Essensreste im Grüncontainer: Gossau führt die Bioabfuhr ein

Ab kommendem Jahr werden auch Küchenabfälle mitgenommen.

Marco Cappellari
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Zwei der 16 Fahrzeuge der ZAB werden mit Biogas betrieben. Der Grossteil der Flotte stammt aus den Jahren 2009/10. Bild: PD

Zwei der 16 Fahrzeuge der ZAB werden mit Biogas betrieben. Der Grossteil der Flotte stammt aus den Jahren 2009/10. Bild: PD

Ab Januar hat auch Gossau eine Bioabfuhr. Diese ersetzt die bestehende Grünabfuhr, wie der Stadtrat im Juli entschieden hat. Morgen kommt die entsprechende Revision des Abfallentsorgungsreglements vors Parlament. Das Geschäft dürfte unumstritten sein. Der Entscheid geht auf eine Interpellation von Matthias Ebneter von vergangenem Dezember zurück. In «Bioabfuhr statt Grünabfuhr» kritisierte der Flig-Parlamentarier, dass die Grünabfuhr in Gossau nicht kostendeckend sei und mit Steuergeldern quersubventioniert werden müsse. Und er fragte, ob sich der Stadtrat vorstellen könne, stattdessen die Bioabfuhr einzuführen. Dem Stadtrat gefiel die Idee offensichtlich. Am 15.Januar sollen in Gossau nun erstmals Bioabfälle abgeholt werden.

Claudio Bianculli, Geschäftsleiter ZAB

Claudio Bianculli, Geschäftsleiter ZAB

Für die Bevölkerung ändern sich vor allem zwei Dinge. «Der erste grosse Unterschied ist, dass im Grüncontainer nun auch Küchen- und Speisereste entsorgt werden können», sagt Claudio Bianculli, Geschäftsleiter des Zweckverbands Abfallverwertung Bazenheid (ZAB). Der zweite wichtige Unterschied sei, dass die Bioabfuhr anders als die Grünabfuhr das ganze Jahr komme. Wie bis anhin werden die Grünabfälle jeden Mittwoch abgeholt, neu allerdings auch von Dezember bis März jeden zweiten Mittwoch.

Dünger und Methangas

Den gesammelten Bioabfall liefert der ZAB an die Axpo Kompogasanlage in Niederuzwil, wo daraus durch Vergärung Dünger sowie CO2-neutrales Methangas hergestellt wird. Das Methan wird in einem Blockheizkraftwerk in Strom und Wärme umgewandelt. Neu ist auch das Gebührenmodell. Statt wie bei der Grünabfuhr nach Gewicht wird neu nach Container verrechnet. Möglich sind Einzelleerungen oder eine pauschale Jahresgebühr zwischen 100 und 950 Franken, je nach Grösse des Containers. Dadurch werde die gesetzlich vorgeschriebene Kostendeckung erreicht, wie die Stadt schreibt.

Bei einem allfälligen Verlust müssten die am ZAB-Bioabfuhr-System angeschlossenen Gemeinden, gemessen an den Einwohnerzahlen, den Aufwandüberschuss decken, heisst es wörtlich in der Antwort des Stadtrats auf die Interpellation von Ebneter. «Schaut ein Gewinn heraus, wird der Ertrag in ein Ausgleichskonto als Reserve überwiesen», sagt Bianculli. Grundsätzlich sei das Gebührenmodell jedoch auf eine Eins-zu-eins-Kostendeckung ausgerichtet.

20 von 35 Gemeinden

Der ZAB bedient 35 Gemeinden im Dreieck Aadorf–Gossau–Nesslau. «Für knapp 20 davon machen wir bereits die Bioabfuhr», sagt Bianculli. Dafür kommen dieselben 16 Fahrzeuge zum Einsatz wie für die Kehricht-, Plastik- und Grünabfuhr. «Es sind Multifunktionsfahrzeuge.» Deshalb könne auch die Bioabfuhr in Gossau mit der bestehenden Fahrzeugflotte erledigt werden.

Stadträtin Claudia Martin, Departementsvorsteherin «Versorgung Sicherheit» sagt dazu:

«Da der ZAB die Bioabfuhr bereits für etliche Gemeinden durchführt, profitieren wir von dem vorhandenen Know-how.»

Den Naturdünger, der in Niederuzwil hergestellt wird, bietet die Axpo den Gemeinden zur Weitergabe an. Erst müsse nun die Abfuhr im Januar eingeführt werden. Zu einem späteren Zeitpunkt werde abgeklärt, ob der aus den Bioabfällen gewonnene Dünger den Gossauern zur Verfügung gestellt werden könne. Möglich sei etwa die Weitergabe an die Bevölkerung durch Gutscheine.

98 Prozent des PET wird wiederverwertet

SP-Parlamentarier Werner Bischofberger wollte vom Stadtrat wissen, welcher Anteil der in Gossau gesammelten Wertstoffe wiederverwertet wird. In seiner im August eingereichten einfachen Anfrage fragt er konkret nach dem Prozentanteil der PET-Sammlung, der wieder zu PET-Produkten wird, nach dem Anteil der Grünabfälle, der als Kompost endet sowie den weiteren Wertstoffen. In seiner Antwort schreibt der Stadtrat, dass gemäss Zahlen von PET-Recycling Schweiz rund 98,2 Prozent verwertet würden. Aus den 433 Tonnen Grünabfällen, die 2018 in Gossau eingesammelt worden sind, seien 173 Tonnen Humusersatz, 173 Tonnen Startdünger sowie 213000 kWh Biogas produziert worden. Letzteres entspreche dem Jahresverbrauch von 15 Haushalten.