«Es sind besondere Zeiten»: Der Gassenküche in St. Gallen bangt es vor dem Coronawinter

Der Zufluchtsort für Menschen mit Drogen-, Alkohol- oder Verhaltensproblemen ist mit Einschränkungen offen. Es herrscht Masken- und Sitzpflicht. Bei einem Lockdown stehen ein Take-away und ein Lieferdienst bereit.

Theepan Ratneswaran
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Regine Rust, Dani S. und Mithat Forster von der Gassenküche bei der Medienorientierung (v. l. n. r.).

Regine Rust, Dani S. und Mithat Forster von der Gassenküche bei der Medienorientierung (v. l. n. r.).

Bild: Theepan Ratneswaran

Es ist November und nasskalt in St. Gallen. Der Winter steht vor der Türe. Die Gassenküche und ihre Klienten zittern jedoch nicht nur wegen des Wetters. Ein möglicher zweiter Lockdown schwebt wie ein Damoklesschwert über der sozialen Einrichtung an der Linsebühlstrasse 82.

Die Gassenküche in den Räumlichkeiten des ehemaligen Restaurants Walfisch ist aufgrund der Coronapandemie momentan mit Einschränkungen geöffnet. Das Sitzplatzangebot wurde von 36 auf 27 Plätze reduziert. Es gilt Maskenpflicht im Lokal und Sitzpflicht beim Konsum. Der warme Zmittag für drei Franken sowie die täglichen Öffnungszeiten von 11 bis 17 Uhr bleiben jedoch weiterhin bestehen. Die bange Frage stellt sich jedoch allen: Wie lange noch? Dani S., Koch der Gassenküche, sagt:

«Es wäre sehr schlimm für die Leute, wenn es zum Lockdown kommen würde – vor allem jetzt im Winter.»

Früher hat er den Treffpunkt als Gast besucht, jetzt steht Dani S. pünktlich um 9 Uhr auf der Matte, um die rund 40 Essen zuzubereiten. In die Gassenküche komme man wegen der warmen Gerichte, aber auch wegen der Gespräche für das Gemüt, sagt er. Jetzt herrsche aber grosse Unsicherheit.

Regine Rust, Leiterin der Stiftung Suchthilfe.

Regine Rust, Leiterin der Stiftung Suchthilfe.

Bild: Michel Canonica

«Beim ersten Lockdown konnten wir schnell reagieren», sagt Regine Rust, Geschäftsleiterin der Stiftung Suchthilfe, die die Gassenküche betreibt, am Donnerstag bei der Medienorientierung. Innert kürzester Zeit ersetzten das Take-away und der Heimlieferdienst für Personen in der Quarantäne das Mittagessen vor Ort. Bei einer erneuten Schliessung der Lokalität setzt die Gassenküche wiederum nur auf diese zwei Dienste. Rust sagt aber auch:

«Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern braucht auch eine Umgebung, die soziale Wärme ausstrahlt.»

Ein Begegnungsort sei wichtig, sagt die Geschäftsleiterin der Stiftung Suchthilfe. Der Suppentag und vor allem die Gassenküche seien diese Zufluchtsorte für Menschen mit Suchtproblemen – besonders im kalten Winter.

Suppentag lanciert Spendenaktion

Noch ist es nicht so weit. Die Gassenküche bleibt weiter offen. Jeder hungrige Klient wird symbolisch mit offenen Armen empfangen. Die Solidarität mit der Einrichtung spürt man zudem in der Stadt und der Umgebung. Nach anfänglichen Misstönen geniesst das Sozialprojekt heute viel Akzeptanz in der Bevölkerung. Ein Beispiel: Bei der Medienorientierung kommt eine Frau rein und übergibt Mithat Forster, dem Bereichsleiter der Gassenküche, einen Kuchen mit einem «Gruss vom Kafi Franz».

Die Gassenküche finanziert sich vollumfänglich durch Spendengelder, Naturalspenden von Privatpersonen, Firmen, kirchlichen Institutionen und Organisationen sowie durch die Essenseinnahmen. «Einnahmen generieren soll auch der jährliche Suppentag am Samstag in der Marktgasse, solange ein kurzfristiger Lockdown uns nicht noch die Suppe versalze», sagt Rust.