«Es wäre der absolute Hammer»: Das sagt Gemeindepräsident Hans-Peter Eisenring dazu, dass Häggenschwil zum «Schweizer Dorf des Jahres» gekrönt werden könnte

Die Ringier-Illustrierten suchen das «Schweizer Dorf des Jahres 2020». Unter den Finalisten ist Häggenschwil – als einzige Gemeinde weit und breit. Gemeindepräsident Hans-Peter Eisenring weibelt nun um Stimmen.

Michel Burtscher
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Häggenschwil könnte zum «Schweizer Dorf des Jahres 2020» gewählt werden. Im Bild Gemeindepräsident Hans-Peter Eisenring bei der Ruine Ramschwag.

Häggenschwil könnte zum «Schweizer Dorf des Jahres 2020» gewählt werden. Im Bild Gemeindepräsident Hans-Peter Eisenring bei der Ruine Ramschwag.

Ralph Ribi

Gemeindepräsident Hans-Peter Eisenring freut sich, das hört man sofort, wenn man mit ihm spricht. Denn Häggenschwil könnte im September zum «Schweizer Dorf des Jahres 2020» gekrönt werden. Die Gemeinde, die eigentlich aus zwei Dörfern besteht, ist unter den zwölf Finalistinnen bei der Aktion der Ringier-Illustrierten – als einzige weit und breit. Die nächsten befinden sich in den Kantonen Luzern, Nidwalden und Aargau, die anderen in Graubünden, Bern, der Westschweiz und im Tessin.

«Wir fühlen uns geehrt, dass wir es ins Finale geschafft haben», sagt Eisenring. Und fügt an:

«Es wäre der absolute Hammer, wenn wir gewinnen würden.»

Gesucht wurden aufgrund der Coronapandemie diesmal nicht wie sonst die schönsten Gemeinden des Landes, sondern jene, die der Ausnahmesituation «mit besonders viel Solidarität und Kreativität» begegnet seien, wie es in einer Medienmitteilung des Verlags Ringier Axel Springer Schweiz heisst.

Schülerinnen schrieben Briefe an Senioren

Leserinnen und Leser konnten ihre Vorschläge einreichen, über 60 kamen zusammen. Eisenring weiss: «Mehrere Personen haben Häggenschwil gemeldet.» Denn die Gemeinde hat während des Lockdowns verschiedene Aktionen für Personen in der Risikogruppe lanciert. So wurde die Bevölkerung dazu aufgerufen, ihre Hilfe anzubieten, etwa für einen Fahrdienst oder zum Einkaufen.

Ist Häggenschwil das «Schweizer Dorf des Jahres 2020»? Das wird sich im September zeigen.

Ist Häggenschwil das «Schweizer Dorf des Jahres 2020»? Das wird sich im September zeigen.

Urs Bucher

Auf Initiative des Gemeinderates wurde zudem die Aktion «Corona-Spezial für Alleinstehende 70+» ins Leben gerufen. Die Teilnehmer erhielten jede Woche ein Geschenk, einen Brief, ein Rätsel, eine Denksportaufgabe, ein Gedicht oder ein Puzzle. Dafür seien sie «sehr dankbar» gewesen, sagt Eisenring. Die Schule hat zudem Brieffreundschaften zwischen Schülern und Senioren initiiert.

Das Dorfleben hat wieder Fahrt aufgenommen

Über 50 Freiwillige hatten sich gemeldet, um beispielsweise für ältere Personen einkaufen zu gehen. In Anspruch genommen haben ihre Dienste in der Gemeinde aber «nicht einmal zehn Personen», wie Eisenring sagt. Viele hätten wohl Hilfe von ihren Familienangehörigen erhalten. Beim «Corona-Spezial für Alleinstehende 70+» haben rund 30 Personen mitgemacht.

Der Lockdown ist mittlerweile vorbei, das Dorfleben hat wieder Fahrt aufgenommen, die Vereine haben ihre Aktivitäten wieder gestartet. Eisenring sagt:

«Vielen hat das Zusammensein gefehlt.»

Auch ihm selber. Er ist beispielweise Mitglied im Männerchor, der sich nun wieder treffen kann. Er sei froh, sagt Eisenring, dass es in Häggenschwil bisher nur wenige Coronafälle gegeben habe.

Blick-Schlagzeilen haben Eisenring nicht gefallen

Ex-Miss-Schweiz Christa Rigozzi sitzt nebst anderen in der Jury, welche die Finalisten für das «Schweizer Dorf des Jahres 2020» ausgewählt hat.

Ex-Miss-Schweiz Christa Rigozzi sitzt nebst anderen in der Jury, welche die Finalisten für das «Schweizer Dorf des Jahres 2020» ausgewählt hat.

Andrea Stalder

Die Redaktionen der «Schweizer Illustrierten», von «L'illustré» und «il caffé» haben die Gemeinden zusammen mit den Jurymitgliedern Christa Rigozzi, Annina Campell und Sarah Atcho die Dörfer, die es ins Finale geschafft haben, in den vergangenen Wochen besucht und stellen sie im August in den Blättern vor. Häggenschwil war schon vergangenen Freitag an der Reihe. Auf einem der Bilder in der «Schweizer Illustrierten» ist Eisenring mit Hund Pamina im Holundergarten von Gemeinderätin Gaby Helfenberger zu sehen. Er habe viele Reaktionen auf den Artikel erhalten, sagt der Gemeindepräsident. «Die Bevölkerung freut sich sehr über die Nomination.»

Es ist indes nicht das erste Mal in den vergangenen Wochen, dass Häggenschwil national in den Schlagzeilen war. Der «Blick», der vom gleichen Medienhaus wie die «Schweizer Illustrierte» herausgegeben wird, machte kürzlich den Lohn von Hans-Peter Eisenring zum Thema. Er verdient im Jahr rund 186'000 Franken, dazu kommt eine Spesenpauschale von 10'000 Franken. Die Zeitung titelte:

«Im kleinen Häggenschwil SG sahnt der Gemeindepräsi gross ab: Der Chef ist Mädchen für alles.»

An dieser Schlagzeile hatte Eisenring weniger Freude, wie er sagt. Er betont, dass er nebst dem Präsidium viele operative Aufgaben habe, die er gerene Mache. «Zudem muss man doch auch berücksichtigen, wie sich eine Gemeinde entwickelt hat – wie gross also die Wertschöpfung war.» Er verweist als Beispiel auf den Wettbewerb um das «Schweizer Dorf des Jahres 2020». Eisenring ist stolz darüber, dass seine 1300-Einwohner-Gemeinde im Rennen ist, und er betont, dass die Nomination aber nicht allein sein Verdienst sei. Mehrere Personen in der Gemeinde hätten ihren Beitrag dazu geleistet, allen voran Gemeinderätin Gaby Helfenberger.

Im Gewinnerdorf wird ein Fest organisiert

Welches Dorf gewinnt, zeigt sich im kommenden Monat. Bis zum 1. September kann darüber abgestimmt werden. Hans-Peter Eisenring will in den nächsten Wochen auf verschiedene Arten für seine Gemeinde weibeln. So soll das Ortseingangsschild etwa mit einem Hinweis auf die Abstimmung versehen, in den Restaurants im Dorf Flyer verteilt und der Wettbewerb im Mitteilungsblatt thematisiert werden. Weitere Aktionen seien in der Pipeline, so Eisenring.

Zehn Jahre lang war Hans-Peter Eisenring Gemeindepräsident von Häggenschwil.

Zehn Jahre lang war Hans-Peter Eisenring Gemeindepräsident von Häggenschwil.

Ralph Ribi

Der Häggenschwiler Gemeindepräsident sagt: «Für uns als kleine Gemeinde ist es natürlich schwierig, gegen die teilweise grösseren Konkurrenten zu bestehen.» Doch er will trotzdem dafür kämpfen – und hofft auf Unterstützung aus der ganzen Ostschweiz. Als Preis winkt ein Fest im Gewinnerdorf .«Wie und wann das genau geschehen würde, ist wegen der Coronamassnahmen noch unklar», sagt Eisenring. Für ihn wäre es jedenfalls eine schöne Krönung seiner Amtszeit als Gemeindepräsident von Häggenschwil, die am 31. Dezember 2020 nach zehn Jahren endet.