«Es ist ein Solidaritätsgedanke bei den Eltern auszumachen, die ihre Kinder zu Hause behalten»: In den St.Galler Kinderkrippen  werden deutlich weniger Kinder betreut

Das Corona-Virus zwingt viele Arbeitnehmende, von Zuhause aus zu arbeiten. Doch nicht allen ist das möglich. Das stellt vor allem Familien mit kleinen Kindern vor grosse Herausforderungen.

Christoph Renn
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Nur noch wenige Kinder werden im Moment in den Kinderkrippen der Stadt betreut.

Nur noch wenige Kinder werden im Moment in den Kinderkrippen der Stadt betreut.

Bild: Pius Amrein

Wie kann die Arbeit erledigt werden, wenn zu Hause Kinder herumrennen? Wer betreut den Nachwuchs bei Personen, die in einem Beruf tätig sind, bei dem Home-Office nicht möglich ist? Momentan sind die Antworten noch einfach: «Grundsätzlich dürfen bei uns weiterhin alle ihre Kinder vorbeibringen», sagt Désirée Wild, Leiterin der Kinderkrippe Zauberlehrling in St.Georgen.

Doch so einfach ist die Situation nicht. Denn bei allen nachgefragten Kinderkrippen der Stadt wird darauf hingewiesen, dass die Kinder, wenn irgendwie möglich, zu Hause bleiben sollen.

«Wir betreuen im Moment deutlich weniger Kinder als sonst», sagt Patricia Linder, Leiterin der Kinderkrippe Löwenzahn in Rotmonten. In einigen Fällen geht es aber nicht ohne Kinderkrippe. Dann seien sie natürlich bereit und das Angebot laufe im Moment noch reibungslos weiter.

Auch bei der Kinderkrippe Centrum von Fiorino ist der Rückgang spürbar. Eric Hüttenmoser, Leiter der Kindertagesstätte, sagt:

«Es ist ein Solidaritätsgedanke bei den Eltern auszumachen, die ihre Kinder zu Hause behalten.»

Aber natürlich gebe es auch bei ihnen Familien, denen es nicht möglich sei, die Kinder in den eigenen vier Wänden zu hüten.

Die Betreuung selber organisieren

Bei allen Kinderkrippen gilt also die Regel: Wer die Betreuung anders organisieren kann – nicht von den Grosseltern –, der sollte seine Kinder nicht in die Krippe schicken. Kritisch wird es vor allem, wenn die Kleinen krank werden. «Solange die Kinder gesund sind, dürfen sie noch in die Krippe kommen, zeigen sie Symptome, müssen sie dringend zu Hause bleiben», sagt Désirée Wild.

In den Kinderkrippen versuchen derweil die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die Schutzmassnahmen, so gut es geht, einzuhalten. Patricia Linder von der Kinderkrippe Löwenzahn sagt:

«Wir versuchen, die Gruppen so klein wie möglich zu halten.»

Sprich: Eine Mitarbeiterin geht mit drei Kindern spazieren und nicht mehr wie vorher drei Betreuerinnen mit zehn Kindern. Zudem werde versucht, die Kinder möglichst auf verschiedene Räume aufzuteilen.

Die drei Leiterinnen und Leiter städtischer Kinderkrippen geben aber zu, dass vor allem das Einhalten der nötigen Distanz bei kleinen Kindern nicht möglich ist. «Wir müssen sie manchmal einfach auf dem Arm tragen», sagt unter anderem Patricia Linder. Auch Eric Hüttenmoser sagt, dass Social Distancing in einer Kinderkrippe schwierig einzuhalten sei.

Eltern zahlen weiter, obwohl Kinder zu Hause bleiben

Momentan können die Kinderkrippen den Betrieb noch ohne Probleme aufrechterhalten. Doch schwierig wird es dann, wenn Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erkranken und nicht mehr zur Arbeit erscheinen können. Und so wie sich die Situation im Moment täglich entwickelt, kann dieses Szenario von einem Tag auf den anderen eintreten.

Doch auch darauf sind die Kinderkrippen der Stadt, so gut es geht, vorbereitet. «Wir haben den Eltern bereits klar mitgeteilt, dass Kinder von Eltern, die beispielsweise im Gesundheitswesen tätig sind, Vorrang haben», sagt Désirée Wild von der Kinderkrippe Zauberlehrling. Auch die anderen Krippen handhaben es gleich.

Noch nicht genau geregelt ist hingegen die Finanzierung: Bis auf weiteres müssen die Eltern die Kosten tragen, auch wenn ihre Kinder im Moment nicht betreut werden. Vor allem deshalb, weil auch die Kinderkrippen Fixkosten wie Mieten und Löhne bezahlen müssen und selber unter finanziellem Druck stehen.

Doch wie die Finanzierung in Zukunft aussieht, entscheidet der Bund. «Wir werden schauen, wie es weitergeht, wenn sich die Lage beruhigt hat», sagt Patricia Linder. Eine Möglichkeit: Die Eltern erhalten einen Teil des Geldes zurück.