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«Es tut weh und macht wütend»: St.Galler Familien ärgern sich über Flade-Losentscheid

Das Los hat entschieden, wer im Sommer an die Flade darf. Wenige Tage danach gehen die Emotionen in manch einer Familie hoch. Gerade für die städtischen Katholiken, die bis jetzt einen Platz auf sicher hatten, ist eine Absage bitter.
Christina Weder
Ab dem kommenden Schuljahr können auch Nichtkatholiken kostenlos die Flade besuchen. (Bild: Benjamin Manser)

Ab dem kommenden Schuljahr können auch Nichtkatholiken kostenlos die Flade besuchen. (Bild: Benjamin Manser)

Nein, sie habe kein schönes Wochenende hinter sich, erzählt eine Mutter, die nicht mit Namen genannt werden möchte. Ihre Tochter habe viel geweint. Am Samstag hat sie erfahren, dass sie keinen Platz an der Flade bekommt. Sie hatte kein Glück mit dem Los.

So wie ihr ging es auch 79 anderen Sechstklässlern aus der Stadt. Auch sie haben einen negativen Entscheid erhalten. Denn erstmals hat an der Flade das Los darüber entschieden, wer nach den Sommerferien dort zur Schule gehen darf. Dazu kam es, weil sich die Katholische Kantonssekundarschule neu allen städtischen Schülerinnen und Schülern öffnet – auch Nichtkatholiken. Die Stadt übernimmt künftig das Schulgeld. Sie hat mit der Flade eine Vereinbarung getroffen und eine Obergrenze für die Schülerzahl festgelegt. So darf die Schule mit katholischer Prägung maximal 30 Prozent der städtischen Sechstklässler übernehmen.

Im kommenden Schuljahr stehen auf der Sekundarstufe 107 Plätze zur Verfügung. Da sich dafür 187 Kinder angemeldet hatten, wurde gelost.

Eine Familientradition bricht ab

Am vergangenen Wochenende flatterte der Losentscheid in die Briefkästen. Seither gehen in manch einer Familie, die kein Losglück hatte, die Emotionen hoch. «Bei uns ging schon die ganze Familie in die Flade», erzählt eine Mutter. Die ältere Tochter sei dort eingeschult. Es sei immer klar gewesen, dass auch die jüngere Tochter einmal die Meitle-Flade besuchen würde. Man habe viele positive Erfahrungen mit der Schule gemacht.

«Und nun heisst es plötzlich: ‹Ihr dürft da nicht mehr hin.›»

Das tue schon weh, und es mache wütend.

«Kann sich keine andere Schule vorstellen»

Die Mutter spricht aus, was vorauszusehen war. Gerade für katholische Familien, bei denen der Besuch der Flade zur Tradition gehörte, ist eine Absage besonders bitter. Sie können nicht mehr automatisch mit einer Aufnahme rechnen und müssen sich wie alle anderen dem Losverfahren stellen. Der Katholikenvorrang ist Vergangenheit.

Die Familie hat bereits Rekurs eingereicht. Und sie hofft, dass die Tochter vielleicht doch noch eine Chance bekommt. Immerhin hat sie einen Platz auf der Warteliste zugelost bekommen. Im Moment könne sich die Tochter keine andere Schule vorstellen. Drei Jahre lang hatte ihr die grosse Schwester vorgeschwärmt. Dazu kam der Wunsch, eine Mädchenklasse zu besuchen. Nun ist die Enttäuschung gross.

«Es fällt mir schwer»

Dabei ist die Sechstklässlerin nicht die einzige aus ihrer Klasse, die kein Glück mit dem Los hatte. Nur gerade eines von sechs angemeldeten Mädchen hat einen Platz erhalten. «Eigentlich müsste ich positiv für das Kind denken», sagt die Mutter, «doch es fällt mir schwer, mich damit auseinanderzusetzen, dass es nun an eine andere Schule muss.»

Ganz ähnlich geht es einer Familie in einem anderen Quartier der Stadt. Als sie das Couvert in dem Briefkasten fand, war sie vor den Kopf gestossen. «Wir waren überhaupt nicht darauf vorbereitet, dass der Entscheid jetzt kommt», sagt die Mutter. Noch dazu war er negativ.

«Im ersten Moment hat mich das ziemlich hässig gemacht.»

Sie selber, ihr Mann, der Schwiegervater, die Schwester – alle waren an der Flade. «Es wäre schön gewesen, wenn die Tradition hätte weitergehen können.» Es gehe ihr um die Werte, die an der Schule vermittelt würden. Zudem hätte sie es begrüsst, wenn ihre Tochter eine reine Mädchenklasse hätte besuchen können. Im Gegensatz zu ihrer Tochter habe das beste Gschpänli eine Zusage erhalten.

Im luftleeren Raum

Die Tochter sei nun aber im luftleeren Raum und habe keine Ahnung, wo sie nach den Sommerferien zur Schule gehen werde. Auf dem Anmeldezettel für die Oberstufe hatte sie nur die Flade angekreuzt. Das sei schon ein bisschen fies: Wäre sie ein Jahr früher in die Oberstufe eingeteilt worden, dann wäre es klar gewesen. Die Mutter sagt:

«Ich habe fast mehr Mühe mit dem Entscheid als meine Tochter.»

Diese sage nicht viel dazu, versuche es zu verdrängen.

«Wir waren alle zusammen enttäuscht», sagt ein Vater, dessen Tochter ebenfalls kein Glück mit dem Los hatte. Irgendwann habe sich seine Tochter auf die Flade fixiert, da schon die ältere Schwester dort zur Schule ging. «Und mir ist es wichtig, dass Werte vermittelt werden – ohne dass ich sehr christlich bin.» Die Flade schien ihm die richtige Wahl.

Was das Losverfahren betrifft, hat der Vater zwiespältige Gefühle. «Wenn man katholisch ist und so nahe bei der Flade wohnt, ist es schon hart, dass man sich auf einmal einem solchen Verfahren stellen muss.» Auf der anderen Seite sei das Los wenigstens fair.

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