Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

«Es kann jede Sekunde etwas passieren»: St.Galler Bademeister sind das wachsame Auge am Beckenrand

Ständig an der Sonne, Kindergeschrei und immer für den Notfall bereit: Bademeister haben keinen Schoggijob. Und sie sind gesucht: Die Stadt St.Gallen setzt dabei auf altgediente Bademeister und auf Ausbildung.
Sandro Büchler
Daniel Gut ist langjähriger Bademeister des Schwimmbads Rotmonten. (Bild: Sabrina Stübi)

Daniel Gut ist langjähriger Bademeister des Schwimmbads Rotmonten. (Bild: Sabrina Stübi)

Ein 22-jähriger Tourist aus Sri Lanka ertrinkt nach einem Sprung in den Mannenweiher. Zwar ist zum Zeitpunkt des Unfalls zufällig ein Bademeister vor Ort. Doch auch dieser kann den Tod des jungen Mannes nicht verhindern. Was am Dienstagabend auf Drei Weieren geschah, ist das Schreckensszenario für jeden Bademeister.

Stefan Strässle, Bademeister im Schwimmbad Lerchenfeld (Bild: Sandro Büchler)

Stefan Strässle, Bademeister im Schwimmbad Lerchenfeld (Bild: Sandro Büchler)

«Es kann jede Sekunde etwas passieren», sagt Stefan Strässle. Er ist einer der vier Bademeister im Freibad Lerchenfeld. Glücklicherweise ist es bei ihm noch nie zu einem Unfall gekommen. «Doch ich spiele im Kopf immer wieder Notfallszenarien durch.» Das Schwierigste sei, die Konzentration aufrecht zu erhalten – insbesondere an langen Tagen. «Man muss das Geschrei und den Lärm schon aushalten können», sagt Strässle. Doch es sei der Kontakt mit den Gästen, die frische Luft, was ihm Freude bereite. «Zwischendurch muss man die Leute ermahnen.» Er schätzt es aber, wenn seine Worte wirken und die Badi-Besucher zum Beispiel ihren Abfall aufräumen.

«Bademeister sind vieles gleichzeitig: Lehrer, Sanitäter und Putzfrau.»

«Bademeister ist kein Schoggijob», sagt Dominique Conde, Anlagenleiter der Badi Lerchenfeld. Die Arbeit werde unterschätzt: Man sei der Sonne ausgesetzt, habe lange Präsenzzeiten, stehe viel – und müsse doch stets präsent sein. «Bademeister sind Schiedsrichter und Lebensretter zugleich», sagt Conde. Viele sind Quereinsteiger: Stefan Strässle hat eine Grafikerausbildung, war schon Privatdetektiv, kurz war er auch auf dem Bau. «Als Bademeister habe ich meine Berufung gefunden.»

Verantwortlich für bis zu 2500 Badegäste

Szenenwechsel: Samuel Fischer steht unter einem Sonnenschirm am Beckenrand im Freibad Rotmonten. Der 23-Jährige schaut dem Treiben auf dem Sprungturm zu. Fischer lässt sich zum Sekundarlehrer ausbilden und jobbt als Bademeister. «Als Sommerjob ist das praktisch.» Der grossgewachsene Mann macht Eindruck. Er wird als Respektsperson wahrgenommen. Oft hört er, wie die Kinder flüstern: «Achtung, der Bademeister schaut.» Dabei werde ihm bewusst, welche Verantwortung er habe. An Spitzentagen zählt die Badi Rotmonten bis zu 2500 Besucherinnen und Besucher. «Die Sicherheit ist ständig im Hinterkopf», sagt Fischer. Da heisse es nicht nur zuschauen, sondern im richtigen Moment eingreifen.

«Aber die Badi ist immer auch ein soziales Umfeld.»

Samuel Fischer, Bademeister im Freibad Rotmonten. (Bild: Sandro Büchler)

Samuel Fischer, Bademeister im Freibad Rotmonten. (Bild: Sandro Büchler)

Da brauche es Fingerspitzengefühl beim Umgang mit den Gästen. Neben psychologischen Kompetenzen muss ein Bademeister auch handwerkliches Geschick mitbringen.

An diesem Tag ist Daniel Gut, Leiter des Freibads Rotmonten, wegen eines Defekts an der Technik im Einsatz. Wer schon als Sanitär gearbeitet hat, ist laut dem 61-Jährigen gefragt als Bademeister. In seinem Team setzt der gelernte Industriespengler auf eine gute Durchmischung verschiedener Fähigkeiten. «Jung und Alt ergänzen sich optimal.» Neben dem angehenden Sekundarlehrer Fischer ist ein altgedienter Bademeister Teil des Teams. Der 58-Jährige sei der ruhige Pol, attestiert ihm Gut. Zusammen mit den drei Herren wirkt eine 22-jährige Musikstudentin in der Badi Rotmonten. «Wir suchen auch an der Uni mit Plakaten nach Bademeistern.» So sei er oft zu interessierten Bademeistern gekommen. Am wichtigsten ist die Präsenz am Wasserrand. «In der entscheidenden Sekunde muss man los – von null auf 150.»

Schweizweit sind Bademeister sind gesucht

St.Gallen setzt auf «alte Hasen» und die Ausbildung von neuen Kräften

In der Schweiz mangelt es an Bademeistern. Anders in der Stadt St.Gallen: Hier sind alle Stellen besetzt, sagt Roland Hofer, Leiter der Bad- und Eisanlagen der Stadt St.Gallen. «Doch auch wir haben jedes Jahr Vakanzen.» Rund 20 bis 25 Bademeister beschäftigt die Stadt: für die vier Freibäder Rotmonten, Lerchenfeld, dem Familienbad Dreilinden und dem Mannenweiher sowie dem Hallenbad Blumenwies und dem Volksbad.

Der Schlüssel bei der Besetzung sei, früh genug mit der Rekrutierung neuer Bademeister zu beginnen, sagt Hofer. Er schaue sich bereits im Herbst nach Personal um. «Nach der Saison ist vor der Saison.» Deshalb führe er in erster Linie Gespräche mit den bestehenden Bademeistern und hoffe, dass sie eine weitere Saison anhängen. Als Stadt sei man dabei im Vorteil gegenüber kleineren Bädern auf dem Land, fügt Hofer hinzu. Die Hälfte der St.Galler Bademeister sei schon lange dabei, die andere Hälfte bildet die Stadt selbst aus. «Neben dem Rettungstraining im Wasser lernen sie die komplexe Badewassertechnik kennen», so Hofer. Auch Reparaturen, Reinigungen und Gartenarbeiten müsse ein Bademeister können.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.