«Es ist immer schlimmer geworden»: Jetzt spricht die Notkersegg-Bäuerin, die mit ihrem Abfall-Posting einen Sturm der Entrüstung auslöste

Petra Fäh vom Bauernhof Notkersegg prangert mit einem Abfallbild die Rücksichtslosigkeit der Menschen an – und erhält viel Zuspruch. Die Bäuerin erklärt, was hinter dem Posting steckt und weshalb Abfälle im Gras so gefährlich für ihre Tiere sind.

Daniel Walt
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Überreste eines Trinkgelages: Dieses Bild lässt die Wogen auf Facebook hochgehen.

Überreste eines Trinkgelages: Dieses Bild lässt die Wogen auf Facebook hochgehen.

Bild: pd

«Die Menschen, die so etwas machen, haben null Respekt und noch weniger Anstand. Die lesen das, lachen sich ins Fäustchen und machen es genau gleich wieder.» Das schreibt Patricia Dominique Greiling unter einem Facebook-Beitrag des Bauernhofs Notkersegg. Das Hauptbild, das von Bäuerin Petra Fäh gepostet worden ist, zeigt Bier- und Petflaschen sowie Getränkeverpackungen, die bei einer Sitzbank liegengelassen worden sind.

Der Begleittext des Fotos richtet sich an «Spaziergänger», «Partytiger» und «Frischluft-Geniesser»:

«Dieser Abfall landet nachher im Futter unserer Tiere. Besonders Glasscherben und Teile von Aludosen können dem Tier viel Leid zufügen und gar zum Tod führen.»

Die Bäuerin bittet in der Folge darum, dass die Menschen ihren Abfall doch wieder mitnehmen mögen – «wir und unsere Tiere werden es euch danken!» Nach der Aufforderung, sich doch auch an die offiziellen Wege zu halten, anstatt die Wiesen zu zertrampeln, schliesst das Posting mit den Worten: «Respekt heisst das Zauberwort! Der Natur, den Tieren, den Mitmenschen und uns gegenüber.»

Flucht vor dem Lockdown in die Höhe

Seit rund 20 Jahren führen Thomas und Petra Fäh den Bauernhof Notkersegg. Das Abfallfoto entstand im Lauf des Sonntagnachmittags nahe des Chapfwaldes, wie die Bäuerin auf Anfrage festhält. Das Littering sei schon vor zehn Jahren ein Problem gewesen, erklärt sie – «in den vergangenen Jahren ist es aber immer schlimmer geworden.» Während des Lockdowns habe das Ganze sogar noch zugenommen:

«Wir hatten die letzte Zeit unter der Woche so viele Leute hier oben wie sonst jeweils an Wochenenden.»
Petra Fäh, Bäuerin.

Petra Fäh, Bäuerin.

Bild: pd

Faules Gras und leidende Tiere

Dafür, dass Menschen in der Coronakrise die Abgeschiedenheit über den Dächern der Stadt St.Gallen suchen, hat Petra Fäh Verständnis. Nicht aber für die Folgen wie Abfall oder zertrampeltes Gras, mit denen sie und ihr Mann zu kämpfen haben:

«Wir haben wirklich schon genug zu tun und brauchen diese Mehrarbeit nicht.»

Wird Gras zertrampelt, kann es nicht mehr richtig gemäht werden und verfault. Noch schlimmer ist es, wenn die Bauersleute Flaschen und Aludosen in den Wiesen nicht rechtzeitig entdecken. Teile davon geraten nach dem Mähen zerhackt ins Tierfutter – mit teils schlimmen Folgen: «Wenn eine Kuh Scherben oder Aluteile frisst, kann ihr Magen aufgeschlitzt werden», sagt Petra Fäh. Mehrmals pro Jahr müssen die Notkersegg-Landwirte deswegen den Tierarzt beiziehen. In den vergangenen fünf Jahren sei sogar einmal eine Kuh gestorben.

«Ignoranten», «Schweinerei», «Zum Kotzen»

Mit ihrem Posting scheinen die Landwirte einen Nerv getroffen zu haben: Der Beitrag, der am frühen Sonntagabend online gestellt wurde, verbreitete sich auf Facebook in Windeseile. Bis Montagnachmittag wurde er über 240 mal geteilt, rund 150 Personen reagierten mit einem Like beziehungsweise einem wütenden oder einem traurigen Smiley, und es gingen über drei Dutzend Kommentare ein. Deren Tenor ist eindeutig: Die Facebook-User ärgern sich über die Rücksichtslosigkeit der Menschen. Von «Ignoranten» ist in den Kommentaren zu lesen, von einer «Schweinerei» und davon, dass so etwas «zum Kotzen» sei.

Romano Monegat kommentiert das Facebook-Posting wie folgt:

«Leider kommt man bei solchen Zeitgenossen mit Worten wie Respekt und Sorge der Natur gegenüber nicht weiter.»

Er ist überzeugt: Es braucht drastischere Massnahmen, denn nur an die Vernunft der Menschen zu appellieren sei nicht zielführend. Monegat schlägt ein hohes Flaschenpfand auf Pet- und Glasflaschen vor. Und auch Patricia Dominique Greiling ist der Meinung, dass es für Littering Strafen geben sollte, «die wirklich wehtun». Das Gesetz im Kanton St.Gallen sieht für das Wegwerfen oder Zurücklassen einzelner oder mehrerer Kleinabfälle eine Busse von 50 respektive 200 Franken vor

«Es sind nicht mal zwingend die Jungen»

«Wir wollten mit unserem Posting sensibilisieren», sagt Petra Fäh. Auf die Frage, wer vor allem für die Probleme verantwortlich sei, will sie sich nicht auf die Äste hinauslassen: «Es sind nicht mal zwingend die Jungen», hält sie zu entsprechenden Facebook-Kommentaren fest. Menschen über 60 wüssten tendenziell noch, dass man nicht einfach durch Wiesen laufen sollte. «Wir beobachten aber viele Familien mit Kindern, die irgendwo auf einer Wiese ein Picknick veranstalten. Und dann bleiben halt teils auch Abfälle liegen – genauso wie wenn die Leute am 1. August bei uns oben Raketen abfeuern.»

Zur Forderung nach schärferen Strafen für Littering sagt sie, das würden zahlreiche Landwirte sicherlich begrüssen. «Leider ist es aber schwierig, den Tätern solche Dinge nachzuweisen», hält sie fest. Vielleicht sei aber schon einiges gewonnen, wenn man die Menschen dazu bringe, sich einzumischen, wenn sie entsprechende Beobachtungen machten. Wobei auch das nicht unproblematisch ist, wie Petra Fähs Vater am eigenen Leib erfahren musste: «Er sprach an der Thur einmal eine Gruppe Abfallsünder an. Und wurde schliesslich von zehn Leuten verfolgt, sodass sogar die Polizei kommen musste», sagt sie nachdenklich.

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