«Es wurde nicht einfach Geld verpulvert»: Für ihren Mehrzwecksaal müssen die Muoler tiefer in die Tasche greifen als gedacht

Der neue Mehrzwecksaal in Muolen ist hell, offen und modern – und über 600'000 Franken teurer als geplant.

Perrine Woodtli
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Im Mehrzwecksaal wurde auch eine Lüftungsanlage eingebaut. Diese war ursprünglich nicht geplant.

Im Mehrzwecksaal wurde auch eine Lüftungsanlage eingebaut. Diese war ursprünglich nicht geplant.

Bild: Ralph Ribi (28. August 2019)

Seit sechs Monaten schmückt ein graues Betongebäude den Muoler Dorfkern. Dort, wo sich einst der Adlersaal befand, steht heute der Mehrzwecksaal. Ende August weihten die Muolerinnen und Muoler das laut Gemeindepräsident Bernhard Keller «modernste Gebäude im Dorf» ein. Doch der Saal ist nicht nur modern, sondern auch teuer. Teurer als erwartet. Denn das Gebäude kostet 627'000 Franken mehr als geplant.

Bereits vor der Eröffnung sagte Bernhard Keller, dass die Kosten von 4,8 Millionen Franken nicht eingehalten werden können. Auf zwei A4-Seiten im Mitteilungsblatt erklärt der Gemeinderat nun, warum es zu einer Kostenüberschreitung von 12,9 Prozent gekommen ist.

Am teuersten ist die Lüftungsanlage

Einige Mehrkosten hat der Gemeinderat bewusst beschlossen. Statt für einen Treppenlift entschied er sich etwa auf Anregung des Behindertenverbands Procap für einen Personenlift (72'000 Franken). Im Saal wurde zudem eine Lüftungsanlage für 152'000 Franken eingebaut. Auf diese wollte man erst verzichten, da man einen möglichst kostengünstigen Saal bauen wollte. «Wir haben uns früh gefragt, ob es eine Lüftung braucht oder nicht», sagt Keller.

Bernhard Keller, Gemeindepräsident Muolen

Bernhard Keller, Gemeindepräsident Muolen

Bild: PD

Eine Fachjury habe befunden, dass der Saal nicht zwingend eine brauche und man stattdessen die Fenster öffnen könne. Man sei daher von einem einfachen Standard ohne Lüftung ausgegangen. «Wir haben aber gemerkt, dass eine Lüftung angebrachter ist.» Dies hätten auch Abklärungen bei anderen Saalbetreibern und bei Lüftungstechnikern bestätigt.

23'000 Franken wurden zudem ausgegeben, um die Fassade vor Graffitis und Witterung zu schützen. Auch die Bühneneinrichtung wurde 87'000 Franken teurer. Insgesamt belaufen sich die Mehrkosten aufgrund Gemeinderatsentscheiden auf 334000 Franken.

Der Gemeinderat betont im Mitteilungsblatt, dass die Mehrinvestitionen nicht leichtfertig entschieden worden seien. «Gewisse Varianten wären zwar sicher günstiger gewesen», sagt Keller.

«Jedoch wären diese qualitätsmässig nicht gleich gut.»

Die Investitionen seien durch ein besseres Raumklima, vollumfängliche Behindertengerechtigkeit, höheren Komfort für die Nutzer und vielfältiger Möglichkeiten für Bühnenprogramme gerechtfertigt, so die Meinung des Rats.

Gemeinderat prüfte günstigere Varianten

Mehrkosten gab es auch, weil teilweise zu tief kalkuliert wurde. Dies habe sich erst bei der Detailplanung gezeigt. «Im Nachhinein sieht man immer, was man anders hätte machen können», sagt Keller. Man habe stets mehrere Varianten für kostengünstigere Lösungen geprüft. Trotzdem wurde es in einigen Bereichen teurer – «trotz sparsamen Umgangs mit den öffentlichen Geldern».

So kam es unter anderem zu Kostenüberschreitungen bei den Elektroanlagen (50'000 Franken) und bei den Wandverkleidungen (71'000 Franken). Zudem fiel das Honorar für Architekt und Baumanagement 38'000 Franken höher aus.

Total betragen die Mehrkosten, die durch eine zu tiefe Schätzung bedingt sind, 238'000 Franken. Weiter gab es «baugrundbedingte Mehrkosten»: Zusätzliche Pfähle und Abdichtungen kosteten 55'000 Franken.

Der Mehrzwecksaal in Muolen befindet sich Mitten im Dorf.

Der Mehrzwecksaal in Muolen befindet sich Mitten im Dorf.

Bild: Ralph Ribi (28. August 2019)

Kostenüberschreitung ist «verkraftbar»

Die Bürger genehmigten 2016 den Planungs- und Baukredit für den Saal. In den Unterlagen war vermerkt, dass für die Kosten eine Genauigkeit von plus-minus zehn Prozent angenommen werden kann. Nun wurden sie um 12,9 Prozent überschritten. Bei den Mehrkosten handelt es sich bei etwas über der Hälfte um durch den Gemeinderat beschlossene Mehrinvestitionen. Abgesehen davon ist die Kostengenauigkeit laut Gemeinderat eingehalten worden. Er hat die Abrechnung und die Nachtragskredite genehmigt.

Dass das Budget nicht eingehalten werden konnte, sei bedauerlich, schreibt der Gemeinderat. Er übernehme die Verantwortung für die von ihm beschlossenen Mehrkosten, betont aber: Durch die Investitionen habe ein langfristiger Mehrwert erreicht werden können.

Abgesehen von der «verkraftbaren Kostenüberschreitung» könne der Saal als «gefreute Sache» bezeichnet werden. «Ich kann mit gutem Gewissen sagen, dass nicht einfach Geld verpulvert wurde», sagt Keller.

«Und ohne dabei rot zu werden, kann ich auch sagen, dass die meisten Bürger Gefallen am neuen Saal finden.»

Trotzdem sei es natürlich nicht schön, sich nun rechtfertigen zu müssen. Bernhard Keller betont, dass dem Gemeinderat Transparenz wichtig sei. «Wir beschönigen nichts.» Auch er sei Steuerzahler in Muolen und müsse nun in den sauren Apfel beissen. Trotz allem könne man dieses Jahr erneut eine Steuersenkung beantragen.