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Es muss nicht die Karibik sein, der Bodensee hat für Taucher viel zu bieten

Die Fotografie ist für Tino Dietsche neben der Familie die zweite grosse Leidenschaft. Seine Aviatik- und Unterwasserbilder sorgen längst auch in Fachkreisen für Furore. Der Goldacher schwört auf den Zauber im Bodensee. Aktuell fokussiert er sich auf Aufnahmen im Makrobereich, mit faszinierende Resultaten.
Rudolf Hirtl
Donnerstags geht Tino Dietsche nach Feierabend tauchen, auch bei Schneetreiben, das Wetter spielt keine Rolle. (Bild: zVg)

Donnerstags geht Tino Dietsche nach Feierabend tauchen, auch bei Schneetreiben, das Wetter spielt keine Rolle. (Bild: zVg)

Das Wasser ist knappe fünf Grad kalt. Es ist dunkel und das Mondlicht bricht sich auf den Wellen, die sanft am Ufer auslaufen. Spaziergängern fallen beim Goldacher Rietli unter der Oberfläche des Bodensees Lichtstrahlen auf, die sich langsam fortbewegen und irgendwann im dunklen Nichts verschwinden. Es ist der Schein der Tauchlampe, mit deren Hilfe sich Tino Dietsche orientiert. Seit einer halben Stunde ist er auf zehn Metern Tiefe am selben Ort. Er hat winzige Garnelen entdeckt und möchte die nun optimal ins Bild bringen.

Bodensee hat viel zu bieten

Kamera, Stativ, Lampen – alles wird von ihm akribisch vorbereitet und millimetergenau ausgerichtet. «Es ist, als würde ich mit einem Kleinwagen baden gehen», sagt er und schmunzelt. Er spricht damit den Umstand an, dass das umfangreiche Equipment, das er für seine Videos und Fotos benötigt, einen Wert von über 10000 Franken hat.

Eine winzige Schwebegarnele - auch das gibt's im Bodensee. (Bild: Tino Dietsche)

Eine winzige Schwebegarnele - auch das gibt's im Bodensee. (Bild: Tino Dietsche)

Die Investition lohnt sich. Der Goldacher bringt Aufnahmen mit an die Oberfläche, die der Betrachter viel eher mit tropischen Gewässern und nicht mit dem dunklen, grauen Nass des Bodensees in Verbindung bringt. Garnelen, Krebse, bunte Fische und faszinierende Lichtstimmungen sind ebenso zu sehen, wie Hechte, Egli, Welse, sowie versunkene Schiffe und Autos. «Vor allem in der Dunkelheit, wenn das Leben am Seegrund erwacht, ist der Bodensee ein absolut faszinierendes Gewässer für Taucher», sagt Dietsche. In der zweiten Februarhälfte war er aber auch tagsüber oft im Wasser. Während der Schönwetterperiode gab es Sichtweiten unter Wasser von bis zu 20 Metern, was eher eine Seltenheit ist. «In solchen Momenten fühlt es sich an, als würde man im Meer tauchen.»

Was dieses Auto am Bodenseegrund vor Rorschach zu suchen hat, ist nicht bekannt. (Bild: Tino Dietsche)

Was dieses Auto am Bodenseegrund vor Rorschach zu suchen hat, ist nicht bekannt. (Bild: Tino Dietsche)

Tauchen hatte nicht immer eine derart grosse Bedeutung in seinem Leben. Während der Ausbildung zum Koch tauchte der heute 38-Jährige erst mal in der Küche des Landgasthofes Schiff im Buriet ab. Von klein an war er fasziniert von der Fliegerei. Nachdem ihn sein Vater eine Kamera geschenkt hatte, war er oft beim Flughafen Zürich anzutreffen, wo er Jets fotografierte. Aus diesem anfänglichen Hobby entwickelte sich eine semiprofessionelle Tätigkeit. Tageszeitungen und Fachmagazine wurden auf seine Aufnahmen aufmerksam und publizieren sie heute in regelmässigen Abständen.

Schliesslich machte er seine Aviatik-Leidenschaft zum Beruf. Zuerst war er bei einer Helikopter-Firma tätig, seit 2006 arbeitet er für das Bodenteam des Airports in Altenrhein. Parallel dazu hat sich auch seine Begeisterung für die Unterwasserwelt entwickelt. Das Tauchbrevet und seinen ersten Tauchgang machte er 2004 in der Zentralschweiz, in Weggis. Mittlerweile stehen knapp 1200 Tauchgänge in seinem Logbuch. Die meisten davon im Bodensee. «Aber», betont er, «trotz aller Leidenschaft, erste Priorität in meinem Leben hat immer meine Familie.» Daher seien Tauchgänge am Wochenende auch eine Seltenheit.

Karibik? Nein, der Bodensee. Bei der Schönwetterperiode Ende Februar war die Sicht aussergewöhnlich gut. (Bild: Tino Dietsche)

Karibik? Nein, der Bodensee. Bei der Schönwetterperiode Ende Februar war die Sicht aussergewöhnlich gut. (Bild: Tino Dietsche)

Kamera in die Hand nehmen und abtauchen, ganz so einfach ist es nicht. Alleine das Kameraequipment ist zehn Kilo schwer. Deshalb hat der «Tüftler», wie sich Tino Dietsche selber bezeichnet, Schwimmkörper angebracht, um die Kamera in der Schwebe zu halten. Und weil er für seine Videos länger als eine Stunde tauchen möchte, «bastelt» er derzeit an einer externen Stromversorgung.

Auch Ex-Weltmeister Franco Banfi will mit ihm tauchen

Der Tessiner Franco Banfi ist einer der profiliertesten Unterwasserfotografen der Welt. Seine Fotos erscheinen unter anderem in Zeitschriften wie «National Geographic», «BBC Wildlife» oder «Terra». Was Tino Dietsche im Bodensee mit seiner Kameras einfängt, das bringt aber auch den ehemaligen Weltmeister in der Unterwasserfotografie zum Staunen. Er wird denn auch nächstens mit dem Goldacher in den Bodensee abtauchen. «Für mich ist das eine tolle Wertschätzung meiner Arbeit», so Dietsche.

9 Bilder

Unterwasser im Bodensee

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