch, die Stahlseile leiten die Kraft in die Betonblöcke auf beiden Seiten des Mattenbachs. «Eine vergleichbare Brücke gibt es in der Ostschweiz nicht», sagt Bauzeichner Tobias Stricker. Die nächste liege in Graubünden. Jene zwischen den beiden Grub hat bereits während der Bauarbeiten Schaulustige angezogen – vor allem Kinder waren fasziniert von der Anlieferung der Stahlseile, die Anfang Januar auf der Wiese vor den Häusern ausgelegt und mit Helikoptern über das Tobel gehoben wurden.

Ein neuer Rundweg wird geplant

Ursprünglich hätte die Hängebrücke 2018 fertiggestellt werden sollen, im Jubiläumsjahr der St. Galler Kantonalbank. Diese unterstützt das Projekt mit 100 000 Franken. Wegen einer Einsprache verzögerte sich der Baubeginn. Der Spatenstich erfolgte im Oktober, der Beton konnte noch vor den Weihnachtsferien gegossen werden. Obwohl die Brücke im Februar fertiggestellt wird, möchte man sie erst nach der feierlichen Einweihung am 26. und 27. April für Fussgänger zugänglich machen.

In den Wochen vor der Eröffnung wird auch die Umgebung der Brücke auf Vordermann gebracht. Auf St. Galler Seite wird der Wanderweg etwas angepasst und neu beschildert. Zwischen dem Boden und dem Betonsockel, der die Hängebrücke verankert, soll ein kontinuierlicher Übergang geschaffen werden, damit sich das Bauwerk nahtlos einfügt. Auch über einen neuen Rundweg denken die Gemeinden nach, spruchreif sei allerdings noch nichts, sagt Regula Delvai. Im Tobel des Mattenbachs werden die letzen Spuren des alten Wanderwegs entfernt, um das Gebiet zu renaturieren. Bald ist es nur noch aus luftiger Höhe zu sehen.

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