Leere Wohnungen in Rorschacherberg: «Es wird nicht zu viel gebaut»

Kantonsweit hat die Region Rorschach und besonders Rorschacherberg auf dem Papier am meisten freie Wohnungen und Häuser. Die Statistik trügt aber.

Fritz Bichsel
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Klostergut in Rorschacherberg: 18 Eigentumswohnungen erst im Bau, aber 17 bereits verkauft. (Bild: Fritz Bichsel)

Klostergut in Rorschacherberg: 18 Eigentumswohnungen erst im Bau, aber 17 bereits verkauft. (Bild: Fritz Bichsel)

Rorschacherberg ist ein Paradies für Mieter und Hauskäufer - mindestens gemäss der jährlich erscheinenden Liste der leer stehenden Wohneinheiten. Schwarz auf Weiss und auf die Zahl genau meldet das Bundesamt für Statistik 621 oder 2,89 Prozent im Wahlkreis Rorschach. Allein in Rorschacherberg seien 196 Wohnungen oder rekordhohe 5,34 Prozent zu mieten oder zu kaufen. Die Statistik ist aber nicht so aussagekräftig, wie es scheint. Der Bund erhält die Zahlen von den Gemeinden. Diese können in unserem föderalistischen Land auf mehrere Arten zählen. Die einen begnügen sich mit einem Aufruf an die Eigentümer im Gemeindeblatt. So werden nicht alle freien Wohnungen und Einfamilienhäuser gemeldet. Andere schauen, was auf Internetplattformen angeboten wird. Die sind aber nicht immer aktuell.

Rorschacherberg zählt nach den Stromzählern, die nicht auf Mieter oder auf Bewohner laufen. So werden aber auch Wohneinheiten erfasst, die wegen Umbauten vorübergehend nicht bewohnt sind. Dieses Jahr betraf das unter anderem ein ganzes Hochhaus an der Seehalde mit gut 50 Wohnungen und auch einige Mehrfamilienhäuser. Realistischer ist deshalb der Blick ins Internet. Nach Abzug des Erfahrungswertes für noch aufgeführte, aber inzwischen wieder besetzte Wohnungen und Häuser kommt man auf etwas 120 freie Objekte. Das entspricht einer Leerwohnungsziffer von gut drei Prozent.

Trotz grosser Bauprojekte bleibt die Nachfrage hoch

Die Region Rorschach ist bekannt als begehrtes Wohngebiet und Rorschacherberg als Inbegriff für schöne Wohnlagen, oft mit Seesicht. Angesichts überdurchschnittlich vieler leer stehender Wohnungen und Häuser (auch nach realistischer Zählung) könnte man vermuten, das sei nicht mehr so gefragt. Der Markt zeigt aber das Gegenteil. Bei anhaltend hoher Nachfrage realisieren Investoren hier laufend grössere Wohnbauprojekte.

Im Unterschied zu grossen Städten reissen sich die Leute bei uns aber nicht um jede Wohnung. Es dauert in der Regel etwas, bis alle Wohnungen einer Überbauung besetzt und die durch Umzüge in diese freigewordenen wieder vermietet sind. In Rorschacherberg entstanden in kurzer Zeit die Überbauungen Wilenegg, Waldau und Rebberg (Sulzberg) mit 70 Eigentumswohnungen. Davon sind noch 12 frei. Hinzu kamen im Langmoos 55 Mietwohnungen, von denen noch 7 zu haben sind.

«Keine alarmierenden Anzeichen»

In der Region entstehen überdurchschnittlich viele Eigentumswohnungen. Das trägt zu mehr Leerwohnungen bei, weil Verkauf eher länger braucht als Vermietung. Es kann aber auch schnell gehen, wie das Beispiel Klostergut in Rorschacherberg zeigt: Dort sind 18 Wohnungen im Bau und 17 bereits verkauft.

Gemeindepräsident Beat Hirs ist denn auch nicht beunruhigt: «Mit der realistischen Zahl leerer Wohnungen und Häuser spielt in Rorschacherberg der Markt gut. Es gibt Auswahl, aber keine alarmierenden Anzeichen, es würde zu viel gebaut.» Auch auf mehr leere Mietwohnungen wegen Umzügen in Eigentum habe er keine Hinweise. Einwohner fragen oft, warum die Gemeinde trotz vieler leerer Wohnungen weiterhin intensives Bauen zulasse. Der Gemeinderat hat darauf aber wenig Einfluss. Er hat seit Jahren kein zusätzliches Bauland eingezont, fördert die Wohnbautätigkeit nicht und wartet mit der Nutzung des gemeindeeigenen Baulandes im Neuhus zu. Das Angebot bestimmt hier allein der Markt: aktuell von einfachen, kleinen Mietwohnungen für 890 Franken Monatszins bis zu luxuriösen für gegen 3000 Franken und bei den Häusern bis zu exklusiven für über drei Millionen Franken.